Teurer Corona-Masken-Streit: Bund möchte keinen Cent zahlen
10.06.2026 - 15:06:58 | dpa.de"Die Sache ist klar, hier ist kein Vertrag zustande gekommen", sagte der Anwalt des Bundes, Martin Wittmann, bei der Verhandlung am Landgericht Bonn.
Der KlĂ€ger ist der Hamburger TextilhĂ€ndler Pure Fashion Agency, dessen Chef Matthias Timm im MĂ€rz 2020 einen ĂŒberraschenden Telefonanruf vom damaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bekam. Danach tauschte Timm diverse Mails mit Spahn und zustĂ€ndigen Beamten aus. Nach Lesart von Timm kam damals ein Kaufvertrag zustande. Der Vorsitzende Richter lieĂ in der Verhandlung keine Tendenz erkennen, ob er das auch so sieht oder nicht. Die UrteilsverkĂŒndung ist fĂŒr den 22. Juli geplant.
Der KlÀger Timm sagte nach der Verhandlung zur dpa: "Nach dem persönlichen GesprÀch mit Herrn Spahn war mir klar, das ist ein Vertrag - ganz klar." Die Firma fordert 287 Millionen Euro plus Zinsen, was sich laut KlÀgerin auf 464 Millionen Euro summiert. Timms Anwalt Dennis Geissler sagte vor Gericht, man sei weiterhin bereit zu einem Vergleich.
Der Fall ist einer von zahlreichen Rechtsstreitigkeiten rund um MaskeneinkĂ€ufe, die das Bundesgesundheitsministerium 2020 kurz nach Beginn der Corona-Pandemie auf den Weg brachte. Damals bekam das Ministerium Zusagen ĂŒber viel gröĂere Mengen als erwartet. Man kaufte zu teuer ein, wenig spĂ€ter fielen die Preise.
Verschiedene Gerichte gaben bereits anderen Masken-KlĂ€gern recht, die Corona-Schutzausstattung beschafft hatten. Ihre Ware wurde vom Bund aber nicht abgenommen oder als mangelhaft zurĂŒckgewiesen, was die Lieferanten als Rechtsbruch werteten. In den meisten FĂ€llen, die vor Gericht landeten, setzten sich die Lieferanten durch. Der Bund muss sich daher auf hohe Zahlungen einstellen. Das Verfahren vor dem Bonner Landgericht ist anders gelagert. Hier geht es um die Frage, Kaufvertrag ja oder nein.
