Google, Gmailify

Google schließt Gmailify ab und beerdigt POP3

24.01.2026 - 13:52:12

Google hat die Integrationstools Gmailify und POP3-Abruf eingestellt, was die Verwaltung externer E-Mail-Konten in Gmail erschwert. Nutzer müssen auf IMAP, Weiterleitungen oder Migration umsteigen.

Google beendet mit sofortiger Wirkung zwei zentrale Funktionen für externe E-Mail-Konten in Gmail. Millionen Nutzer müssen umstellen.

Die Ära der universellen Inbox in Gmail ist vorbei. Der Tech-Konzern hat still und leise zwei langjährige Features abgeschaltet: Gmailify und das Abrufen von E-Mails über POP3. Die Änderungen, die diese Woche in aktualisierten Support-Dokumenten auftauchten, zwingen Millionen Android- und Web-Nutzer, ihre E-Mail-Verwaltung neu zu organisieren. Für viele bedeutet das das Ende des nahtlosen Zusammenschlusses von Konten wie Yahoo, Outlook oder AOL in der Gmail-Oberfläche.

Das Aus für Gmailify: Intelligente Integration gestrichen

Die Funktion Gmailify war seit 2016 die Brücke zu anderen E-Mail-Anbietern. Sie erlaubte es, Konten von Yahoo, Hotmail oder Outlook nicht nur anzuzeigen, sondern vollständig in das Gmail-Ökosystem zu integrieren. Der Clou: Die externen E-Mails profitierten von Googles erstklassigem Spam-Filter, der intelligenten Sortierung in „Primär“, „Sozial“ und „Werbung“ sowie der Google-Now-Integration.

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Diese spezielle Verarbeitung ist nun beendet. Laut Berichten von Tech-Portalen wie Android Authority wurde der Dienst mit sofortiger Wirkung eingestellt. Externe Konten erscheinen jetzt nur noch als standardmäßige IMAP-Postfächer – ohne die „magische“ Sortierung und Filterung von Google. Die Spam-Erkennung fällt zurück auf das Niveau des ursprünglichen Anbieters.

Für eine treue Nutzergruppe war genau diese Integration der Hauptgrund, die Gmail-App überhaupt zu verwenden. Ihre Streichung verwandelt die App für alle Nicht-Google-Konten in einen ganz gewöhnlichen E-Mail-Client. Analysten vermuten, dass die Nutzung von Gmailify nachgelassen hat, da immer mehr Menschen vollständig zu @gmail.com-Adressen gewechselt sind.

POP3-Abruf: Altes Protokoll in Rente geschickt

Parallel stellt Google auch den POP3-Abruf im Web-Gmail ein. Diese Funktion erlaubte es, dass Gmail in regelmäßigen Abständen externe Postfächer abfragte und Nachrichten in den Haupt-Posteingang lud. Sie war besonders für ältere Konten oder E-Mail-Adressen von Internetanbietern nützlich, die keine automatische Weiterleitung unterstützten.

Die aktualisierten Support-Seiten bestätigen: Neu eingehende Mails über diesen Weg werden nicht mehr abgerufen. Die Option, neue POP3-Konten hinzuzufügen, wurde aus den Einstellungen entfernt.

Aus Sicherheitssicht ist der Schritt nachvollziehbar. Das POP3-Protokoll stammt aus den 1980er Jahren und gilt im Vergleich zu modernen Standards wie OAuth und IMAP als anfälliger. Googles Vorgehen folgt einem Branchentrend, veraltete Authentifizierungsmethoden auszumustern. Für betroffene Nutzer kommt die Abschaffung jedoch überraschend und zwingt sie zu schnellen Alternativlösungen.

Die neuen Optionen für Nutzer: Drei Wege führen weiter

Ohne Gmailify und POP3-Abruf müssen sich Nutzer umorientieren. Google nennt drei Alternativen, von denen keine die alte nahtlose Integration vollständig ersetzt.

1. Standard-IMAP-Integration:
Externe Konten können weiterhin über das IMAP-Protokoll in der Gmail-App (Android und iOS) eingerichtet werden. Die Verbindung erlaubt das Lesen und Senden von Mails, ist aber ein „dummer“ Kanal. Die intelligente Sortierung, Smart Replies und der verbesserte Spam-Schutz von Google entfallen. Die Erfahrung ist damit identisch mit der in jedem anderen Basis-E-Mail-Client.

