Gericht, Entlassungen

Gericht blockiert vorĂŒbergehend Entlassungen bei Voice of America

30.09.2025 - 06:25:42

In letzter Minute hat ein Richter PlÀne der US-Regierung von PrÀsident Donald Trump zu etlichen Entlassungen beim Auslandssender Voice of America durchkreuzt.

Ein Bundesrichter gab am Montag (Ortszeit) einer einstweiligen VerfĂŒgung statt, wonach ein geplanter Stellenabbau bei der Muttergesellschaft des Senders, der US-Agentur fĂŒr globale Medien (USAGM), vorĂŒbergehend ausgesetzt werden muss. Betroffen sind dem Gerichtsdokument zufolge 500 Arbeitnehmer, darunter die Mehrheit der Mitarbeiter des staatlich finanzierten Senders.

Die von Trump nach Beginn seiner zweiten Amtszeit eingesetzte Chefin der Behörde, Kari Lake, hatte die Entlassungen Ende August angekĂŒndigt. Stichtag ist der heutige Dienstag. Im MĂ€rz hatte der PrĂ€sident per Dekret massive KĂŒrzungen bei dem staatlich finanzierten Auslandssender, der in mehreren Sprachen berichtet, angeordnet.

Richter kritisiert Regierung: "besorgniserregende Missachtung"

Richter Royce Lamberth vom Bezirksgericht Columbia erklĂ€rte, der Stellenabbau dĂŒrfe vorerst nicht umgesetzt werden - solange das Gericht nicht in der Sache entschieden habe. Das Gericht hatte in dem Fall schon in der Vergangenheit geurteilt. Im April hatte es geheißen, die Regierung mĂŒsse die Programmgestaltung des Senders wieder so herstellen, dass die USAGM ihrem gesetzlichen Auftrag nachkomme, wonach Voice of America als "durchweg zuverlĂ€ssige und maßgebliche Nachrichtenquelle dient".

Der Richter hob nun außerdem hervor, dass er eine "besorgniserregende Missachtung" der gerichtlichen Anordnungen etwa zur Vorlage von Informationen beobachtet habe.

Sender mit langer Geschichte

Voice of America wurde 1942 gegrĂŒndet, um der Propaganda von Nazi-Deutschland entgegenzuwirken und verlĂ€ssliche Nachrichten in besetzte Gebiete zu bringen. Heute gehören dazu mehrere Rundfunkdienste, die Programme in Dutzenden Sprachen ausstrahlen. In Deutschland ist der Sender nicht mehr im linearen Fernsehen oder Radio empfangbar, da er sich primĂ€r an Staaten mit eingeschrĂ€nkter Pressefreiheit richtet.

Schon in seiner ersten Amtszeit war Trump mit dem Sender ĂŒber die Corona-Berichterstattung aneinandergeraten und hatte ihm vorgeworfen, chinesische Propaganda zu verbreiten. Ende vergangenen Jahres hatte Trump dann verkĂŒndet, seine loyale UnterstĂŒtzerin Kari Lake aus Arizona zur Leiterin von Voice of America machen zu wollen.

Gesetzliche Vorgaben sollen politische Einflussnahme auf Voice of America verhindern. Gleichzeitig spielt der Sender eine wichtige Rolle fĂŒr das internationale Ansehen der USA: Als Instrument der sogenannten Soft Power dient er dazu, amerikanische Werte und Ideale weltweit in einem positiven Licht darzustellen. In einigen LĂ€ndern wird der Sender, dessen Name "Stimme Amerikas" bedeutet, als Sprachrohr der US-Regierung wahrgenommen.

@ dpa.de