AKTIEN IM FOKUS: Spaniens Banken leiden unter Sondersteuer und Zinssorgen
22.11.2024 - 14:20:27 | dpa.deSie litten nicht nur unter der zunehmenden Erwartungen an Zinssenkungen im Euroraum, sondern auch unter der Erhöhung der Sondersteuer fĂŒr Banken in Spanien.
Am Ende des Branchenindex der Bankenwerte EU0009658806 sackten die Aktien von Banco Santander ES0113900J37 und Caxiabank ES0140609019 um jeweils mehr als 4 Prozent ab. FĂŒr die Anteilsscheine von Bankinter ES0113679I37 ging es um 2,5 Prozent nach unten.
In Madrid war es der Regierungskoalition von Premierminister Pedro Sanchez ĂŒberraschend in letzter Minute gelungen, im Parlament eine VerlĂ€ngerung der sogenannten Zufallsgewinnsteuer zu verabschieden, nachdem die Regierungsparteien die UnterstĂŒtzung einer kleinen, weit links stehenden Partei erhalten hatte. Die Steuer war ursprĂŒnglich als einmalige MaĂnahme verabschiedet worden und sollte am 31. Dezember auslaufen.
Nun wird die befristete Steuer um weitere drei Jahre verlĂ€ngert und der Satz fĂŒr die gröĂten Banken von 4,8 auf 7,0 Prozent angehoben. Die Regierung behauptet, die Kreditgeber hĂ€tten in den letzten Jahren von einem Anstieg der ZinssĂ€tze profitiert, wĂ€hrend die Kreditgeber argumentieren, dass der Anstieg der ZinssĂ€tze einen Ausgleich fĂŒr die niedrigen und negativen ZinssĂ€tze in der Vergangenheit darstellt.
Analysten betonten, dass die Steuererhöhung keine gute Nachricht sei. "Die Beibehaltung einer Steuer, die nur noch schwer mit Zufallsgewinnen in Verbindung gebracht werden kann, fĂŒhrt zu Unsicherheit bei den AktionĂ€ren und trĂ€gt zu einer gewissen Stigmatisierung der spanischen Banken bei, insbesondere der inlĂ€ndischen", schrieb etwa der Experte Alfredo Alonso von der Deutschen Bank.
Auch die Fachleute von Alantra Equities Ă€uĂerten sich skeptisch. Wenn die Banken die Steuer im vierten Quartal verbuchen mĂŒssten, wĂŒrde dies eine doppelte Steuerbelastung im Jahr bedeuten, da die Bankensteuer fĂŒr 2023 bereits im ersten Quartal erhoben worden sei. Die nun beschlossene Steuererhöhung wĂŒrde die Ziele einiger Banken fĂŒr die Eigenkapitalrendite und die Eigenkapitalverzinsung gefĂ€hrdet. Den Experten zufolge wĂ€ren zum Beispiel die Caixabank und Banco Santander davon betroffen.
Zu diesen Sorgen hinzukam die BefĂŒrchtung, dass die EuropĂ€ische Zentralbank auf ihrer nĂ€chsten Sitzung Mitte Dezember den Leitzins sogar um 0,5 Prozentpunkte statt nur um 0,25 Prozentpunkte senken könnte. Am Markt hieĂ es, die Wahrscheinlichkeit dafĂŒr werde mittlerweile bei ĂŒber 50 Prozent gesehen. Antreiber dafĂŒr seien die aktuellen Einkaufsmanagerindizes fĂŒr die Eurozone, die hinter den SchĂ€tzungen der Analysten zurĂŒckgeblieben waren.
"Die Hoffnung auf eine konjunkturelle Besserung wird mit dem Einkaufsmanagerindex zu Grabe getragen", kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. "Es fehlt derzeit vor allem an AuftrĂ€gen." Aber auch die Verbraucher blieben vorsichtig. "Dies zeigt auch der Blick auf die Sparquote, die in der Eurozone mit 15,7 Prozent deutlich ĂŒber dem Vor-Corona-Jahr 2019 von 12,9 Prozent liegt."
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