Insolvenzwelle, Online-Handel

Insolvenzwelle erschĂŒttert den deutschen Online-Handel

08.03.2026 - 11:30:45 | boerse-global.de

Eine Pleitewelle erfasst den deutschen Online-Handel. Traditionsmarken wie Hagen Grote und Eterna melden Insolvenz an, getrieben von asiatischer Konkurrenz, hohen Kosten und KaufzurĂŒckhaltung.

Insolvenzwelle erschĂŒttert den deutschen Online-Handel - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Insolvenzwelle erschĂŒttert den deutschen Online-Handel - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Deutsche E-Commerce-HĂ€ndler und Einzelhandelsmarken geraten 2026 in eine schwere Krise. Eine wachsende Zahl etablierter Online-Shops und traditioneller Marken meldet Insolvenz an. Die Pleiten des Premium-KĂŒchenhĂ€ndlers Hagen Grote und die drohende Schließung des Hauptsitzes der Modemarke Eterna in der ersten MĂ€rz-Woche senden Schockwellen durch die Branche. Sie markieren einen tiefgreifenden Strukturwandel, angetrieben durch aggressive Konkurrenz aus Asien, hohe Betriebskosten und verunsicherte Verbraucher.

Premium-HĂ€ndler und Traditionsmarken in der Klemme

Innerhalb weniger Tage traf es zwei bekannte Namen. Am 6. MĂ€rz 2026 bestĂ€tigten sich Berichte: Der seit 1987 bestehende Katalog- und Online-HĂ€ndler Hagen Grote fĂŒr hochwertige KĂŒchenartikel und Feinkost stellte einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung. Das Unternehmen kĂ€mpft mit massiven UmsatzeinbrĂŒchen – minus 22 Prozent 2023 und weitere 11 Prozent 2024. Die Löhne der 87 Mitarbeiter sollen bis Ende April 2026 durch Insolvenzgeld gesichert werden.

Fast zeitgleich vollzieht die Traditionsschneiderei Eterna einen drastischen Schnitt. Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung am 1. MĂ€rz stimmte der GlĂ€ubigerausschuss zu, den Hauptsitz und Produktionsstandort in Passau bis Sommer 2026 zu schließen. Eine gescheiterte Sale-and-lease-back-Strategie verschĂ€rfte die Krise: Finanzielle GlĂ€ubiger verweigerten die Zustimmung zum geplanten Verkauf der Betriebsimmobilie, wodurch dringend benötigte LiquiditĂ€t ausblieb. Die Marke Eterna könnte zwar unter neuer FĂŒhrung ĂŒberleben. Doch der fehlende KĂ€ufer fĂŒr das gesamte Unternehmen zeigt die immense Schwierigkeit, im deutschen Modemarkt langfristige Renditen zu erzielen.

Asiatische Plattformen und verunsicherte Kunden

Ein Haupttreiber der Pleitewelle ist der aggressive Markteintritt asiatischer Ultra-Fast-Fashion- und Discount-Portale wie Temu und Shein. Diese setzen europĂ€ische Online-HĂ€ndler unter immensen Preisdruck. SchĂ€tzungen zufolge bĂŒĂŸte der deutsche Textil- und Einzelhandel im vergangenen Jahr allein etwa drei Milliarden Euro Umsatz an asiatische Plattformen ein.

Hinzu kommt eine toxische Mischung aus hohen Betriebskosten im Inland und einer tiefen KaufzurĂŒckhaltung der Verbraucher. Getrieben von Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit, sparen Deutsche bei nicht-essentiellen KĂ€ufen. FĂŒr mittelstĂ€ndische Online-HĂ€ndler schrumpfen so die Margen, wĂ€hrend dringend Kapital fĂŒr digitale Transformation und datengetriebenes Merchandising benötigt wird. Frisches Investorengeld oder Anschlussfinanzierungen sind auf dem aktuellen Kapitalmarkt jedoch schwer zu beschaffen.

