Aldi-PC, Haus

Aldi-PC kommt ins Haus der Geschichte

23.09.2025 - 06:14:24

In Deutschland, dem Land der SchnÀppchenjÀger, wurde der Aldi-PC vor knapp 30 Jahren zu einem echten PhÀnomen.

Ab dem Jahr 1995 standen die Kunden an bestimmten Aktionstagen oft stundenlang vor den TĂŒren des Discounters, um dort einen erschwinglichen Computer zu ergattern. Nun kommt der Aldi-PC in eines der meistbesuchten Museen in Deutschland.

Das Haus der Geschichte der Bundesrepublik in Bonn zeigt von heute an einen Tower-PC mit Disketten- und CD-Rom-Laufwerk von Aldi aus dem Jahr 1997, den das Museum bereits 2009 von einem privaten Stifter aus Köln erhalten hatte. Mit diesem Rechner wird ein erster Teil einer neuen Dauerausstellung eröffnet, die an dieses bedeutende Detail der Technikgeschichte in Deutschland erinnert.

Start im November 1995

Die Supermarktkette hatte erstmals im November 1995 einen IBM US4592001014-kompatiblen Computer im Sortiment. Der Erfolg hielt sich zunĂ€chst noch in Grenzen. Die Hardware des PCs war zwar vergleichsweise leistungsstark. Der Rechner wurde aber mit dem damals bereits veralteten Betriebssystem Windows 3.11 ausgeliefert. Attraktiver wĂ€re das neue Windows 95 gewesen, das Microsoft US5949181045-MitbegrĂŒnder Bill Gates drei Monate zuvor mit großem Tamtam prĂ€sentiert hatte.

Seinen großen Durchbruch erlebte der Aldi-PC zwei Jahre spĂ€ter. In dem Rechner von Medion DE0006605009 steckte ein Pentium-166-Chip von Intel US4581401001. Die Zahl 166 stand fĂŒr die Taktfrequenz in Megahertz, mit der der Prozessor betrieben wurde. Der PC und ein 15-Zoll-Monitor kosteten im Paket knapp 1.800 D-Mark (rund 920 Euro).

SchnÀppchenkampf mit Schreckschusspistole

Das SchnĂ€ppchenrennen geriet manchmal auch außer Kontrolle. In Konstanz kĂ€mpften im November 1997 zwei MĂ€nner mit den FĂ€usten um den letzten PC-Karton im Regal. Dabei zog sich ein 36-jĂ€hriger Kunde eine Platzwunde am Kopf zu. Der Verletzte gab sich jedoch nicht geschlagen und erzwang mit gezĂŒckter Schreckschusspistole die Herausgabe des PCs. Mit nach Hause nehmen durfte er den PC allerdings nicht, denn an der Kasse nahm ihn die inzwischen herbeigerufene Polizei vorlĂ€ufig fest.

In der Regel war die SchnĂ€ppchenjagd allerdings weniger handgreiflich. In den folgenden Jahren konnten Aldi und der Hauslieferant Medion regelmĂ€ĂŸig Zehntausende PCs absetzen. Und auch die Konkurrenz von Lidl, Norma und anderen Discountern hatten zwischen GemĂŒse, Toilettenpapier und H-Milch auch Personal Computer im Sortiment.

ComputerhÀndler in der Defensive

Die Leidtragenden dieser Discounter-Offensive waren traditionelle ComputerhĂ€ndler wie die Firma Schadt Computertechnik. Das Stuttgarter Unternehmen versuchte eine Zeit lang, mit eigenen kreativen Aktionen die Angebote von Aldi und Co. zu kontern und bot zeitweise GummibĂ€rchen, Duschcreme und Schokolade deutlich unter Einkaufspreis an. In der Werbekampagne hieß es dazu: "Computer kauft man beim FachhĂ€ndler, nicht beim GemĂŒsehĂ€ndler". Die Discounter hatten allerdings den lĂ€ngeren Atem. 1998 wurde das Konkursverfahren gegen Schadt eröffnet.

Eine Art "Volks-PC"

Das Haus der Geschichte stellt nun den Aldi-PC in seiner zeithistorischen Sammlung aus, in der die markanten VerÀnderungen des tÀglichen Lebens mit Originalobjekten dokumentiert werden. "Der Aldi-PC entwickelte sich dank des relativ geringen Preises und einer wettbewerbsfÀhigen Ausstattung zu einer Art "Volks-PC", denn er ermöglichte nahezu allen sozialen Schichten den Einstieg ins Informations- und Internetzeitalter", sagte eine Sprecherin des Museums.

@ dpa.de