GESAMT-ROUNDUP: Deutschland sendet Soldaten - keine Lösung in Grönlandkrise
14.01.2026 - 22:33:18Das Verteidigungsministerium in Berlin informierte ĂŒber den Einsatz eines Erkundungsteams mit 13 Bundeswehrangehörigen unmittelbar nach einem KrisengesprĂ€ch DĂ€nemarks und Grönlands mit der US-Regierung. In Washington offenbarten sich dem dĂ€nischen AuĂenminister Lars LĂžkke Rasmussen zufolge "fundamentale" Meinungsverschiedenheiten. US-PrĂ€sident Donald Trump will Grönland ĂŒbernehmen.
Das Ziel des Bundeswehreinsatzes ab Donnerstagmorgen sei, "die Rahmenbedingungen fĂŒr mögliche militĂ€rische BeitrĂ€ge zur UnterstĂŒtzung DĂ€nemarks bei der GewĂ€hrleistung der Sicherheit in der Region zu erkunden", teilte das Ministerium mit. Es gehe zum Beispiel um FĂ€higkeiten zur SeeraumĂŒberwachung. Die "multinationale Erkundung" erfolge auf Einladung DĂ€nemarks und laufe vom 15. bis zum 17. Januar.
Die DĂ€nen erhöhten mit UnterstĂŒtzung von Schweden und Norwegen bereits am Mittwoch ihre MilitĂ€rprĂ€senz auf Grönland, das Teil des Königreichs DĂ€nemark und damit auch der Nato ist. Die USA unterhalten dort auf Grundlage von Abkommen mit den DĂ€nen die MilitĂ€rbasis Pituffik Space Base - Trump reicht das aber nicht.
Trump bleibt hart: "Alles andere ist inakzeptabel"
Seit Tagen wiederholt der US-PrĂ€sident seine BesitzansprĂŒche und begrĂŒndet diese mit Sicherheitsinteressen etwa wegen einer Bedrohung durch China und Russland. Alles andere als ein Grönland in der Hand der Vereinigten Staaten sei "inakzeptabel", hatte Trump am Morgen vor dem KrisengesprĂ€ch auf seiner Plattform Truth Social geschrieben - und damit auch die Richtung fĂŒr den Termin vorgegeben.
Die dĂ€nische und grönlĂ€ndische Delegation war laut Rasmussen nach "einer Reihe (...) bemerkenswerter öffentlicher ĂuĂerungen zur Sicherheit Grönlands und der Arktis" nach Washington gereist. "Unser Ziel war es, einen gemeinsamen Weg zu finden, diese Sicherheit zu erhöhen", sagte der dĂ€nische AuĂenminister nach dem Treffen mit seinem US-Amtskollegen Marco Rubio und VizeprĂ€sident JD Vance, an dem auch die fĂŒr die grönlĂ€ndische AuĂenpolitik zustĂ€ndige Ministerin Vivian Motzfeldt teilnahm.
Von US-Seite gab es zunĂ€chst keine konkreten ĂuĂerungen zu dem GesprĂ€ch. Auf Nachfrage von Journalisten im WeiĂen Haus sagte Trump bei einer Pressekonferenz, die sich eigentlich um Milch in Schulen drehte, es werde sich zeigen, was mit Grönland passiere. Er werde nach der Pressekonferenz ĂŒber das Treffen informiert.
Rote Linien DĂ€nemarks
Rasmussen sprach von der Bildung einer Arbeitsgruppe auf höherer Ebene, um herauszufinden, ob ein gemeinsamer Weg gefunden werden könne, der sowohl die amerikanischen Sicherheitsinteressen als auch die roten Linien des Königreichs DĂ€nemark berĂŒcksichtige. Diese Arbeitsgruppe solle innerhalb von Wochen erstmals zusammenkommen.
In Kopenhagen antwortete der dĂ€nische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen wĂ€hrend einer Pressekonferenz auf die Frage, wie das MilitĂ€r auf einen Angriff reagieren wĂŒrde, dass dies eine "hypothetische" Situation sei. "Aber der Befehl ist, dass man das Königreich verteidigen muss, wenn man angegriffen wird", sagte er.
Trumps Drohung mit China und Russland
Trump hatte zuvor geschrieben, die Zugehörigkeit zur Nato sei kein ausreichender Schutz - weder fĂŒr Grönland noch die USA. Die Insel sei elementar fĂŒr den Aufbau der geplanten Raketenabwehr "Golden Dome", die Nato solle daher den Weg fĂŒr eine US-Ăbernahme der Insel bereiten, schrieb Trump. In Versalien drohte er, dass dies sonst China oder Russland tun wĂŒrden. Das werde er verhindern. Trump hatte immer wieder auf eine zunehmende PrĂ€senz russischer und chinesischer Schiffe in der Region verwiesen.
Westlichen MilitĂ€rs bereitet vor allem China Sorgen. Der Oberbefehlshaber der Nato-StreitkrĂ€fte in Europa, Alexus G. Grynkewich, sagte jĂŒngst zu möglichen Bedrohungen durch China, das Land trete vor allem im hohen Norden immer aggressiver auf. So schickten die Chinesen Forschungsschiffe in die Region, die dann unter wissenschaftlichem Deckmantel vermutlich militĂ€rische Erkundungen vornĂ€hmen. In der jĂŒngsten eisfreien Jahreszeit seien Schiffe auĂerordentlich lange vor der NordkĂŒste Alaskas geblieben. Zudem gebe es gemeinsame Patrouillen mit den Russen.
Welche Rolle spielt die Nato?
Um Trumps Sicherheitsbedenken die Grundlage zu nehmen, hatten sich zuletzt mehrere BĂŒndnisstaaten fĂŒr eine stĂ€rkere PrĂ€senz des BĂŒndnisses in der Region ausgesprochen - auch Deutschland. Davon hatte sich der US-PrĂ€sident aber bislang nicht beeindrucken lassen. Die Nato könne nur dank der USA eine wirksame Abschreckung entfalten, schrieb der US-PrĂ€sident und fĂŒgte hinzu, das sei sein Verdienst durch die StĂ€rkung der US-StreitkrĂ€fte wĂ€hrend seiner ersten Amtszeit. Die Nato werde weitaus beeindruckender und effektiv mit einem von den USA gesteuerten Grönland.
Das EuropĂ€ische Parlament verurteilte diese und vorherige ĂuĂerungen der Trump-Regierung ĂŒber Grönland als "inakzeptabel". Jeder Versuch, "die SouverĂ€nitĂ€t und die territoriale IntegritĂ€t DĂ€nemarks und Grönlands zu untergraben, verstöĂt gegen das Völkerrecht und die Charta der Vereinten Nationen", teilte das EU-Parlament mit.