Struktureller Wandel beschleunigt sich

Die FĂ€lle Hagen Grote und Eterna sind Teil eines grĂ¶ĂŸeren Trends, der sich seit Ende 2025 beschleunigt. Bereits im Januar 2026 beantragte der SpielwarenhĂ€ndler Rofu Kinderland mit 104 Filialen und einem Online-Shop ein Eigenverwaltungsverfahren. Als GrĂŒnde nannte das Management ein schwaches WeihnachtsgeschĂ€ft, steigende Logistikkosten und harte digitale Konkurrenz.

SpĂ€t 2025 folgte die Insolvenz des Berliner Streetwear-OnlinehĂ€ndlers DefShop, der zuvor mit massiven Kundenbeschwerden ĂŒber verspĂ€tete RĂŒckzahlungen kĂ€mpfte. Daten großer Wirtschaftsauskunfteien bestĂ€tigen den Ernst der Lage. Laut Allianz Trade erreichten die Unternehmenspleiten im deutschen Einzelhandel das höchste Niveau seit 2016. Creditreform prognosticitiert bis zum Ende des aktuellen Konjunkturzyklus bis zu 26.000 Unternehmensinsolvenzen in Deutschland – branchenĂŒbergreifend.

Viele der angeschlagenen Unternehmen nutzen das Instrument der Eigenverwaltung. Dieses Insolvenzverfahren ermöglicht es der alten GeschĂ€ftsfĂŒhrung, unter strenger Aufsicht eines Sachwalters den Betrieb fortzufĂŒhren und eine geordnete Restrukturierung zu versuchen, anstatt sofort in die Liquidation zu gehen.

Risiko fĂŒr Kunden: Geld bei Vorkasse oft verloren

Die steigende Zahl von Shop-Pleiten birgt erhebliche finanzielle Risiken fĂŒr Verbraucher und Lieferanten. Verbraucherzentralen raten angesichts der Unsicherheit dringend von Zahlungen per Vorkasse ab. Stattdessen empfehlen sie sichere Zahlungsdienstleister oder Kreditkarten mit KĂ€uferschutz.

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Hat ein HĂ€ndler Insolvenz angemeldet, werden bereits geleistete vorauszahlungen Teil der Insolvenzmasse. Kunden, die Ware bereits bezahlt, aber noch nicht erhalten haben, mĂŒssen ihre Forderung beim Insolvenzverwalter anmelden. In der Regel erhalten sie im Verfahren jedoch nur einen kleinen Teilbetrag, die sogenannte Insolvenzquote. Wer gelieferte Ware nach einer Insolvenzantragstellung erhĂ€lt, ist hingegen weiterhin zur Zahlung verpflichtet.

Überleben nur mit klarem Profil

Die Branche bereitet sich auf weitere Konsolidierung 2026 vor. Marktbeobachter erwarten, dass die Insolvenzrate hoch bleibt, sobald die letzten finanziellen Reserven aufgebraucht sind. Um die Marktbereinigung zu ĂŒberstehen, mĂŒssen deutsche Online-HĂ€ndler weg vom reinen Preiskampf – ein Wettbewerb, den sie gegen asiatische Mega-Plattformen strukturell kaum gewinnen können.

Langfristiger Erfolg wird von ĂŒberlegener ProduktqualitĂ€t, nachhaltigen Lieferketten, spezialisierten Nischen-Sortimenten und exzellentem Kundenservice abhĂ€ngen. Die laufenden Restrukturierungen von Marken wie Hagen Grote oder Eterna bieten zwar Hoffnung auf ein Überleben in stark verĂ€nderter Form. Doch die Landschaft des deutschen Online-Handels wandelt sich dauerhaft. Am Ende werden weniger, aber potenziell widerstandsfĂ€higere und digital besser aufgestellte, heimische Anbieter ĂŒbrig bleiben.

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