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WDH / ROUNDUP 2 / Schwacher Werbemarkt: RTL Deutschland streicht 600 Stellen

02.12.2025 - 12:45:12

(im 2. Absatz, letzter Satz wurde ein fehlendes Wort ergĂ€nzt)KÖLN - RTL Deutschland streicht im Rahmen einer Neustrukturierung rund 600 Stellen.

(im 2. Absatz, letzter Satz wurde ein fehlendes Wort ergÀnzt)

KÖLN (dpa-AFX) - RTL Deutschland streicht im Rahmen einer Neustrukturierung rund 600 Stellen. "Es gibt zwei große Herausforderungen, die wir lösen mĂŒssen, um langfristig erfolgreich zu sein", sagte RTL-Deutschlandchef Stephan Schmitter der Deutschen Presse-Agentur. Eine davon sei der tiefgreifende Wandel im Medienmarkt, die andere die schwierige konjunkturelle Lage. Zuvor hatte die "Wirtschaftswoche" ĂŒber einen großen Stellenabbau bei dem zum Medienkonzern Bertelsmann gehörenden Unternehmen berichtet.

Die 600 betroffenen Stellen umfassen RTL Deutschland zufolge sowohl Vollzeit- als auch TeilzeitkrĂ€fte. Der Umbau solle sozialvertrĂ€glich umgesetzt werden. "So sozialvertrĂ€glich, wertschĂ€tzend und transparent, wie es in einer so schwierigen Situation möglich ist", ergĂ€nzte Schmitter. Gemeinsam mit den BetriebsrĂ€ten sei ein spezielles Abfindungsprogramm entwickelt worden, um betroffene BeschĂ€ftigte zu unterstĂŒtzen.

"Der Sozialplan, den wir mit dem Betriebsrat verhandelt haben, soll betriebsbedingte KĂŒndigungen möglichst vermeiden", sagte Schmitter. Betroffene BeschĂ€ftigte sollen stattdessen ĂŒber Altersteilzeit, Abfindungen oder andere UnterstĂŒtzungsangebote entlastet werden.

Wirtschaftlicher Kontext und Streaming-Fokus

Hintergrund sind unter anderem die anhaltende Rezession und die schwachen TV-WerbemĂ€rkte. Seit 2019 sind RTL zufolge die linearen TV-WerbeumsĂ€tze in Deutschland um mehr als 20 Prozent gesunken. Gleichzeitig habe der Konzern massiv in den Ausbau des Streamingdienstes RTL+ investiert, dessen Abonnentenzahl auf ĂŒber 6,6 Millionen gestiegen ist. Mit weiter dynamischem Wachstum in allen Kennzahlen - Umsatz, zahlende Abonnenten, Nutzungsdauer - sei RTL+ auf Kurs, im GeschĂ€ftsjahr 2026 profitabel zu werden, teilte das Unternehmen mit. "Diese Gesamtsituation macht es zwingend notwendig, dass wir uns jetzt strukturell neu aufstellen", sagte Schmitter.

Gleichzeitig richtet sich RTL stĂ€rker auf das StreaminggeschĂ€ft aus. "Durch die Maßnahmen werden wir einen hohen, zweistelligen Millionenbetrag in den Personalkosten einsparen", sagte Schmitter. "Aber viel wichtiger wird es sein, die Organisation konsequent auf die großen VerĂ€nderungen im Medienmarkt auszurichten und auf den Wettbewerb mit den US-amerikanischen Streamingdiensten zu fokussieren."

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) reagierte schockiert auf die geplanten Stellenstreichungen. "Das ist eine Katastrophe fĂŒr die Kolleginnen und Kollegen bei RTL und ihren Töchtern", sagte DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster in einer Mitteilung. Positiv bewertet er jedoch die Konditionen fĂŒr die Mitarbeiter. "Das sind gute und wichtige Verhandlungsergebnisse im Sinne der BeschĂ€ftigten", erklĂ€rte Beuster, "die den Jobkahlschlag zwar nicht rĂŒckgĂ€ngig machen, aber die schlimmsten Auswirkungen lindern".

FĂŒr Zuschauerinnen und Zuschauer bedeutet der Umbau RTL Deutschland zufolge keine unmittelbaren Einschnitte beim linearen Programm. "Wir senden nach wie vor 24 Stunden rund um die Uhr und wollen unsere marktfĂŒhrenden Positionen bei den 14-49-JĂ€hrigen und den 14-59-JĂ€hrigen entsprechend verteidigen", sagte Schmitter. Zugleich kĂŒndigte er an, dass die Programmbudgets zunehmend vom linearen TV in hochwertige Streaming-Inhalte verschoben werden. "Wir planen weiter jedes Jahr ĂŒber eine Milliarde in unsere Inhalte zu investieren, die Budgets aber zu Gunsten hochwertiger Streaming-Inhalte umzuverteilen."

Zudem solle geschaut werden, ob Content-Teams zusammengelegt werden können, um Inhalte fĂŒr RTL+ effizienter zu produzieren. "Zurzeit sind einzelne Content-Teams fĂŒr den jeweiligen Inhalt auf einem TV-Kanal verantwortlich. Diese Teams werden wir zusammenlegen, damit sie dann gemeinsam den besten Inhalt fĂŒr RTL+ in jedem Genre produzieren", erlĂ€uterte Schmitter. "Wir lösen die aktuelle Kanallogik auf, denn beim Streaming schaut jeder, wo er will, was er will und wann er will."

Exklusive Formate zunÀchst auf RTL+

Was das konkret fĂŒr einzelne Formate bedeutet, ist noch nicht vollstĂ€ndig entschieden. "Da sind wir noch in der finalen Abstimmung, aber es ist durchaus möglich, dass "die VerrĂ€ter" oder "die Bachelors" zunĂ€chst vollstĂ€ndig auf RTL+ zu sehen sind, bevor sie im linearen TV ausgestrahlt werden", sagte Schmitter.

RTL Deutschland gehört zur internationalen RTL Group LU0061462528, Europas grĂ¶ĂŸter kommerzieller Sendergruppe. In Deutschland betreibt das Unternehmen neben RTL etwa ntv und Vox sowie den Streamingdienst RTL+.

@ dpa.de