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KORREKTUR: Wie stetiger FluglÀrm die Gesundheit schÀdigen kann

09.01.2025 - 12:15:37

(Im 2. Satz wurde berichtigt: Die schwerere linke Herzkammer bezieht sich nur auf jene Anwohner, die FluglĂ€rm in besonderem Maße ausgesetzt waren.

Satz am Ende des 3. Absatzes ergÀnzt.)

LONDON/MAINZ (dpa-AFX) - Eine Studie zeigt erstmals die konkreten Auswirkungen von permanentem FluglĂ€rm auf das Herz. Bei der Auswertung von Herzaufnahmen per Magnetresonanztomographie (MRT) stellten britische Wissenschaftler fest, dass die linke Herzkammer bei Menschen, die FluglĂ€rm in besonderem Maße ausgesetzt waren, um durchschnittlich sieben Prozent schwerer war als bei anderen Personen. Dies erhöhe das Risiko fĂŒr schwere Herz-Kreislauf-Probleme wie Herzrhythmusstörung, Herzinfarkt oder Schlaganfall um 32 Prozent, schreibt die Gruppe um Cristian Topriceanu vom University College London im "Journal of the American College of Cardiology" ("JACC"). Deutsche Experten loben die Studie, das Resultat sei auf Deutschland ĂŒbertragbar.

"Mit der Expansion der Luftfahrtindustrie wĂ€chst in Gemeinden, die in der NĂ€he von FlughĂ€fen oder unter Flugrouten leben, die Besorgnis ĂŒber mögliche Auswirkungen auf die LebensqualitĂ€t und den Schlaf", schreiben die Studienautoren. Sie werteten in einer medizinischen Datenbank - der UK Biobank - Herzaufnahmen von 3.635 Menschen aus, die in der NĂ€he eines von vier großen englischen FlughĂ€fen lebten: London-Heathrow, London-Gatwick, Manchester und Birmingham.

Nach dem Abgleich mit LÀrmdaten der britischen Luftfahrtbehörde CAA (Civil Aviation Authority) kalkulierten die Wissenschaftler, dass acht Prozent dieser Teilnehmer einem gemittelten Dauerschallpegel von 50 Dezibel oder mehr ausgesetzt sind. Drei Prozent lebten mit einem nÀchtlichen FluglÀrm von 45 Dezibel oder mehr. Bei diesen Anwohnern war unter anderem die linke Herzkammer um durchschnittlich sieben Prozent schwerer. Zum Vergleich: 50 Dezibel entsprechen etwa einer angeregten Unterhaltung.

Die Langzeitrisiken durch VerĂ€nderungen der linken Herzkammer ermittelte das Team aus Herzaufnahmen und anderen Daten von 21.360 Patienten aus der englischen Datenbank. Bei der Risikokalkulation berĂŒcksichtigten die Forscher zahlreiche andere Faktoren, die Einfluss auf die Herzgesundheit haben können - darunter Geschlecht, Alter, Einkommen, Rauchen, Alkoholkonsum, LuftqualitĂ€t und sonstige LĂ€rmquellen.

Wie genau FluglĂ€rm auf das Herz-Kreislauf-System einwirkt, ist noch nicht abschließend geklĂ€rt. Es gibt jedoch Hinweise, dass diese GerĂ€uschkulisse mit Übergewicht und Bluthochdruck in Verbindung steht. "Zwischen einem Viertel und der HĂ€lfte des Zusammenhangs wurden einem höheren Körper-Masse-Index bei Teilnehmern zugeschrieben, die grĂ¶ĂŸerem FluglĂ€rm ausgesetzt waren", wird Topriceanu in einer Mitteilung seiner Hochschule zitiert. Bei Patienten, die tagsĂŒber mit FluglĂ€rm konfrontiert waren, fĂŒhrten die Wissenschaftler zwischen 9 und 36 Prozent des Unterschieds auf höheren Blutdruck zurĂŒck.

Auf Bluthochdruck kann der Körper mit einem verstĂ€rkten Dickenwachstum des Herzmuskels reagieren. Bei den vom FluglĂ€rm Betroffenen hatte eine verdickte Herzwand den grĂ¶ĂŸten Anteil an der durchschnittlich sieben Prozent schwereren linken Herzkammer. In der Folge wird das Herz steifer, kann sich weniger stark dehnen, und die Pumpleistung nimmt ab. "Andere Faktoren, die durch Stressreaktion auf FluglĂ€rm ausgelöst werden könnten, sind Schlafstörungen, EntzĂŒndungen und Arteriosklerose", betonte Topriceanu.

Der Kardiologe Thomas MĂŒnzel von der UniversitĂ€tsmedizin Mainz lobte die Untersuchung. "Bisher konnte sich noch keine Studie ĂŒber den Zusammenhang zwischen FluglĂ€rm und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf so viele Daten stĂŒtzen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. In einem "JACC"-Kommentar schreibt er zusammen mit anderen Experten, LĂ€rmbelastung durch Verkehr sei ein weltweites und zunehmendes Problem. NĂ€chtlicher LĂ€rm sei besonders schĂ€dlich.

Thomas Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung, betonte, dass die Studie das Forschungsfeld erweitere. "Die MRT-Aufnahmen sind in hohem Maße standardisiert, deshalb sind die Herzaufnahmen gut miteinander vergleichbar", erlĂ€uterte der Kardiologe. Die Ergebnisse der Studie seien auf Deutschland ĂŒbertragbar, denn Anwohner von FlughĂ€fen hierzulande seien Ă€hnlichen Dezibelwerten ausgesetzt wie in England. Meinertz, MĂŒnzel und auch die Autoren der Studie plĂ€dieren dafĂŒr, der Staat solle seine Einwohner besser vor gesundheitsschĂ€dlichem FluglĂ€rm schĂŒtzen.

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