KORREKTUR/ Bundestag beschlieĂt Gesundheits-Sparpaket
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 13:20 Uhr, dpa.de(Im ersten Absatz, zweiter Satz, wurde korrigiert: "FĂŒr das Gesetz stimmten 318 (statt: 319) Abgeordnete, es gab 284 (statt: 286) Nein-Stimmen und vier Enthaltungen." Der Bundestag hat das zunĂ€chst im Plenum verlesene Ergebnis nachtrĂ€glich mit diesen geĂ€nderten Zahlen angegeben.)
BERLIN (dpa-AFX) - Der Bundestag hat das umstrittene Sparpaket der schwarz-roten Koalition fĂŒr stabile KrankenkassenbeitrĂ€ge beschlossen. FĂŒr das Gesetz stimmten 318 Abgeordnete, es gab 284 Nein-Stimmen und vier Enthaltungen. Das Paket sieht Milliarden-Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken, Apotheken und Pharmabranche vor - aber auch höhere Zuzahlungen und Einschnitte fĂŒr Versicherte. Dies soll die gesetzlichen Krankenkassen im kommenden Jahr in Milliardenhöhe entlasten und neue Erhöhungen der ZusatzbeitrĂ€ge verhindern.
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte zuvor in der Debatte: "Alle Beteiligten im Gesundheitswesen leisten einen Beitrag, denn alle profitieren auch langfristig von einer nachhaltigen Finanzierung." Die Lage der Kassen sei dramatisch und erlaube keinen Aufschub. Ohne die Reform drohe 2027 eine Beitragserhöhung von einem Prozentpunkt. Daher gelte: "Wir wollen kĂŒnftig mit dem Geld auskommen, das wir haben, und nur noch das bezahlen, was nutzt."
Von der Opposition kam Kritik. GrĂŒnen-Fraktionschefin Britta HaĂelmann sagte, das mit heiĂer Nadel gestrickte Gesetz schone die eigentlichen Kostentreiber. "Es wird keine BeitragsstabilitĂ€t geben, sondern Krankenhausinsolvenzen, ĂŒberlastete HausĂ€rzte und verratene Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten." Linke-Fraktionschefin Heidi Reichinnek sagte: "Sie gefĂ€hrden mit diesem Gesetz Menschenleben." Nicole Hess (AfD) sagte: "Das ist keine Reform, das ist eine Einladung zum RĂŒckzug aus der Versorgung."
Milliarden-Sparziel noch erhöht
Warken hatte das Sparziel fĂŒr 2027 angesichts zuletzt rasanter steigender Ausgaben noch auf 18,8 Milliarden Euro heraufgesetzt. Die neue LĂŒcke werde mit dem nun vorliegenden Entwurf geschlossen, sagte sie. Inwiefern auch noch ein etwas gröĂerer Puffer fĂŒr UnwĂ€gbarkeiten geschaffen wird, war zunĂ€chst unklar. Das Gesetz soll noch heute auch in den Bundesrat kommen. Es ist nicht zustimmungsbedĂŒrftig. Offen war, ob die LĂ€nderkammer aber womöglich den Vermittlungsausschuss anruft. Dies wĂŒrde die Umsetzung ausbremsen.
Der Entwurf war zuletzt in mehreren Punkten verĂ€ndert worden. Dabei wurden Belastungen fĂŒr Versicherte teils abgemildert. So werden die Zuzahlungen von mindestens 5 und höchstens 10 Euro fĂŒr Medikamente auf 7,50 bis 15 Euro angehoben. Gestrichen wurde aber, dass die Zuzahlungen danach auch jĂ€hrlich angepasst werden sollen. Die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern wird eingeschrĂ€nkt, nun aber mit weiter gefassten Ausnahmen. Erhalten bleiben soll sie etwa fĂŒr Eltern von Kindern unter zwölf Jahren statt unter sieben Jahren.
Mehr Steuergeld als zunÀchst geplant
FĂŒr kĂŒnftig nicht mehr frei mitversicherte Partner sollen Kassenmitglieder ab 2028 einen Beitragszuschlag von 2,5 Prozent zahlen. Entschieden wurde auch, mehr Steuergeld bereitzustellen als zunĂ€chst vorgesehen. So soll der regulĂ€re Bundeszuschuss von 14,5 Milliarden Euro 2027 noch um 1,35 Milliarden sinken statt um zwei Milliarden Euro. Die Zahlungen des Bundes fĂŒr die Krankenkosten von Grundsicherungsbeziehern werden 2027 um eine Milliarde Euro erhöht. Ănderungen gab es auch bei geplanten PreisabschlĂ€gen fĂŒr Pharmahersteller.
Generell zielt das Gesetz darauf, Anstiege der VergĂŒtungen bei allen Erbringern von Leistungen wie Ărzten und Kliniken zu begrenzen. Gestrichen werden sollen etwa auch homöopathische Leistungen auf Kassenkosten. Gegen Einschnitte gibt es seit Wochen heftige Proteste und Warnungen vor Verschlechterungen der Versorgung aus dem gesamten Gesundheitswesen. Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte deutlich gemacht, dass das Paket den Auftakt fĂŒr eine Reihe groĂer Reformen der schwarz-roten Koalition in diesem Jahr bilden soll.
