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Thyssenkrupp-BeschÀftigte zeigen 'Gesichter des Widerstands'

21.06.2024 - 10:39:06

Im Ringen um die Zukunft des Stahlherstellers Thyssenkrupp DE0007500001 Steel haben Stahlarbeiter am Freitag eine symbolische Kunstaktion an der Villa HĂŒgel in Essen veranstaltet.

Sie appellierten an die dort ansĂ€ssige Krupp-Stiftung, sich als grĂ¶ĂŸte EinzelaktionĂ€rin des Mutterkonzerns Thyssenkrupp AG stĂ€rker fĂŒr die Arbeitnehmer einzusetzen. Das Kunstprojekt stand unter dem Motto "Kunst oder Stahl - Das Geld muss in sichere ArbeitsplĂ€tze fließen und nicht in die Stiftung!", wie die IG Metall mitteilte.

Die Thyssenkrupp Stahlsparte ist Deutschlands grĂ¶ĂŸter Stahlhersteller. Die Sparte steht vor einem Umbruch: Am Standort Duisburg ist ein deutlicher KapazitĂ€tsabbau geplant, der mit einem Stellenabbau einhergehen wird. Vereinbart wurde außerdem ein 20-Prozent-Einstieg des Energieunternehmens EPCG des tschechischen Investors Daniel Kretinsky.

BeschÀftigte zeigen "Gesichter des Widerstands"

Rund 250 BeschĂ€ftigte hĂ€tten sich an der Aktion beteiligt, wie der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der IG Metall Duisburg-Dinslaken, Karsten Kaus, sagte. Sogar aus Andernach seien Menschen angereist. Bei der Aktion hĂ€tten sie "Gesichter des Widerstands" gezeigt. Die gemeinnĂŒtzige Krupp-Stiftung hĂ€lt 21 Prozent der Anteile an Thyssenkrupp und ist auch im Aufsichtsrat vertreten.

"Die Stiftung nimmt gerne die Dividenden und gibt dieses Geld fĂŒr kulturelle AktivitĂ€ten und andere gemeinwohlorientierte Projekte aus", erklĂ€rte Kaus. Der Kunstsinnigkeit der Kuratoriumsvorsitzenden Ursula Gather setze man nun eine eigene Kunstaktion entgegen. "Frau Gather muss ihrer Verantwortung im Aufsichtsrat des Thyssenkrupp-Konzerns nachkommen und darf die kulturellen Interessen der Stiftung nicht ĂŒber das Schicksal der BeschĂ€ftigten stellen." Die Stiftung mĂŒsse ihrer Verantwortung fĂŒr die mehr als 27 000 StahlbeschĂ€ftigten gerecht werden.

Die IG Metall sprach von einer "unheilvollen Rolle", die die Krupp-Stiftung im aktuellen Streit um die Ausrichtung der Stahltochter spiele. Im Aufsichtsrat habe die Stiftung das Vorgehen von Konzernchef Miguel LĂłpez unterstĂŒtzt. Das Gremium hatte neulich mit der Doppelstimme des Aufsichtsratsvorsitzenden gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter den 20-Prozent-Einstieg von EPCG beschlossen. Thyssen & Krupp seien auf den Fundamenten des Stahls zu industrieller Bedeutung gewachsen, erklĂ€rte der Steel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Tekin Nasikkol im Vorfeld der Aktion. "Deswegen hat die Krupp-Stiftung auch eine historische Verantwortung gegenĂŒber den StahlbeschĂ€ftigten."

Krupp-Stiftung: Äußerungen "beschĂ€mend"

Die Krupp-Stiftung wies die Kritik zurĂŒck und sprach von "Falschbehauptungen". In einem der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegenden Brief an den IG Metall-Vize JĂŒrgen Kerner und den frĂŒheren IG Metall-Chef Detlef Wetzel bezeichnete die Stiftung deren Äußerungen in Interviews der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) vom Dienstag als "beschĂ€mend". "Sie beschĂ€digen damit nicht nur uns als gemeinnĂŒtzige Einrichtung und als AktionĂ€rin, sondern auch das Unternehmen insgesamt", heißt es in dem Brief, der auf den 20. Juni datiert ist. Unterzeichnet wurde er von der Kuratoriumsvorsitzenden Gather sowie den StiftungsvorstĂ€nden Volker Troche und Michaela Muylkens.

Die Stiftung sei nach ihrer Satzung zur Förderung von Wissenschaft, Bildung, Kunst und Kultur, Gesundheit und Sport verpflichtet, schreiben sie. Seit 1968 habe die Stiftung dies vor allem im Ruhrgebiet mit Mitteln von bislang fast 700 Millionen Euro getan. "Diesen Stiftungsauftrag jetzt mit mangelnder Sorge um die Thyssenkrupp Mitarbeitenden gleichzusetzen, ist eine Verdrehung der Tatsachen und Vermischung von Sachverhalten." Wetzel hatte der WAZ gesagt: "Wir reden hier von einer Stiftung, die sich gemeinwohlorientiert nennt. Ich sehe aber vor allem, dass sie kulturelle AktivitĂ€ten fördert und dafĂŒr das Geld aus Thyssenkrupp-Dividenden einsetzen will."

Die Stiftung wies auch Äußerungen von Nasikkol und Kerner, der auch stellvertretender Thyssenkrupp-Aufsichtsratschef ist, "entschieden zurĂŒck". Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Nasikkol hatte der Zeitung gesagt: "Die Anteilseigner im Aufsichtsrat haben die Mitbestimmung in einer wegweisenden Entscheidung komplett ignoriert." Kerner hatte Gather in der "WAZ" als "große VerbĂŒndete von Herrn Lopez" bezeichnet, die bei LĂłpez stehe "und nicht bei den Mitarbeitern".

Stiftung vertraut Thyssenkrupp-Chef LĂłpez

Die Stiftung entgegnete: "Unsere UnterstĂŒtzung des Kurses von Miguel LĂłpez basiert auf dem Vertrauen in seine FĂ€higkeit, den Konzern erfolgreich umzustrukturieren und somit eine sichere Zukunft fĂŒr die Mitarbeitenden zu gewĂ€hrleisten."

Die Stiftung habe ĂŒber die Jahrzehnte hinweg als HauptaktionĂ€rin immer wieder dividendenlose Jahre in Kauf genommen, betonte die StiftungsfĂŒhrung. Aus Treue zum Unternehmen habe sie es hingenommen, dass sich das Vermögen durch den Fall des Aktienkurses um 80 Prozent reduziert habe. "Diese Opfer haben wir immer wieder im Interesse der langfristigen StabilitĂ€t des Unternehmens und der Sicherung der ArbeitsplĂ€tze gebracht, weil wir daran glauben, dass Thyssenkrupp eine Zukunft hat. Allerdings braucht es dafĂŒr VerĂ€nderungen." Die Stiftung betonte, dass das gesamte Vermögen der Stiftung seit ihrer GrĂŒndung in der Beteiligung am Unternehmen bestehe.

@ dpa.de | DE0007500001 PRODUKTION/ABSATZ