Google reicht bei der EU Beschwerde gegen Microsoft ein
25.09.2024 - 14:44:12Der Internet-Konzern argumentiert, dass der weltgröĂte Software-Hersteller Microsoft seine marktbeherrschende Stellung bei Software wie Windows Server nutzt, um Kunden an die Microsoft-Cloud-Plattform Azure zu binden.
Microsoft verzeichnete zuletzt ein starkes Wachstum bei seinen Cloud-Angeboten, wĂ€hrend Googles Cloud-Sparte die Erwartungen von Analysten verfehlte. FĂŒr den Google-Konzern Alphabet US02079K3059 ist es die erste Beschwerde bei der EU-Kommission.
"FĂŒr Kunden teurer und komplexer"
Das wettbewerbswidrige Verhalten von Microsoft erfolgt der Google-Beschwerde zufolge durch restriktive Lizenzbedingungen und diskriminierende Preise. Sie machten es fĂŒr die Kunden teurer und komplexer, Windows Server in Cloud-Umgebungen zu nutzen, die nicht von Microsoft stammen, etwa Google Cloud oder AWS von Amazon US0231351067. Anstatt fairen Wettbewerb zuzulassen, nutze Microsoft seine Marktmacht bei Windows Server, um Kunden zu bestrafen, die sich fĂŒr konkurrierende Cloud-Anbieter entscheiden, heiĂt es in der Beschwerde.
Im November 2022 hatten bereits europĂ€ische Technologie-Unternehmen, die in der Gruppe "Cloud Infrastructure Services Providers in Europe" (CISPE) organisiert sind, eine Ă€hnlich gelagerte Beschwerde gegen den Softwaregiganten eingereicht. Microsoft schade "dem europĂ€ischen Cloud-Ăkosystem irreparabel und beraube europĂ€ische Kunden der Wahlfreiheit bei ihren Cloud-Bereitstellungen", indem es die Kosten fĂŒr den Betrieb von Microsoft-Software auf konkurrierenden Cloud-Diensten in die Höhe treibe, hieĂ es zuerst.
Beschwerde zurĂŒckgezogen
Im Juli 2024 zog die CISPE ihre Beschwerde allerdings zurĂŒck, nachdem man sich mit Microsoft auf ZugestĂ€ndnisse geeinigt hatte. Der erzielte Vergleich schloss jedoch groĂe Konkurrenten aus, darunter Amazon und Google. Microsoft erklĂ€rte nun, man habe die Bedenken, die von den europĂ€ischen Cloud-Anbietern geĂ€uĂert wurden, einvernehmlich beigelegt.
Medienberichten zufolge hatte Google versucht, die Kartellrechtsvereinbarung mit Microsoft zu Fall zu bringen, indem es der CISPE-Gruppe alternative Deals in Höhe von 500 Millionen US-Dollar angeboten hatte. Diese Offerte sei aber abgelehnt worden. "Da es Google nicht gelungen ist, europĂ€ische Unternehmen zu ĂŒberzeugen, gehen wir davon aus, dass es Google auch nicht gelingen wird, die EuropĂ€ische Kommission zu ĂŒberzeugen", sagte ein Microsoft-Sprecher.
Sicherheitsbedenken
Google fĂŒhrt jetzt bei seiner eigenen Beschwerde gegen Microsoft nicht nur wirtschaftliche Argumente ins Feld, sondern warnt auch vor negativen Konsequenzen der Vormachtstellung von Microsoft fĂŒr die Sicherheit von Cloud-Diensten. Der Softwarekonzern schrĂ€nke Sicherheitsaktualisierungen und andere wichtige Upgrades fĂŒr Windows-Server-Instanzen ein, die nicht auf Azure von Microsoft laufen.
Google argumentiert weiterhin, dass die GeschĂ€ftspraktiken von Microsoft zu einer gefĂ€hrlichen Monokultur im Cloud-GeschĂ€ft fĂŒhren wĂŒrden. Bei dem Konkurrenten gebe es auĂerdem eine "unzureichende Sicherheitskultur" und "langjĂ€hrige Probleme in Bezug auf Sicherheit und ZuverlĂ€ssigkeit". Google erwĂ€hnte in diesem Zusammenhang den groĂen Sicherheitsvorfall beim IT-Dienstleister Crowdstrike und Microsoft, bei dem im Juli 8,5 Millionen Windows-GerĂ€te betroffen waren und Fluggesellschaften, Banken, KrankenhĂ€user und mehr weltweit lahmgelegt wurden. Eine stĂ€rkere Konzentration auf eine Umgebung, in diesem Fall Azure, sei nicht gut, da dies zu hĂ€ufigeren Cyberangriffen fĂŒhren werde.

