WDH / ROUNDUP: E-Autobauer ĂŒbernehmen gestrichene KaufprĂ€mie des Bundes
19.12.2023 - 17:02:27(Im 8. Absatz, 2. Satz wurden die betroffenen Modelle von Tesla prÀzisiert: Modell Y und 3.)
BERLIN (dpa-AFX) - Die abrupt gestrichene staatliche KaufprĂ€mie fĂŒr E-Autos wird von immer mehr Autobauern selbst ĂŒbernommen - zumindest befristet. Nach den AnkĂŒndigungen mehrerer Hersteller zu Wochenbeginn zogen am Dienstag weitere Produzenten nach. Wer sich in diesen Tagen also einen Neuwagen mit Elektroantrieb zulegt, hat je nach Hersteller noch Chancen auf die volle Förderung. Konkret bedeutet das einen Zuschuss von bis zu 6750 Euro.
Eigentlich hatte die Bundesregierung vorgesehen, noch bis Jahresende eine KaufprĂ€mie fĂŒr Neuwagen von bis zu 4500 Euro zu gewĂ€hren. Hinzu kam eine hĂ€lftige Zulage der Hersteller, also bis zu 2250 Euro. Zum 1. Januar 2024 sollte die staatliche PrĂ€mie auf 3000 Euro gesenkt werden und dann Ende 2024 auslaufen. All das entfĂ€llt nun, nachdem der Bund seine Budgetplanung korrigieren musste.
Besonders problematisch ist, dass der Bonus nur dann gezahlt wird, wenn das Fahrzeug zugelassen worden ist. Ein Kaufvertrag allein reicht also nicht. HĂ€ufig liegen aber zwischen Bestellung und Auslieferung einige Wochen oder sogar Monate. Auch hier kommen einige Hersteller nun ihren Kundinnen und Kunden entgegen.
Hersteller zahlen PrÀmien auch bei spÀterer Auslieferung
So ist es etwa beim Autokonzern Stellantis NL00150001Q9, der unter anderem die Marken Peugeot, Opel, Fiat und Jeep vertreibt. Zum einen garantiere er bis zum Jahresende die volle PrĂ€mie von bis zu 6750 Euro fĂŒr Elektrofahrzeuge, die nach den bisherigen Richtlinien förderungsfĂ€hig waren. Zum anderen will Stellantis fĂŒr bereits bestellte E-Fahrzeuge, die von ihren Besitzern bis zum 29. Februar 2024 zugelassen werden, die ursprĂŒnglich geplante gesenkte PrĂ€mie von bis zu 4500 Euro ĂŒbernehmen. Der koreanische Hersteller Hyundai KR7005380001 garantiert seinen E-Auto-Kunden, die bis 17. Dezember einen Vertrag geschlossen haben, noch die volle UmweltprĂ€mie aus 2023.
Mercedes-Benz DE0007100000 teilte mit, fĂŒr AuftrĂ€ge, die bis Ende dieses Jahres geliefert und zugelassen werden, neben dem Herstelleranteil auch den staatlichen Anteil zu ĂŒbernehmen. Vorausgesetzt, der Kunde erhĂ€lt diesen nicht mehr vom Staat. DarĂŒber hinaus wolle der Stuttgarter Autobauer AuftrĂ€ge, die im kommenden Jahr ausgeliefert werden sowie NeuauftrĂ€ge ab dem 1. Januar bis auf Weiteres mit dem fĂŒr 2024 ursprĂŒnglich vorgesehenen Herstelleranteil fördern.
Auch der gröĂte deutsche Autobauer Volkswagen DE0007664039 will den Zuschuss zunĂ€chst selbst zahlen. FĂŒr Fahrzeuge, die noch in diesem Jahr zugelassen werden, gebe es die volle PrĂ€mie. FĂŒr alle bis 15. Dezember bestellten förderfĂ€higen E-Autos der ID-Baureihe, die bis Ende MĂ€rz zugelassen werden, ĂŒbernehme VW DE0007664039 den ursprĂŒnglich geplanten abgesenkten Satz von bis zu 4500 Euro.
Weitere Hersteller schlieĂen sich an
Am Dienstag zogen chinesische Hersteller nach. So ĂŒbernimmt auch der E-Auto-Hersteller Nio den staatlichen Anteil der KaufprĂ€mie bei Bestellungen bis Jahresende und Auslieferung bis Ende Januar. Sein chinesischer Wettbewerber MG teilte mit, er ĂŒbernehme "fĂŒr alle Bestellungen vor dem 18. Dezember, fĂŒr die keine rechtzeitige Zulassung möglich war, den Umweltbonus in gleicher Höhe selbst".
Ăhnlich verfĂ€hrt der US-Autobauer Tesla US88160R1014. Er ĂŒbernimmt ab dem 18. Dezember die ausgefallene Förderung fĂŒr neue Bestellungen der Modelle 3 und Y, die bis Ende des Jahres ausgeliefert worden wĂ€ren.
Zehntausende E-Autos vom Förderstopp betroffen
Vom plötzlichen Stopp des Umweltbonus sind rund 60 000 E-Fahrzeuge betroffen, wie aus einer Blitzumfrage des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) hervorgeht. Hochgerechnet zeige sie, dass die HĂ€lfte der Fahrzeuge noch in diesem Jahr ausgeliefert worden wĂ€re. FĂŒr die andere HĂ€lfte gebe es auch einen Kaufvertrag, die Auslieferung sei aber erst im kommenden Jahr geplant. Hier brauche es eine klare und berechenbare Förderpolitik, sagte ZDK-PrĂ€sident Arne Joswig. "Das Vertrauen in eine nachvollziehbare und rationale Politik der Bundesregierung zur Förderung der ElektromobilitĂ€t ist massiv beschĂ€digt worden."

