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Jobs in der Autoindustrie verschwinden rasend schnell

Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 12:55 Uhr | dpa.de

In der deutschen Autoindustrie schwinden die ArbeitsplÀtze derzeit schneller als in jeder anderen Industriebranche.

Zum Ende des ersten Halbjahres 2026 waren in der deutschen Leitbranche noch 691.500 Menschen beschÀftigt und damit so wenig wie noch nie seit Beginn der vergleichbaren Statistikreihe im Jahr 2005, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Weiterer Stellenabbau steht bevor.

Die aktuelle Zahl entspricht einem RĂŒckgang um 42.300 BeschĂ€ftigte oder 5,8 Prozent innerhalb eines Jahres. Auch in anderen Industriezweigen gingen ArbeitsplĂ€tze verloren, wenn auch im geringeren Tempo. Im gesamten verarbeitenden Gewerbe sind in der Jahresfrist 144.000 Jobs verschwunden. Die Zahl der BeschĂ€ftigten ging damit um 2,7 Prozent auf 5,29 Millionen zurĂŒck.

Stellenabbau verschÀrft sich

Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 sind in der Autoindustrie 16 Prozent der ArbeitsplÀtze (142.400 Jobs) weggefallen, stellt die Beratungsgesellschaft EY in ihrem aktuellen Industriebarometer fest. Experte Jan Brorhilker erwartet weitere Stellenverluste: "Viele Unternehmen haben ihren Restrukturierungskurs noch lange nicht abgeschlossen. Angesichts hoher Arbeitskosten, einer schwachen ProduktivitÀtsentwicklung und zunehmenden internationalen Wettbewerbs planen viele Unternehmen, den Stellenabbau in Deutschland sogar weiter zu verschÀrfen."

Die Automobilbranche bleibt hinter dem Maschinenbau (905.900 BeschĂ€ftigte) der zweitgrĂ¶ĂŸte Industriezweig Deutschlands. Besonders stark fiel der Stellenabbau mit 7,6 Prozent bei den Zulieferern von Teilen und Zubehör fĂŒr Kraftwagen aus. Bei den Herstellern selbst gingen 6,1 Prozent der Jobs verloren.

Ringen im VW DE0007664039-Konzern

In den Destatis-Zahlen noch gar nicht enthalten sind die neuesten StreichplĂ€ne der großen deutschen Autohersteller. Erst vor kurzem hat BMW DE0005190003 den Abbau von rund 8.000 Jobs weltweit angekĂŒndigt. Doch im Vergleich zu anderen Konzernen ist das gar nicht so viel: Im VW-Konzern, zu dem auch Porsche und Audi gehören, wird - grob gerechnet - um eine Verdoppelung der bereits laufenden KĂŒrzung um 50.000 Jobs gerungen. Bosch will weltweit bis zu 22.000 Stellen im Zuliefererbereich streichen, bei ZF sind es 14.000 in Deutschland. Auch Mercedes-Benz DE0007100000 hat bereits tausende Jobs abgebaut.

"2030 wird die deutsche Automobilindustrie auf 500.000 ArbeitsplĂ€tze oder weniger geschrumpft sein", sagt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Er sieht mĂ€chtige Kostennachteile am heimischen Standort. Hierzulande investiere zu den bestehenden Kostenstrukturen niemand mehr, neue ProduktionskapazitĂ€ten entstĂŒnden beispielsweise in Ungarn, RumĂ€nien oder Spanien. Dort seien neben den Arbeitskosten auch die steuerlichen Belastungen geringer und Energie billiger. Auch die TĂŒrkei steht bei Herstellern als Produktionsstandort hoch im Kurs. Zuletzt hat der koreanische Konzern Hyundai KR7005380001 250 Millionen Euro investiert, um im Werk Izmit das neue Elektroauto "Ioniq 3" zu bauen.

VDA: Unternehmen verabschieden sich

Die Unternehmen mĂŒssten sich aus wirtschaftlichen GrĂŒnden zunehmend gegen den Standort Deutschland entscheiden, sagt die PrĂ€sidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard MĂŒller. Investitionen und ArbeitsplĂ€tze wanderten ab. Die VDA-Chefin nennt hohe Kosten fĂŒr Arbeit und Energie, langwierige Verfahren, BĂŒrokratie und marode Infrastruktur als Investitionshemmnisse. Es mĂŒssten die richtigen politischen SchlĂŒsse gezogen werden: "Alles, was den Standort stĂ€rkt, Wachstum schafft und hilft, BeschĂ€ftigung zu erhalten, muss in Berlin und auch in BrĂŒssel ganz oben auf der Agenda stehen."

Zölle und Local-Content-Vorgaben

Versuche, die WettbewerbsfĂ€higkeit mit LohnkĂŒrzungen oder Einschnitten bei den Sozialleistungen zu verbessern, gingen am Problem vorbei, meint hingegen der Ökonom Sebastian Dullien vom gewerkschaftlichen Institut fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Er sagt: "Wenn die Regierung in Peking beschlossen hat, dass möglichst keine Autos westlicher Hersteller mehr in China verkauft werden sollen oder dass das Energiesystem Chinas ohne auslĂ€ndische Technologie auskommen soll, dann helfen ein paar Prozent niedrigere Lohnkosten in Deutschland wenig." Gefragt seien deshalb konsequente Local-Content-Klauseln, selektive Schutzzölle fĂŒr SchlĂŒsselbranchen und die gezielte Förderung von Zukunftstechnologien.

AuftrÀge fehlen

Die Autoindustrie sei fĂŒr den Standort Deutschland weiterhin von zentraler Bedeutung, sagt EY-Berater Brorhilker. "Wenn diese Branche schwĂ€chelt, trifft das nicht nur die Hersteller, sondern auch zahlreiche Zulieferer und viele weitere Industriebranchen. Die anhaltend schwache Entwicklung der Autoindustrie kann sich daher wie ein Bremsklotz fĂŒr die gesamte deutsche Industrie auswirken." Unter anderem sind Chemie, Maschinenbau oder Metallerzeugung auf AuftrĂ€ge aus der Autoindustrie angewiesen.

"Erst wenn die Kosten sinken, werden Investitionen fĂŒr die Unternehmen wieder attraktiver und somit ArbeitsplĂ€tze gesichert", heißt es beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Der BeschĂ€ftigungsrĂŒckgang in der Metall- und Elektro-Industrie seit 2019 sei dramatisch, sagt HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Oliver Zander. "Der Wegfall von 340.000 ArbeitsplĂ€tzen bedeutet einen Verlust von rund 40 Milliarden Euro Wertschöpfung fĂŒr unser Land. Jeder verlorene Arbeitsplatz heißt auch weniger Steuereinnahmen und SozialbeitrĂ€ge."

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