IG-Metall-Chefin, Europas

IG-Metall-Chefin: Europas Industrie muss unabhÀngiger werden

26.12.2024 - 15:46:01 | dpa.de

IG-Metall-Chefin Christiane Benner hat eine entschlossene Industriepolitik auf europÀischer Ebene verlangt.

"Europa und seine Industrie mĂŒssen unabhĂ€ngiger von China und den USA werden", sagte die Erste Vorsitzende der grĂ¶ĂŸten deutschen Einzelgewerkschaft der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Angesichts des chinesischen Staatskapitalismus und der PlĂ€ne des designierten US-PrĂ€sidenten Trump sei es aber naiv, in diesem Zusammenhang an den freien Markt zu glauben.

Die europĂ€ischen Staaten mĂŒssten sich ĂŒber industrielle Projekte verbindlich abstimmen und auch externe Investitionen anwerben, sagt Benner. Im Zentrum mĂŒssten unter Einhaltung der Klimaziele die Digitalisierung, niedrige Energiekosten sowie die Entlastung der Unternehmen von bĂŒrokratischen Auflagen stehen. Fördermittel mĂŒssten von einer möglichst hohen Wertschöpfung innerhalb der EU abhĂ€ngig gemacht werden.

Als Ergebnis der kommenden Bundestagswahl wĂŒnscht sich Benner eine stabile Bundesregierung, die möglichst nur noch von zwei Koalitionspartnern gestellt wird. So könnten die notwendigen Schritte leichter umgesetzt werden, meint die Gewerkschafterin. In den letzten Monaten der Ampel aus SPD, GrĂŒnen und FDP habe Politik "nicht mehr richtig funktioniert", und es seien Chancen verpasst worden.

Bei den konkreten Maßnahmen im Inland bestehe eher ein Umsetzungsproblem, als dass es an den richtigen Erkenntnissen mangele, sagt Benner. Es drohe eine De-Industrialisierung, wenn es nicht sehr schnell gelinge, die Betriebe mit kostengĂŒnstiger Energie zu versorgen. Die Verbraucher benötigten ebenfalls eine spĂŒrbare Entlastung beim Strompreis, auch damit die ElektromobilitĂ€t vorankomme. Zudem mĂŒsse die Ladeinfrastruktur schneller ausgebaut werden.

Mit Blick auf die deutsche Autoindustrie sieht Benner eine Vielzahl von Managementfehlern etwa bei der verpatzten Digitalisierung und der fehlenden Entwicklung kostengĂŒnstiger Elektro-Modelle. Die IG Metall habe schon vor vielen Jahren gefordert, beim Elektroauto nicht auf die Batterieproduktion mit ihrer hohen Wertschöpfung zu verzichten.

Noch sei nicht alles verloren, weil Deutschland und Europa auf eine Vielzahl von Vorteilen aufbauen könnten. Dazu gehörten gut ausgebildete Menschen, starke und innovative MittelstÀndler sowie die Mitbestimmung. Die nÀchsten beiden Jahre sind aus Benners Sicht ganz entscheidend: "Von allein wird nichts gut!"

Die IG Metall habe fĂŒr die Metall- und Elektroindustrie ein Tarifergebnis erzielt, das in die Zeit passe. Besonders erfreulich sei dabei der Sonderbeitrag fĂŒr die Auszubildenden, die sich stark engagiert hĂ€tten. Nun sei es an den Unternehmen, die ArbeitsplĂ€tze zu sichern und in Deutschland zu investieren. "Wir erwarten jetzt feste Bekenntnisse zum Standort."

Um ihre eigene Truppe macht sich die IG-Metall-Chefin keine Sorgen, obwohl in den Betrieben derzeit wenige Menschen neu eingestellt werden. "Wir haben einen Plan und wir sind konfliktfÀhig. In den Betrieben haben wir zudem handlungsfÀhige und hochkompetente BetriebsrÀte."

Zur genauen Entwicklung der Mitgliederzahlen wird Deutschlands grĂ¶ĂŸte Gewerkschaft erst auf ihrer Jahres-Pressekonferenz am 27. Januar berichten. Einstweilen belĂ€sst es Benner bei der Feststellung, dass man einen sehr guten Zulauf bei den jungen Mitgliedern habe.

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