WDH / ROUNDUP: Verdacht der Bilanzmanipulation gegen frĂŒhere Baywa-Manager
26.08.2025 - 15:35:20(Im vorletzten Absatz wurde im Zitat der DSW-VizeprĂ€sidentin Daniela Bergdolt die PrĂ€position "an" in "auf geĂ€ndert: "Warum sitzt der verantwortliche Aufsichtsrat heute bis auf eine Ausnahme auf rpt auf seinen StĂŒhlen wie mit Pattex festgeklebt?")
MĂNCHEN (dpa-AFX) - Nach der Fast-Pleite des Mischkonzerns Baywa DE0005194062 im vergangenen Jahr ermittelt nach Angaben des Aufsichtsrats die MĂŒnchner Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungsbehörde prĂŒft, ob VorstĂ€nde im Jahresabschluss 2023 die Finanzlage des Unternehmens falsch dargestellt haben. Das berichtete Aufsichtsratschef Gregor Scheller zu Beginn der Hauptversammlung in MĂŒnchen. "Die Baywa wird eng mit der Staatsanwaltschaft kooperieren."
Einst stocksolide, heute ein Sanierungsfall
Von der MĂŒnchner Ermittlungsbehörde kam nach Anfrage zunĂ€chst keine Stellungnahme. Das 1923 gegrĂŒndete MĂŒnchner Unternehmen ist der gröĂte deutsche AgrarhĂ€ndler und fĂŒr die Landwirtschaft im SĂŒden und Osten Deutschlands von groĂer Bedeutung. Zu den weiteren GeschĂ€ftsfeldern zĂ€hlen unter anderem erneuerbare Energien und Baustoffhandel.
Gegen wen sich die Ermittlungen richten, sagte Scheller vor den gut 900 AktionÀren nicht. Unterschrieben wurde der Jahresabschluss 2023 unter anderem vom damaligen Vorstandschef Marcus Pöllinger und dem Finanzvorstand Andreas Helber, die mittlerweile beide das Unternehmen verlassen haben - beziehungsweise verlassen mussten.
900 Millionen Euro Abschreibungen
Die Baywa hatte im Jahresabschluss 2024 einen Verlust von 1,6 Milliarden Euro gemeldet. Ein Hauptgrund waren Abschreibungen in Höhe von 900 Millionen Euro auf in der Bilanz verbuchte Unternehmensbeteiligungen des Konzerns. Im Jahresabschluss 2024 seien die "nicht werthaltigen Beteiligungen" auf ein marktgemĂ€Ăes Niveau korrigiert worden, sagte der heutige Vorstandschef Frank Hiller, der erst seit 1. MĂ€rz amtiert. Er arbeitete 2023 noch nicht fĂŒr die Baywa und ist daher nicht von den Ermittlungen betroffen.
Vorstand prĂŒft SchadenersatzansprĂŒche gegen Manager und PrĂŒfer
Bei den Ermittlungen geht es offenkundig darum, ob Buchwerte der Bilanz im Vorjahr zu hoch angesetzt waren. "Wir werden diese VorgĂ€nge aufklĂ€ren und Konsequenzen ziehen", sicherte Hiller den AktionĂ€ren zu. Der heutige Vorstand hat eine eigene Untersuchung der VorgĂ€nge in die Wege geleitet, die noch nicht abgeschlossen ist. Der Vorstand prĂŒft nach Hillers Worten auĂerdem SchadenersatzansprĂŒche sowohl gegen frĂŒhere Manager als auch gegen die WirtschaftsprĂŒfer, die die möglicherweise geschönte Bilanz 2023 absegneten.
Diese interne Untersuchung trifft auch den langjĂ€hrigen frĂŒheren Vorstandschef Klaus Josef Lutz, der als PrĂ€sident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) zu den prominenten Vertretern der Wirtschaft im Freistaat zĂ€hlt. Nach Hillers Worten lĂ€sst der Vorstand prĂŒfen, ob Lutz' Millionenabfindung zurĂŒckgefordert werden könnte. Der BIHK-PrĂ€sident war als Vorstandsvorsitzender bis FrĂŒhjahr 2023 Hauptarchitekt einer auf Kredit finanzierten internationalen Expansionsstrategie, deren Scheitern zu den maĂgeblichen Ursachen der Krise zĂ€hlt.
Wasser und Brezen fĂŒr die AktionĂ€re
Der Berg lang- und kurzfristiger Bankschulden belief sich vor Beginn der Sanierung auf ĂŒber fĂŒnf Milliarden Euro. Die Zinskosten konnte das Unternehmen in Kombination mit der schlechten Konjunktur nicht mehr stemmen.
Der heutige Vorstand hat bereits mehrere Auslandsbeteiligungen wieder verkauft. "Wir wollen die Baywa um vier Milliarden Euro entschulden", sagte Hiller. Die AktionĂ€re bekamen den Sparkurs auf der Hauptversammlung auch am eigenen Leib zu spĂŒren: Anstelle des gewohnten warmen Mittagessens gab es nur Wasser und Brezen.
AufsichtsrÀte "mit Pattex festgeklebt"
Von den KleinaktionĂ€ren kam scharfe Kritik vor allem an langjĂ€hrigen AufsichtsrĂ€ten, die noch in Amt und WĂŒrden sind: "Warum sitzt der verantwortliche Aufsichtsrat heute bis auf eine Ausnahme auf seinen StĂŒhlen wie mit Pattex festgeklebt?", fragte Daniela Bergdolt, VizeprĂ€sidentin der Anlegergemeinschaft DSW. Den erst seit gut einem Jahr amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Scheller nahm die AnwĂ€ltin ausdrĂŒcklich aus.
Auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) forderte eine Erneuerung des Aufsichtsrats. Unter den angegriffenen Mitgliedern des Kontrollgremiums sind zwei prominente Namen: BauernprÀsident Joachim Rukwied und die CSU-Politikerin Monika Hohlmeier.

