Bahnsanierung Hamburg-Berlin stockt
16.02.2026 - 18:52:15 | dpa.de"Wir mĂŒssen nach den letzten Tagen sagen, dass wir im Moment davon ausgehen, dass es nicht mehr möglich sein wird, zum 30. April in den Betrieb zu gehen", sagte der Vorstand fĂŒr Infrastrukturplanung und -projekte bei der zustĂ€ndigen Bahn-Tochter DB InfraGo, Gerd-Dietrich Bolte.
Wie lange sich der Abschluss der Bauarbeiten auf der Strecke verzögern wird, blieb zunĂ€chst unklar. Einen neuen Zeitplan will die Bahn am 13. MĂ€rz bekanntgeben. "Ziel ist es, eine fĂŒr Reisende und GĂŒterverkehrsunternehmen gleichermaĂen vertrĂ€gliche Lösung zu finden", teilte der Konzern mit. FĂŒr FahrgĂ€ste gehen damit die EinschrĂ€nkungen auf unbestimmte Zeit weiter.
EinschrĂ€nkungen fĂŒr FahrĂ€ste und GĂŒterverkehr verlĂ€ngern sich
Der Fernverkehr wird bis zur Fertigstellung weiter ĂŒber Stendal und Uelzen umgeleitet. Er braucht derzeit mindestens 45 Minuten lĂ€nger. Statt sonst zwei Verbindungen pro Stunde gibt es wĂ€hrend der Sanierung nur noch eine Verbindung. Die Halte Ludwigslust und Wittenberge entfallen komplett.
Im Regionalverkehr fallen viele Verbindungen aus oder verkehren nur auf Teilstrecken. FĂŒr betroffene Pendlerinnen und Pendler wurde ein umfangreiches Ersatzverkehrskonzept mit Bussen eingerichtet. Die Fahrzeiten mit den Ersatzbussen sind deutlich lĂ€nger. Auch der Ersatzverkehr werde so lange fortgesetzt, bis die Sanierung abgeschlossen sei, betonte die Bahn. Lange Umwege muss seit Anfang August auch der GĂŒterverkehr hinnehmen.
HĂ€rtester Winter seit 15 Jahren
"Wir erleben in Deutschland, insbesondere im Norden und im Osten, den hĂ€rtesten Winter seit 15 Jahren", betonte Bolte. Seit sechs Wochen seien die Arbeiten auf der Strecke in Verzug, weil Frost und Schnee vor allem die Kabeltiefbauarbeiten fĂŒr die Signal- und Stellwerksanlagen nahezu unmöglich machten. "Das ist das, wo wir extreme Schwierigkeiten und faktisch keinen Fortschritt haben", hieĂ es. "Wir schauen seit Anfang Januar gebannt auf jede Woche und die Wettervorhersage."
Schwierig gestalten sich der bundeseigenen Bahn zufolge aufgrund der KÀlte auch Arbeiten an den Oberleitungen. Diese hÀtten bereits im Januar erfolgen sollen, was aufgrund der Witterung aber nicht möglich gewesen sei.
Sanierung Hamburg-Hannover ebenfalls betroffen
Die Bahnstrecke Hamburg-Berlin ist seit Anfang Augst 2025 fĂŒr die Sanierung gesperrt - zunĂ€chst war mit neun Monaten Bauzeit geplant worden. Die 280 Kilometer lange Strecke fĂŒhrt durch fĂŒnf BundeslĂ€nder und ist eine der wichtigsten Pendlerstrecken in Deutschland mit tĂ€glich rund 30.000 FahrgĂ€sten im Fernverkehr und insgesamt 470 ZĂŒgen pro Tag. Bei der Planung der Strecke sei ein Puffer von zwei bis drei Wochen eingebaut worden, sagte Bolte weiter. Dieser sei inzwischen aber klar ĂŒberschritten.
Direkt im Anschluss an die Modernisierung steht die Strecke Hamburg-Hannover auf dem Programm. Diese werde sich nun ebenfalls solange verzögern, bis der Korridor zwischen der Hanse- und der Hauptstadt fertig sei. Auf weitere geplante Streckensanierungen hÀtten die Verzögerungen aber keinen verschiebenden Einfluss.
Generalsanierungen sollen Netz wieder fit machen
Die Generalsanierung der Strecke Hamburg-Berlin ist Teil einer gröĂeren Initiative: Die Deutsche Bahn will bis Mitte der 2030er Jahre mehr als 40 vielbefahrene Schienenkorridore grundlegend modernisieren. Auf diese Weise soll das an vielen Stellen marode und ĂŒberlastete Streckennetz nach und nach wieder fit gemacht werden und die PĂŒnktlichkeit steigen.
Den Anfang machte 2024 die sogenannte Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Hamburg-Berlin gilt als besondere Herausforderung, da sie deutlich lÀnger und komplexer ist als die Riedbahn. Noch Mitte Dezember sah sich die Bahn bei der Sanierung auf einem guten Weg. Seit Anfang August seien rund 165 Kilometer Gleise, 241 Weichen, SchallschutzwÀnde, Signale, Oberleitungen und Bahnsteige erneuert worden, hieà es damals.
Jetzt beginnt die Aufholjagd
Mit der Erneuerung der sogenannten Leit- und Sicherungstechnik stand die schwierigste Aufgabe aber noch bevor. Hunderte Kilometer Kabel, Signale und Weichenantriebe mĂŒssen ausgetauscht oder neu verlegt werden. Danach erfolgt laut Bahn ein mehrstufiger PrĂŒf- und Abnahmeprozess.
Laut InfraGo-Vorstand Bolte geht es in den nĂ€chsten Wochen darum, den RĂŒckstand wieder aufzuholen. Schon zuletzt seien die Arbeiter rund um die Uhr im Einsatz gewesen. Nun sollen zusĂ€tzliche Trupps und Monteure eingesetzt werden, um möglichst viele Arbeiten parallel durchzufĂŒhren. "Jeder Tag ist wichtig", sagte Bolte. "Wir wollen möglichst dicht an der geplanten Inbetriebnahme dran bleiben." Das hoffen auch die FahrgĂ€ste.
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