Mehr wichtige Medikamente in Europa herstellen
12.05.2026 - 07:20:01 | dpa.deDas teilten die Vertreter des EuropĂ€ischen Parlaments und der Mitgliedstaaten mit. Europa soll dadurch weniger abhĂ€ngig von einzelnen Lieferanten und der Herstellung auĂerhalb des Kontinents werden.
Menschen in Europa konnten in den vergangenen Jahren manche Medikamente zeitweise nicht mehr in der Apotheke kaufen. Betroffen waren etwa Schmerzmittel, Antibiotika oder FiebersĂ€fte fĂŒr Kinder. "Die Patienten sollten sich keine Sorgen darĂŒber machen mĂŒssen, ob wichtige Arzneimittel wie Antibiotika in ihrer Apotheke oder ihrem Krankenhaus verfĂŒgbar sind", teilte der zyprische Gesundheitsminister, Neophytos Charalambides, mit. Sein Land hat derzeit die rotierende EU-RatsprĂ€sidentschaft inne.
Bevor die Regeln in Kraft treten können, mĂŒssen sie noch vom Europaparlament und den EU-Staaten bestĂ€tigt werden. Normalerweise gilt das als Formsache, wenn sich die UnterhĂ€ndler der Institutionen zuvor auf einen Kompromiss geeinigt haben.
EU will Anreize fĂŒr heimische Produktion setzen
Ein Baustein der neuen Regeln betrifft die Vergabe öffentlicher AuftrĂ€ge. Im Fall von wichtigen Arzneimitteln, bei denen es eine hohe AbhĂ€ngigkeit von einem oder wenigen LĂ€ndern gibt, sollen hierbei kĂŒnftig grundsĂ€tzlich in Europa hergestellte Medikamente bevorzugt werden. So sollen Anreize fĂŒr sichere Lieferketten geschaffen werden. Die vorlĂ€ufige Einigung sieht vor, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, diese Medikamente zu bevorzugen. "Dazu gehört, dass Lieferanten proportional zu dem Anteil der in der EU hergestellten Arzneimittel und deren pharmazeutischer Wirkstoffe vergĂŒtet werden", teilte das Parlament mit.
Sogenannte strategische Projekte sollen zudem schneller genehmigt werden und schneller Zugang zu Förderung bekommen. Mehrere LĂ€nder können sich zudem zusammenschlieĂen und gemeinsam wichtige Medikamente beschaffen. Das betrifft unter anderem Arzneimittel fĂŒr seltene Erkrankungen, bei denen sonst laut Kommission der Markt versagt.
Mit kritischen Arzneimitteln sind laut EU-Kommission Medikamente gemeint, "bei denen es nur wenige oder gar keine Alternativen gibt und bei denen die Patientinnen und Patienten durch VersorgungsengpĂ€sse ernsthaft geschĂ€digt wĂŒrden". Dazu gehören demnach unter anderem Antibiotika und Antithrombotika, Krebstherapeutika und Herz-Kreislauf-Mittel. Sie sind in einer Liste aufgefĂŒhrt.
Vor allem in Asien hergestellt
Die EU-Kommission hatte die Anpassung im MĂ€rz 2025 vorgeschlagen. Nach Kommissionsangaben gibt es viele GrĂŒnde, warum es in der EU in den vergangenen Jahren Versorgungsprobleme gab. Darunter seien etwa EngpĂ€sse bei Wirkstoffen. Aber auch, dass sich die Produktion in einigen wenigen LĂ€ndern konzentriere, trage zu den Problemen bei. In der Corona-Pandemie seien Schwachstellen in den Lieferketten deutlich geworden.
Nach Angaben von EU-Gesundheitsministern aus dem vergangenen Jahr stammen etwa 80 bis 90 Prozent der Medikamente in Europa aus Asien, vor allem aus China. Gleichzeitig sind in der EU im Arzneimittelsektor laut Kommission rund 800.000 Menschen beschÀftigt.
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