Conti nimmt sich beim Sorgenkind Autozulieferung mehr vor - Kursminus
07.03.2024 - 14:36:14(neu: Aussagen Management, Kurs aktualisiert, weitere Analystenstimmen.)
HANNOVER (dpa-AFX) - Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental DE0005439004 nimmt sich nach deutlichen Verbesserungen im abgelaufenen Jahr in der schwĂ€chelnden Autozulieferung erneut mehr vor. Das eingelĂ€utete Sparprogramm mit Stellenabbau in der Sparte soll ebenso RĂŒckenwind geben wie höhere Verkaufspreise und Effizienzverbesserungen. Erstmals seit 2019 schrieben die Hannoveraner in dem Bereich im vergangenen Jahr wieder schwarze Zahlen. FĂŒr den Gesamtkonzern konnte Conti-Chef Nikolai Setzer am Donnerstag unter dem Strich einen Gewinnsprung prĂ€sentieren. Die Conti-Aktie fiel dennoch.
Das Papier verlor am Nachmittag 2,4 Prozent auf 71,08 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 7,6 Prozent zu Buche. JPMorgan-Analyst Jose Asumendi sprach von starken Resultaten und einem positiven Ausblick. Hohe Sonderausgaben belasteten allerdings die Aussichten fĂŒr den freien Mittelzufluss (Free Cashflow). George Galliers von Goldman Sachs bezeichnete das Abschneiden im vierten Quartal in der Autozulieferung allerdings als enttĂ€uschend. Stifel-Fachmann Alexander Wahl geht von sinkenden MarktschĂ€tzungen fĂŒr den operativen Gewinn des Gesamtkonzerns aus.
Im vergangenen Jahr lief es in der Autozuliefersparte besser als im Jahr davor, auch weil die immer noch schwierige Versorgungslage mit Elektronikchips sich lockerte und weniger Sonderfrachten zu Buche schlugen. In dem seit langem kriselnden GeschÀft hat das Management den Rotstift angesetzt, Tausende Stellen werden gestrichen. Rund 7150 Stellen stehen zur Disposition, davon 5400 in der Verwaltung. Bis 2025 sollen die jÀhrlichen Kosten der Sparte dadurch um 400 Millionen Euro sinken, wenn es nach Spartenchef Philipp von Hirschheydt geht. Obendrauf kommt noch der Stellenabbau in Forschung und Entwicklung.
Vergangenes Jahr blieben im AutozuliefergeschĂ€ft dank eines Schlussspurts 1,9 Prozent vom Umsatz als operativer Gewinn vor Sondereffekten sowie Zinsen und Steuern hĂ€ngen. Vorgenommen hatte sich der Konzern rund 2 bis 3 Prozent. Vorstandschef Setzer sagte in einer Telefonkonferenz mit Analysten, im groĂen Markt China sei der Konzern bei den aufstrebenden heimischen Autobauern noch unterreprĂ€sentiert. Diese wachsen derzeit vor allem im Elektroautobereich stark und nehmen etablierten Herstellern wie den deutschen Konzernen Marktanteile weg.
Finanzchefin Katja Garcia Vila zufolge sah es bei den Bestellungen aus China aber bereits 2023 schon besser aus. "In unserem aktuellen Auftragseingang in China verzeichnen wir einen wachsenden Anteil von chinesischen Herstellern", sagte sie im GesprÀch mit den Nachrichtenagenturen dpa-AFX und dpa. "Wir werden deshalb sicher auch ein gefragter Partner sein, sollten sich gewisse Player in Zukunft auch in anderen Regionen der Welt stÀrker mit ProduktionskapazitÀten beschÀftigen."
FĂŒr das laufende Jahr peilt Conti eine weitere Verbesserung der ProfitabilitĂ€t im AutogeschĂ€ft an. So soll die operative Gewinnmarge in diesem Jahr auf zwischen rund 3,0 und 4,0 Prozent steigen. Analysten hatten bisher mit einem Wert am unteren Ende der Bandbreite gerechnet.
Im Gesamtkonzern lieferte Contis Reifensparte erneut den Löwenanteil des Gewinns. So konnte der DaxDE0008469008-Konzern insgesamt einen Sprung beim Nettogewinn auf 1,16 Milliarden Euro verbuchen. Ein Jahr zuvor waren es nur knapp 67 Millionen Euro gewesen.
Die Dividende soll um 70 Cent auf 2,20 Euro steigen. Das sind in Summe rund 440 Millionen Euro. Der GroĂteil davon geht an die Industriellenfamilie Schaeffler, die ĂŒber ihre Beteiligungen 46 Prozent der Anteile hĂ€lt.
Der Umsatz kletterte um 5,1 Prozent auf 41,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis zog um knapp ein Drittel auf 2,52 Milliarden Euro an. Das entsprach einer Marge von 6,1 Prozent. Im neuen Jahr peilt Chef Setzer hier einen Wert von 6,0 bis 7,0 Prozent an. Wie in den Vorjahren rechnet das Management mit steigenden Kosten, diesmal dĂŒrften fĂŒr höhere Löhne und GehĂ€lter rund 500 Millionen Euro an Belastung gegenĂŒber dem Vorjahr anfallen. Rund die HĂ€lfte davon trifft die Autozuliefersparte.
Der Gesamtumsatz soll auf Basis der Wechselkurse von Anfang des Jahres bei 41,0 bis 44,0 Milliarden Euro landen. "2024 werden wir erneut tatkrĂ€ftig anpacken und unsere Jahresziele beharrlich verfolgen", sagte Setzer laut Mitteilung. RĂŒckenwind von einer steigenden Weltproduktion bei Autos und leichten Nutzfahrzeugen erwarten die Niedersachsen dabei nicht.
Bei dem um Ăbernahmen und SpartenverkĂ€ufen bereinigten Mittelzufluss (Free Cashflow) nimmt sich Finanzchefin Garcia Vila einen Wert von 0,7 bis 1,1 Milliarden vor. Das ist trotz der besser eingeschĂ€tzten Gewinnentwicklung weniger als die 1,3 Milliarden Euro aus dem Vorjahr.
Dabei verwies die Managerin allerdings auf hohe Sonderausgaben von rund einer Milliarde Euro. Diese resultieren den Angaben zufolge einerseits aus dem RĂŒckkauf von Firmenanteilen von einem Conti-Pensionsfonds. Zudem verselbststĂ€ndigt Conti bestimmte GeschĂ€ftsbereiche aus der Kunststofftechnik- und der Autozuliefersparte, die auf dem PrĂŒfstand stehen. Auch fĂŒr den Konzernumbau dĂŒrfte Geld abflieĂen.

