VerdÀchtiger angeklagt
16.09.2025 - 23:11:13Nach dem tödlichen Schuss auf den rechten US-Aktivisten ist Robinson nun unter anderem wegen Mordes angeklagt worden.
Der zustĂ€ndige Staatsanwalt, Jeff Gray, kĂŒndigte an, fĂŒr den 22-JĂ€hrigen die Todesstrafe zu beantragen. Er verlas insgesamt sieben Anklagepunkte: Robinson werden neben Mord auch Behinderung der Justiz, Zeugenbeeinflussung und eine Gewalttat in Anwesenheit von Kindern vorgeworfen.
Erschwerend komme hinzu, dass er wohl aus politischen Motiven gehandelt habe, sagte Gray bei einer Pressekonferenz in der Stadt Provo. Er verwies auch auf Beweise, die Robinson belasteten - darunter DNA-Spuren an der mutmaĂlichen Tatwaffe sowie Auswertungen von Ăberwachungsvideos.
Was zum Motiv bekannt ist
Auf eine Nachfrage eines Reporters des konservativen US-Senders Fox News, ob in diesem Kontext Transgender-Themen eine Rolle gespielt hĂ€tten, lieĂ sich der Staatsanwalt nicht ein. Transmenschen sind Personen, die sich dem Geschlecht, das ihnen bei Geburt zugeschrieben wurde, nicht zugehörig fĂŒhlen.
Gray verwies lediglich auf Angaben, die er wenige Minuten zuvor gemacht hatte. Demnach habe Robinsons Mutter erklĂ€rt, dass ihr Sohn mit einer Transperson zusammengelebt habe. Der Staatsanwalt selbst sprach nur davon, dass dieser Person bei der Geburt das mĂ€nnliche Geschlecht zugeschrieben worden sei. Er fĂŒgte hinzu, Robinson habe mit ihr eine Liebesbeziehung gefĂŒhrt, ging auf das Thema aber sonst nicht weiter ein.
Nach Grays Worten war es diese Person, die die Notiz unter der Tastatur entdeckt hatte, nachdem Robinson sie per Textnachricht darauf hingewiesen hatte. Im Anschluss kam es laut dem Staatsanwalt zu einem schriftlichen Austausch, in dem Robinson die Tat mit zahlreichen Details einrĂ€umte und im Zuge dessen erklĂ€rte, er habe "genug von diesem Hass". Er habe auch gebeten, belastende Nachrichten zu löschen sowie gegenĂŒber Polizei und Medien zu schweigen. "Ich hatte gehofft, dieses Geheimnis bis zu meinem Tod im hohen Alter fĂŒr mich behalten zu können", soll Robinson unter anderem geschrieben haben.
Was fĂŒr eine Rolle die Familie spielte
Gray Ă€uĂerte sich auch zum familiĂ€ren Hintergrund des TatverdĂ€chtigen. Robinsons Mutter habe demnach nach der Tat Fotos des mutmaĂlichen SchĂŒtzen in den Nachrichten gesehen und ihrem Ehemann gesagt, dass dieser ihrem Sohn Ă€hnlich sehe. Robinson habe sich ihr zufolge im vergangenen Jahr zunehmend politisch engagiert und verstĂ€rkt fĂŒr die Rechte von Homosexuellen und Transpersonen eingesetzt - Ansichten, die im Gegensatz zu denen seines Vaters standen.
Denn dieser sei seit dem Amtsantritt von US-PrĂ€sident Donald Trump zum eingefleischten AnhĂ€nger von dessen "Make America Great Again"-Bewegung (MAGA) geworden, soll Robinson in einer Textnachricht geschrieben haben. Seinem Vater gegenĂŒber habe der TatverdĂ€chtige auch angedeutet, der SchĂŒtze bei dem Attentat gewesen zu sein. Seine Eltern und ein Freund der Familie hĂ€tten ihn dann ĂŒberzeugt, sich der Polizei zu stellen.
Was am Tattag passierte - und was danach
Am vergangenen Mittwoch war auf dem Campus einer UniversitÀt in Utah auf Kirk geschossen worden, als dieser dort vor zahlreichen Menschen sprach. Auf Videos in sozialen Medien war der Schuss zu hören. Zu sehen war, wie der 31-JÀhrige tödlich getroffen wurde. Menschen warfen sich auf den Boden, schrien, rannten weg. Kirk starb wenig spÀter im Krankenhaus.
Kirks Tod entfaltet in den USA eine enorme politische Schlagkraft. Der Trump-UnterstĂŒtzer war eine prĂ€gende Stimme der US-Rechten und erreichte ein Millionenpublikum, vor allem junge MĂ€nner. 2012 grĂŒndete er die Jugendorganisation Turning Point USA, die heute an zahlreichen Highschools und Hochschulen aktiv ist. Als prominenter Vertreter der MAGA-Bewegung verschaffte er Trump wichtige Stimmen junger Konservativer. Kirk galt als enger Vertrauter von VizeprĂ€sident JD Vance und von Trumps Ă€ltestem Sohn, Donald Trump Jr..
Was die Tat fĂŒr die USA bedeutet
Das Attentat reiht sich ein in eine Serie politisch motivierter Gewalttaten in den USA. Vor wenigen Monaten wurden im Bundesstaat Minnesota eine demokratische Politikerin und ihr Ehemann erschossen. Auch auf Trump war im vergangenen Jahr bei einem Wahlkampfauftritt geschossen worden. Behörden und Experten warnen seit Langem vor zunehmender Radikalisierung - befeuert durch Hass im Netz und aggressive Rhetorik.
Die Trump-Regierung streitet allerdings ab, politisch motivierte Gewalt sei ein Problem beider Seiten, und stellt sie primÀr als PhÀnomen der "radikalen Linken" dar. Seit dem Attentat nutzen der PrÀsident und sein Umfeld die enorme Reichweite von Kirks Organisationen und Medienplattformen nicht nur, um an den Aktivisten zu erinnern - sondern auch, um eigene politische Botschaften zu platzieren.
Beobachter warnen deshalb, die Tat diene als Vehikel, um einen zunehmend autoritÀren Regierungsstil zu legitimieren und die Radikalisierung von Teilen der Gesellschaft weiter anzufeuern. Nach EinschÀtzung von Experten werde Kirk bereits mit religiöser Sprache zum MÀrtyrer stilisiert, wÀhrend die Verantwortung nicht allein einer Einzelperson, sondern einem ganzen politischen Lager angelastet werde.
Wie es nun weitergeht
Vor diesem Hintergrund kĂŒndigte VizeprĂ€sident Vance zu Wochenbeginn in einer im WeiĂen Haus aufgezeichneten Sonderausgabe der "Charlie Kirk Show" an, gegen ein Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen vorgehen zu wollen, das er - ohne Belege vorzulegen - fĂŒr die Gewalt verantwortlich machte. Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller sprach gar von einer "inlĂ€ndischen Terrorbewegung".
Auf die Frage nach möglichen weiteren VerdÀchtigen sagte Staatsanwalt Gray in Utah, es gebe zum jetzigen Zeitpunkt keine Hinweise darauf. Robinson soll noch am Dienstag (Ortszeit) zu einer ersten virtuellen Anhörung vor einem Richter erscheinen.

