Iran meldet US-Angriffe auf BrĂŒcken - Pentagon: MilitĂ€rziele
Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 06:35 Uhr | dpa.de(Neu: Angriffswelle beendet, weitere Details)
WASHINGTON/TEHERAN (dpa-AFX) - Das US-MilitĂ€r hat in der sechsten Angriffsnacht in Folge laut Medienberichten mehrere BrĂŒcken und einen Flughafen im Iran bombardiert. Mit den Angriffen auf BrĂŒcken sollten Nachschubwege zu einem iranischen MarinestĂŒtzpunkt an der StraĂe von Hormus unterbrochen werden, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf einen US-Beamten. Der Iran holte in Reaktion darauf erneut zu VergeltungsschlĂ€gen gegen Ziele in den mit Washington verbĂŒndeten Golfstaaten Kuwait, Bahrain sowie Katar aus.
Bei den US-Attacken auf StraĂen und BrĂŒcken im Raum der Hafenstadt Bandar Chamir am Persischen Golf seien mindestens sieben Menschen getötet worden, berichtete Irans regierungstreuer Sender Press TV. Mindestens neun weitere Menschen seien bei den Angriffen in der Provinz Hormusgan im SĂŒden verletzt worden. Irans UN-Botschafter erklĂ€rt demnach, die US-Angriffe auf zivile Infrastruktur stellten Kriegsverbrechen dar. Das US-MilitĂ€r erklĂ€rte dagegen, man habe Dutzende "militĂ€rische Ziele" mit PrĂ€zisionsmunition getroffen, darunter Flugabwehrsysteme und Radaranlagen zur KĂŒstenĂŒberwachung.
US-MilitÀr: SchwÀchen Irans militÀrische FÀhigkeiten
Das Ziel der Angriffe sei gewesen, "die militĂ€rischen FĂ€higkeiten des Irans weiter zu schwĂ€chen", teilte das zustĂ€ndige Regionalkommando des US-MilitĂ€rs (Centcom) auf X mit. Sie seien nun beendet, hieĂ es am frĂŒhen Morgen deutscher Zeit. Die iranische Nachrichtenagentur Fars hatte unter Berufung auf amtliche Angaben gemeldet, dass unter anderem die Kahurestan- und die Gariveh-BrĂŒcke auf Verkehrsachsen in Hormusgan getroffen worden seien.
Die StraĂe zwischen der Hafenstadt Bandar Abbas und den StĂ€dten Chamir und Lar sei vollstĂ€ndig gesperrt ebenso wie eine zweite Verbindung in der Region, hieĂ es. Die Kahurestan-BrĂŒcke liegt an der Route, die die Hafenstadt Bandar Abbas mit der Stadt Schiras weiter nordwestlich verbindet und gilt laut der US-Zeitung "New York Times" als eine wichtige Route zwischen der KĂŒste des Persischen Golfs und dem sĂŒdlichen Landesinneren des Irans.
Bericht: Auch Flughafen im Iran getroffen
Bandar Abbas beherberge einen MarinestĂŒtzpunkt der mĂ€chtigen Iranischen Revolutionsgarden und sei von entscheidender Bedeutung fĂŒr die FĂ€higkeit des Irans, in der StraĂe von Hormus Macht auszuĂŒben, schrieb das "Wall Street Journal". Laut dem iranischen Staatssender Irib wurde auch der Flughafen in Iranschahr in der sĂŒdöstlichen Provinz Sistan-Belutschistan getroffen. Laut Press TV schlug mindestens ein Geschoss ein. Die dabei ausgebrochenen BrĂ€nde seien inzwischen gelöscht, die Stromversorgung am Flughafen sei jedoch unterbrochen, berichtete ein Irib-Korrespondent. Tote gebe es nicht.
Die iranische Armee teilte daraufhin laut Press TV mit, bei VergeltungsschlĂ€gen einen Hubschrauber-Standort sowie ein AufklĂ€rungsflugzeug des US-MilitĂ€rs in Bahrain ins Visier genommen zu haben. Das Innenministerium von Bahrain hatte zuvor auf X Sirenenalarm gemeldet. In Kuwait war die Flugabwehr wegen Raketen- und Drohnenbeschuss im Einsatz, wie die dortige Armee mitteilte. Dort stĂŒnden US-Radaranlagen und Raketenabschussrampen in Brand, meldete der iranische Sender Press TV. Demnach sollen auch US-Anlagen in Jordanien Ziel gewesen sein. Die Angaben des Senders lieĂen sich zunĂ€chst nicht prĂŒfen.
In Katar wurde nach Angaben des dortigen Innenministeriums ein Kind beim Einsatz der Flugabwehr von herabfallenden TrĂŒmmerteilen verletzt. Die Golfstaaten waren schon in den vergangenen NĂ€chten unter Beschuss aus dem Iran geraten, nachdem das US-MilitĂ€r erneut den Iran attackiert hatte.
Trump spricht von groĂen Erfolgen im Iran
US-PrĂ€sident Donald Trump behauptete in einer Rede an seine Nation, im Iran erziele man "groĂe Erfolge, und Sie werden die FrĂŒchte dieser Arbeit schon sehr, sehr bald sehen." Mehr sagte er zu dem Konflikt nicht. Am Mittwoch hatte er dem Iran erneut Angriffe auf zivile Infrastruktur angedroht. NĂ€chste Woche wĂŒrden alle Kraftwerke und BrĂŒcken zerstört, "es sei denn, sie kommen an den Verhandlungstisch und verhandeln", sagte er dem Sender Fox News.
Der iranische ParlamentsprĂ€sident und Chefverhandler Mohammed Bagher Ghalibaf hatte am selben Tag in einer teilweise im Fernsehen verlesenen Stellungnahme die Position seines Landes abermals bekrĂ€ftigt, dass der Iran die Kontrolle ĂŒber die fĂŒr den globalen Handel mit Ăl, Gas und DĂŒnger wichtigen Meerenge beanspruche. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth schrieb dagegen auf X, der Iran kontrolliere die StraĂe von Hormus nicht.
Wegen des Streits um die wichtige Meerenge ist der Konflikt wieder eskaliert. Ghalibaf lieĂ zwar die TĂŒr fĂŒr neue Verhandlungen offen. Er mahnte aber zugleich, dass man keine Angst davor haben dĂŒrfe, kriegerisch eigene Interessen durchzusetzen.
US-Sprecherin: Iran weiter an Abkommen interessiert
Nach Darstellung von US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt ist Teheran weiter an einem Abkommen mit Washington interessiert. "Der Iran steht nach wie vor in engem Austausch mit den Vereinigten Staaten von Amerika", sagte Leavitt am Donnerstag vor der Hauptstadtpresse in Washington. Dass das US-MilitĂ€r ungeachtet dessen seit Tagen Ziele im Iran angreift, begrĂŒndete Leavitt mit dem Verhalten der iranischen FĂŒhrung. Trump werde nicht tatenlos zusehen, wie der Iran Schiffe in der StraĂe von Hormus angreife, erklĂ€rte die Sprecherin.
Die Angriffe erfolgen zu einem Zeitpunkt, da die USA wieder eine Seeblockade gegen iranische HĂ€fen durchsetzen. Das US-MilitĂ€rkommando Centcom veröffentlichte Fotos, die zeigen, wie US-Marinesoldaten ein Handelsschiff entern und durchsuchen. Seit der Wiederaufnahme der Blockade Anfang dieser Woche hĂ€tten die USA drei Schiffe umgeleitet und ein weiteres auĂer Gefecht gesetzt, das den Anweisungen keine Folge geleistet habe, hieĂ es.
