E-Autos aus China: Peking und BrĂŒssel wollen im Zollstreit verhandeln
23.06.2024 - 14:14:34 | dpa.deBeide Seiten wollen miteinander verhandeln, wie am Samstag bekannt wurde. Zuvor hatte die BrĂŒsseler Behörde PlĂ€ne veröffentlicht, nach denen chinesische E-Autos mit Zöllen belegt werden sollen, sofern keine andere Lösung mit China gefunden werden sollte. Die EU wirft Peking vor, batteriebetriebene Modelle unfair zu subventionieren.
Wann und in welchem Rahmen es zu Verhandlungen kommen soll, blieb zunĂ€chst unklar. Deutsche WirtschaftsverbĂ€nde begrĂŒĂten die Verhandlungsbereitschaft beider Seiten. Die EU bekrĂ€ftigte derweil ihre Forderungen.
EU spricht von konstruktiven GesprÀchen
Der chinesische Handelsminister Wang Wentao und EU-Handelskommissar Valdis Dombrovskis hatten sich am Samstag in einer Videoschalte ausgetauscht. In einer Mitteilung des chinesischen Handelsministeriums hieĂ es danach, beide Seiten hĂ€tten sich geeinigt, Konsultationen ĂŒber die Antisubventionsuntersuchung der EU gegen chinesische E-Fahrzeuge aufzunehmen.
Ein Sprecher der EU-Kommission bezeichnete das GesprĂ€ch beider Parteien als "offen und konstruktiv". Vonseiten der EU sei aber betont worden, dass ein Verhandlungsergebnis in jedem Fall wirksam gegen schĂ€dliche Subventionierungen sein mĂŒsse. In den kommenden Wochen werde auf allen Ebenen weiter miteinander gesprochen.
Deutsche Industrie warnt vor zu frĂŒhem Einlenken
"Dass China sich nun wie die EU offen fĂŒr Verhandlungen zeigt, ist ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zu einer Lösung", sagte Hildegard MĂŒller, PrĂ€sidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Ziel mĂŒsse ein fairer Wettbewerb fĂŒr alle sein. "Beide Seiten sind nun dazu aufgerufen, die Verhandlungen offen und konstruktiv zu fĂŒhren."
Auch Wolfgang Niedermark, Mitglied der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrung im Industrieverband BDI, begrĂŒĂte die geplanten Verhandlungen. Niemand habe ein Interesse an unkontrollierten Eskalationen. Die EU sei aber gut beraten, auf ihrem Pfad zu bleiben und "etwas ZĂ€hne zu zeigen", sagte Niedermark, der Robert Habeck auf seiner China-Reise begleitet. Nicht nur im Autosektor, sondern auch in anderen Branchen gebe es ĂberkapazitĂ€ten und Marktstörungen. "Und die mĂŒssen adressiert werden."
Die EU-Kommission hatte ihre PlĂ€ne fĂŒr Strafzölle Mitte Juni veröffentlicht. Die Zölle von bis zu 38,1 Prozent wĂŒrden in bestimmten FĂ€llen rĂŒckwirkend ab Anfang Juli einbehalten werden, sollte es mit China zu keiner anderen Einigung kommen. Ăber die endgĂŒltige Festsetzung muss aber erst bis Anfang November entschieden werden.
Habeck lobt "ersten Schritt"
"Das ist ein erster Schritt und viele weitere werden nötig sein", sagte Habeck am Samstag in Shanghai. Er hatte tagsĂŒber in Peking GesprĂ€che mit chinesischen Politikern unter anderem zu den drohenden Zöllen gefĂŒhrt, darunter auch Handelsminister Wang.
Habeck sagte, er habe den Eindruck, dass er mit seinen Botschaften den Tag ĂŒber immer stĂ€rker durchgedrungen sei. Auf eine Frage nach seiner möglichen Rolle sagte er, er habe getan, was man als deutscher Wirtschaftsminister in der Situation tun mĂŒsse. "Und ob es ein Beitrag gewesen ist und wie viel Beitrag es gewesen sein könnte, das mĂŒssen andere beurteilen."
Habeck sieht Chance zu Kompromissen
Zuvor hatte Habeck betont, es handle sich nicht um pauschale Strafzölle, sondern um Zölle zum Ausgleich unfairer Wettbewerbsvorteile. Er kritisiere nicht, dass China deutlich mehr an GĂŒtern produziere als es selbst verbrauche. "ĂberkapazitĂ€ten sind nicht das Problem und auch nicht der Vorwurf" - und auch nicht Subventionen. Das Problem entstehe, wenn staatliche Fördergelder flössen, um Exportchancen zu erhöhen.
Zu möglichen Kompromissen in den nun anstehenden Verhandlungen sagte Habeck dann abends: "Ich sehe einige, auch in dem Feld der elektrischen MobilitĂ€t." Nun mĂŒsse aber China VorschlĂ€ge machen und die EU-Kommission die Verhandlungen fĂŒhren.
Chinesische E-Autos laut EU-Kommission 20 Prozent gĂŒnstiger
Die EU-Kommission untersucht seit vergangenem Herbst, ob E-Autos in China von wettbewerbsverzerrenden Subventionen profitieren. Kommissionsangaben zufolge sind chinesische Elektroautos normalerweise rund 20 Prozent gĂŒnstiger als in der EU hergestellte Modelle.
Die Kommission war schlieĂlich zu dem vorlĂ€ufigen Schluss gekommen, dass die Wertschöpfungskette fĂŒr batteriebetriebene Elektrofahrzeuge (BEV) in China von einer unfairen Subventionierung profitiert. Deswegen drohte die Kommission zusĂ€tzliche Zölle an. Bislang werden Zölle von zehn Prozent erhoben.
BrĂŒssels Schritt folgte auf Ă€hnliche MaĂnahmen der USA. Die US-Regierung hatten Mitte April Sonderzölle auf Elektroautos, Halbleiter, Solarzellen, KrĂ€ne und andere Produkte aus China verhĂ€ngt.
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