'Historische Hitze, verbreitete Trockenheit'
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 14:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNach einer vorlÀufigen Auswertung ist er der zweitwÀrmste, der in Deutschland jemals offiziell gemessen wurde. Das teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mit.
"Historische Hitze, verbreitete Trockenheit und auĂergewöhnlich viel Sonnenschein prĂ€gten den Sommer 2026 in Deutschland, der als einer der wĂ€rmsten seit Beginn der flĂ€chendeckenden Aufzeichnungen in die Bilanz eingehen wird", schrieb der DWD.
Wie heiĂ war es?
Das voraussichtliche Temperaturmittel lag laut Wetterdienst bei 19,6 Grad. "Nach vorlĂ€ufigen Berechnungen dĂŒrfte nur der Jahrhundertsommer 2003 mit 19,7
°
C wĂ€rmer gewesen sein", hieĂ es vom DWD. Im Sommer 2026 lag die Temperatur demnach 3,3 Grad ĂŒber dem Wert der international gĂŒltigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Als meteorologischer Sommer gilt der Zeitraum vom 1. Juni bis 31. August.
Gab es neue Temperaturrekorde?
"Beispiellos war 2026 die HĂ€ufigkeit der Hitze", hieĂ es. Im Deutschlandmittel seien rund 22 heiĂe Tage mit mindestens 30 Grad und etwa fĂŒnf sehr heiĂe Tage mit mindestens 35 Grad ermittelt worden. Am wĂ€rmsten war es diesen Sommer im Saarland mit im Mittel 21,3 Grad.
Den Temperaturrekord stellte dieses Jahr Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt auf: Am 27. Juni wurden dort 41,8 Grad gemessen. Auch einen Nacht-Rekord gab es diesen Sommer: Im sĂ€chsischen KubschĂŒtz sank die Temperatur in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni nicht unter 29,4 Grad.
Wie steht es um die Trockenheit?
Ausgetrocknete Böden, wenig Wasser in FlĂŒssen und zahlreiche WaldbrĂ€nde: Die Trockenheit machte sich vielerorts bemerkbar. Der Sommer 2026 war in der FlĂ€che "deutlich zu trocken", lautet auch die vorlĂ€ufige Bilanz des DWD.
So wurden mit rund 171 Litern Niederschlag pro Quadratmeter nur knapp 72 Prozent des Solls von 239 Litern pro Quadratmeter erreicht. "Nach einem zu trockenen Juni erhöhte vor allem der markant niederschlagsarme Juli das Defizit. Auch der August brachte nur regional Entlastung", erklÀrten die Meteorologen.
Sehr deutlich seien die Folgen der wenigen NiederschlĂ€ge fĂŒr den Wasserhaushalt, sagte Fred Hattermann vom Potsdam-Institut fĂŒr Klimafolgenforschung (PIK). "BĂ€che und Quellen, insbesondere im SĂŒdwesten Deutschlands, sind zeitweise ganz versiegt, und die wichtigsten WasserstraĂen wie Rhein und Donau verzeichnen RekordtiefstĂ€nde."
Dabei sei es nicht nur der wenige Regen, der die Wasserspeicher nicht ausreichend auffĂŒlle. "Durch die steigenden Temperaturen steigt die Verdunstung, wodurch die Landschaft mehr Wasser verliert, bevor es in das Grundwasser und die OberflĂ€chengewĂ€sser gelangen kann", erklĂ€rte der Experte.
Wo regnete es am wenigsten - und wo am meisten?
Beim Niederschlag gab es klare regionale Unterschiede: Am Alpenrand summierte sich der Regen auf örtlich mehr als 400 Liter pro Quadratmeter, wĂ€hrend am nördlichen Oberrhein stellenweise nur etwa 70 Liter pro Quadratmeter zusammenkamen. Die nach bisherigem Stand höchste Tagessumme des Sommers meldete Deisenhofen im Kreis MĂŒnchen am 29. Juni mit 102 Liter pro Quadratmetern.
Besonders heftig wurde es am 19. August: Im brandenburgischen FĂŒrstenwalde sowie in einem Korridor vom rheinland-pfĂ€lzischen Westerwald ĂŒber Mittel- und Osthessen bis nach WestthĂŒringen traten gleich mehrere Tornados auf.
Wie viele Sonnenstunden gab es?
Die Sonne schien mit 779 Stunden besonders lange - der Sommer 2026 zĂ€hlt der vorlĂ€ufigen Auswertung zufolge zu den fĂŒnf sonnigsten seit Beginn der Sonnenscheinreihe 1951. "Regional fiel die Bilanz noch ĂŒppiger aus: In Teilen SĂŒddeutschlands summierte sich die Sonnenscheindauer örtlich auf rund 900 Stunden", teilte der Wetterdienst mit.
Welche Rolle spielt der Klimawandel?
"Eine DWD-Attributionsstudie zur Hitzewelle Ende Juni 2026 ergab: Ohne den Klimawandel wĂ€re eine Hitzewelle dieses AusmaĂes statistisch unmöglich gewesen", hatte der Wetterdienst vorab mitgeteilt. Mit Attributionsstudien lĂ€sst sich abschĂ€tzen, inwieweit der vom Menschen verursachte Klimawandel die Wahrscheinlichkeit und IntensitĂ€t individueller Wetter- oder Klimaextreme verĂ€ndert hat.
"Mit jedem weiteren Jahr wird klarer, wie der menschgemachte Klimawandel konkret auf WetterphĂ€nomene in Europa einwirkt und auf was wir uns in den kommenden Jahren und Jahrzehnten einstellen mĂŒssen", sagte Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut fĂŒr Klimafolgenforschung. "Das grundlegende Wissen ĂŒber die Ursachen und ZusammenhĂ€nge der absehbaren Entwicklungen ist seit Jahrzehnten bekannt."
Wie viele Menschen starben aufgrund der Hitze?
Nach SchĂ€tzung des Robert Koch-Instituts (RKI) sind bis Mitte August etwa 15.800 Menschen durch Hitze gestorben. 9.600 dieser TodesfĂ€lle entfielen auf die Extremhitze Ende Juni, wie es im letzten RKI-Wochenbericht hieĂ. Weitere 4.000 SterbefĂ€lle seien auf die hohen Temperaturen in den ersten zwei Augustwochen zurĂŒckzufĂŒhren. Der Bericht betrachtet den Zeitraum vom 6. April bis zum 16. August.
In diesem Jahr sind damit wesentlich mehr Menschen aufgrund der Hitze ums Leben gekommen als in den vergangenen mindestens zehn Jahren. Laut RKI handelt es sich um konservative SchĂ€tzungen - die Zahl könne sogar noch höher liegen. Der medizinische GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen InterdisziplinĂ€ren Vereinigung fĂŒr Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, hatte erklĂ€rt, viele FĂ€lle wĂŒrden nicht als hitzebedingt erfasst, weil auf Totenscheinen etwa Organversagen stehe.