2. Automatische Weiterleitung:
Google empfiehlt, eine automatische Weiterleitung beim ursprünglichen Anbieter einzurichten. Dazu muss man sich bei Yahoo, Outlook oder anderen Diensten anmelden und alle eingehenden Mails an die eigene Gmail-Adresse weiterleiten lassen. Der Vorteil: E-Mails kommen sofort an und durchlaufen Googles Spam-Filter. Der Nachteil: Das Antworten von der externen Adresse ist umständlicher, und der Gelesen-Status wird nicht zum Ursprungskonto synchronisiert.

3. Vollständige Migration:
Die radikalste – und vielleicht von Google beabsichtigte – Lösung ist der komplette Umzug. Indem die Nutzung von Konkurrenzdiensten in der eigenen App unbequemer wird, könnte Google subtil dazu ermutigen, alte Konten ganz zugunsten einer primären Gmail-Adresse aufzugeben.

Kontext: Der „Google-Friedhof“ wird größer

Die Einstellung von Gmailify und POP3-Support reiht sich ein in die lange Liste von Produkten und Features, die auf den „Google-Friedhof“ wandern. Der Zeitpunkt Anfang 2026 fällt mit einer allgemeinen Bereinigung der Workspace- und Consumer-Gmail-Plattformen zusammen.

Historisch betrachtet stellt Google oft Funktionen ein, die hohen Wartungsaufwand verursachen, aber nur noch eine schrumpfende Minderheit nutzt. Die Infrastruktur für das sichere Abrufen, Scannen und Kategorisieren von Millionen E-Mails rivalisierender Anbieter verursachte wohl erhebliche Kosten. Angesichts immer komplexerer Sicherheitsstandards wie SPF, DKIM und DMARC war die Rolle des Mittelsmanns für fremde Mailströme ein Risiko, das Google nicht mehr tragen wollte.

Die Entscheidung markiert auch einen strategischen Wandel. Mitte der 2010er Jahre wollte Google alle Nutzeraktivitäten in einer einzigen App bündeln. 2026 scheint die Strategie hin zur Ökosystem-Bindung zu kippen: Das beste Erlebnis ist nun strikt jenen vorbehalten, die vollständig in die eigenen Dienste investiert sind.

Marktausblick: Chancen für die Konkurrenz

Die Lücke, die Google reißt, eröffnet Chancen für konkurrierende E-Mail-Clients. Apps wie Microsoft Outlook für Android, die nach wie vor robuste Unterstützung für mehrere Konten und eine „Fokussierter Posteingang“-Funktion bieten, könnten einen Zulauf enttäuschter Power-User erleben. Auch unabhängige Clients, die Privatsphäre und universelle Kompatibilität priorisieren, dürften profitieren.

Für den Unternehmensbereich ist die Auswirkung minimal, da dort meist Exchange oder native Google Workspace-Integrationen genutzt werden. Für den individuellen Nutzer – den Freiberufler mit alter ISP-Mail, persönlichem Yahoo-Konto und professioneller Gmail-Adresse – ist der Alltag jedoch deutlich umständlicher geworden.

Analysten sehen in diesem Schritt den Beginn einer größeren Überholung der Gmail-Android-App. Mit der „Gemini“-KI-Integration als neuem Fokus der Google-Software werden veraltete Codebasen wie POP3 wohl geräumt, um Platz für moderne, sichere und proprietäre Datenstrukturen zu schaffen. Der Traum von der universellen Inbox in Gmail ist ausgeträumt. Der Push hin zu einer KI-gesteuerten, exklusiven Kommunikationsplattform hat gerade erst begonnen.

Nutzer sollten umgehend ihre Kontoeinstellungen prüfen. Falls in den letzten Tagen Mails von Zweitkonten fehlten, liegt das höchstwahrscheinlich an dieser nicht angekündigten Einstellung. Die Umstellung auf IMAP oder Weiterleitungen sollte Priorität haben, um den Verlust wichtiger Kommunikation zu vermeiden.

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