Lilly glÀnzt anders als Novo mit Prognose
04.02.2026 - 16:56:04(neu: Kurs aktualisiert)
INDIANAPOLIS/BASGVAERD (dpa-AFX) - Im MilliardengeschĂ€ft mit Gewichtssenkern lĂ€uft der US-Pharmakonzern Lilly seinem direkten Konkurrenten Novo Nordisk aus DĂ€nemark immer weiter davon. Die Amerikaner glĂ€nzten am Mittwoch mit ihrer Prognose fĂŒr 2026: Sie rechnen sich einen neuerlichen Sprung bei Erlös und Gewinn aus. Die Skandinavier dagegen schockten die Börse mit einer Umsatzwarnung wegen des zunehmenden Preisdrucks fĂŒr seine Abnehmmittel Wegovy und Ozempic. Novo-Aktien brachen auf die Nachrichten hin zur Wochenmitte zeitweise um fast ein FĂŒnftel ein, dagegen ging es fĂŒr das Lilly-Papier im frĂŒhen US-Handel um zehn Prozent nach oben.
WĂ€hrend Lilly mit seiner 2026er-Prognose und den Resultaten im Schlussquartal die durchschnittlichen Analystenerwartungen ĂŒbertraf, enttĂ€uschte Novo Nordisks Jahresziel auf ganzer Linie. Die Prognose der DĂ€nen impliziere, dass bereinigter Umsatz, operatives Ergebnis und Ergebnis je Aktie um 7 bis 10 Prozent unter den jeweiligen KonsensschĂ€tzungen liegen dĂŒrften, kalkulierte etwa Graham Parry von der Citigroup.
FĂŒr 2026 rechnet Novo-Chef Maziar Mike Doustdar nun wĂ€hrungsbereinigt mit einem UmsatzrĂŒckgang von 5 bis 13 Prozent, wie das Unternehmen bereits am Dienstagabend mitgeteilt hatte. Das Management verwies zur BegrĂŒndung unter anderem auf das Auslaufen von Patenten fĂŒr seinen Diabetes- und Abnehmwirkstoff Semaglutid in einigen MĂ€rkten. FĂŒr Novo wĂ€re es der erste UmsatzrĂŒckgang seit fast einem Jahrzehnt.
Zudem wird das US-GeschĂ€ft der DĂ€nen durch die Einigung des Konzerns mit der Trump-Administration getroffen, die Preise fĂŒr ihre wichtigsten Blockbuster-Medikamente zu senken. Konzernchef Doustdar sprach am Mittwoch in einer Telefonkonferenz von einem "nie dagewesenen Preisdruck".
Völlig entgegengesetzt Ă€uĂerte sich dagegen Lilly-Chef David Ricks bei der Vorlage seiner Ziele fĂŒr das neue Jahr. Er erklĂ€rte zur Wochenmitte, der Konzern sei derzeit mit seinem Portfolio so gut positioniert, dass er so viele Patienten erreichen könne wie noch nie. 2026 will Ricks den Lilly-Umsatz auf 80 bis 83 Milliarden Dollar steigern - das wĂ€re im besten Fall ein Plus von mehr als einem Viertel im Vergleich zu 2025. Von Bloomberg befragte Analysten hatten fĂŒr das neu angelaufene Jahr bislang knapp 78 Milliarden Dollar auf dem Zettel.
FĂŒr die DĂ€nen ist der glĂ€nzende Ausblick des Konkurrenten eine besondere Schmach: Novo Nordisk war ursprĂŒnglich als erster Hersteller mit seinen Gewichtssenkern am Markt und dominierte das GeschĂ€ft. Doch dann geriet der Konzern im Ringen mit Lillys Konkurrenzmitteln ins Hintertreffen, die als effektiver gelten. Zwar gab es im vergangenen Jahr vermehrt fĂŒr beide Konzerne Schwierigkeiten, weil in den USA Apotheken und andere Hersteller unter Ausnutzung regulatorischer Schlupflöcher billigere Kopien der Abnehmmedikamente auf den Markt brachten. Doch hatte sich Lilly proaktiver gegen die Konkurrenz durch Nachahmer gewehrt.
Im November einigte sich Novo Nordisk mit der US-Regierung dann auf deutliche Preissenkungen fĂŒr seine Blockbuster wie Wegovy und Ozempic, die unter anderem im Rahmen staatlicher Gesundheitsprogramme gelten sollen. Auch Lilly unterzeichnete eine entsprechende Vereinbarung.
Lilly-Chef Ricks erwartet aber sogar, dass der Markt fĂŒr Medikamente gegen krankhaftes Ăbergewicht (Adipositas) in diesem Jahr dank der Einigung mit der US-Regierung noch weiter wachsen wird. Diese hat zugestimmt, die Kosten fĂŒr die Mittel Medikamente fĂŒr mehr Patienten im Rahmen des staatlichen Gesundheitsprogramms Medicare fĂŒr fĂŒr Ă€ltere Menschen zu ĂŒbernehmen. Die Amerikaner sind zudem in einer vergleichsweise stĂ€rkeren Position als Novo, da ihre Blockbuster Mounjaro gegen Diabetes und Zepbound gegen Fettleibigkeit noch ein weiteres Jahrzehnt lang patentgeschĂŒtzt sind.
Bei Novo Nordisk lĂ€uft unterdessen ein tiefgreifender Umbau. Vorstandschef Doustdar, der seit August 2025 an der Spitze steht, hatte bereits kurz nach seinem Amtsantritt den Abbau von rund 9.000 Stellen angekĂŒndigt. Der Manager hat daneben die Entwicklung neuer Medikamente zum wichtigsten Ziel erklĂ€rt. GroĂe Hoffnungen setzt er auf die Wegovy-Pille, die in den USA Ende 2025 zugelassen wurde. Hier gebe es bereits 170.000 weitestgehend neue Verwender der Tablette, sagte er am Mittwoch vor Journalisten. Allerdings ist Konkurrent Lilly mit einer eigenen Abnehmtablette bereits dicht auf den Fersen - der Konzern hofft auf grĂŒnes Licht in den USA in den nĂ€chsten Monaten.
Im vergangenen Jahr war der Erlös bei Lilly angetrieben durch seine Gewichtssenker um 45 Prozent auf 65,2 Milliarden Dollar (rund 55,2 Mrd Euro) hochgeschnellt. Zum Vergleich: Novo Nordisks Erlös stieg lediglich um sechs Prozent auf gut 309 Milliarden dÀnische Kronen (rund 41,4 Mrd Euro). WÀhrend bei den DÀnen der Gewinn unter dem Strich um ein Prozent auf 102,4 Milliarden Kronen anzog, verdiente Lilly 2025 mit 20,6 Milliarden Dollar fast doppelt so viel wie im Vorjahr.

