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SPD verteidigt telefonische Krankschreibung

21.01.2026 - 15:39:25 | dpa.de

In der Debatte um weniger Fehlzeiten von Beschäftigten lehnt die mitregierende SPD ein Ende der Möglichkeit zu Krankschreibungen per Telefon ab.

Sie entlaste Hausarztpraxen, schütze Patienten vor unnötigen Ansteckungsrisiken und sichere eine niedrigschwellige Versorgung, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Christos Pantazis. "Wer diese Regelung pauschal infrage stellt, ignoriert die Realität in den Praxen und riskiert zusätzliche Bürokratie, Wartezeiten und Fehlsteuerungen."

Pantazis warnte: "Politik darf nicht auf "Arbeitgebermärchen" hereinfallen, sondern muss sich an Daten, Versorgungspraxis und Patientenschutz orientieren." Eine Überprüfung der Arbeitsunfähigkeitsregelungen ohne neue Erkenntnisse sei Symbolpolitik und schade dem Vertrauen in das Gesundheitssystem. Es gebe keine belastbaren Belege für systematischen Missbrauch.

Regelung soll auf den Prüfstand

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte einen aus seiner Sicht zu hohen Krankenstand beklagt und die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung infrage gestellt. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte an, die Regelung zu überprüfen. Pantazis sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, die SPD stehe zur Vereinbarung im Koalitionsvertrag, dass Missbrauch ausgeschlossen werden solle. Er wandte sich aber dagegen, die telefonische Krankschreibung reflexhaft zum Sündenbock zu machen.

Der Sozialverband Deutschland nannte sie ein bewährtes und sinnvolles Instrument. "Die hohen Krankenstände sind ein ernstes Warnsignal, ihre Ursachen liegen jedoch nicht in der Art der Krankschreibung", sagte die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier der Deutschen Presse-Agentur. Ein starker Anstieg psychischer Erkrankungen zeige, wie sehr die Arbeitsbelastung in vielen Bereichen weiter zugenommen habe.

Kasse: Debatte lenkt vom eigentlichen Problem ab

Der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, kritisierte, die Debatte lenke vom eigentlichen Problem ab. Kurzzeiterkrankungen wie Erkältungen, die mit einer telefonischen Krankschreibung festgestellt werden können, machten im Vergleich zu Langzeiterkrankungen einen wesentlich geringeren Anteil an den Gesamtfehltagen aus, sagte Baas dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Seit Ende 2023 können Patientinnen und Patienten auch telefonisch und ohne Praxisbesuch eine Arbeitsunfähigkeit feststellen lassen - unter der Bedingung, dass man in der Praxis bekannt ist und keine schweren Krankheitssymptome hat. Krankschreiben lassen kann man sich für bis zu fünf Kalendertage. Braucht man dann noch eine Folgebescheinigung, muss man aber in die Praxis gehen.

Dauerhafte Regelung nach Corona-Zeit

Geregelt ist dies in einer Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken. Vorbild war eine Sonderregelung, die es in der Corona-Krise gab, um Ansteckungen zu vermeiden.

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