Island bleibt weiter drauĂen - EU-Verhandlungen abgelehnt
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 15:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDen Ausschlag fĂŒr den Sieg der EU-Gegner mit 52,8 Prozent gaben die Wahlkreise auĂerhalb der Hauptstadt ReykjavĂk. Bei hoher Wahlbeteiligung stimmten insgesamt rund 118.000 Menschen gegen die GesprĂ€che, rund 105.000 dafĂŒr. Island bleibt damit zwar eng an die EuropĂ€ische Union angebunden, wird absehbar aber kein vollwertiges Mitglied.
Das Ergebnis ist eine Niederlage fĂŒr die sozialdemokratische Regierungschefin KristrĂșn FrostadĂłttir, die angekĂŒndigt hatte, dass die Regierung der Entscheidung folgen werde. Schon bei ihrem Amtsantritt Ende 2024 hatte sie ĂŒber eine Abstimmung ĂŒber neue EU-Verhandlungen gesprochen. Bereits wĂ€hrend der Finanzkrise 2009 hatte das gerade einmal rund 400.000 Einwohner zĂ€hlende Land einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt. Doch nach der Parlamentswahl 2013 legte die neue EU-skeptische Regierung die BeitrittsplĂ€ne auf Eis.
Bis zuletzt hatte FrostadĂłttir fĂŒr das "Ja" der rund 270.000 Abstimmungsberechtigten geworben - ohne Erfolg. Noch wĂ€hrend die bis Sonntagvormittag andauernde AuszĂ€hlung der Stimmen lief, Ă€uĂerte die Regierungschefin die Hoffnung, dass die Volksabstimmung das Land nicht spalte. "Ich weiĂ, dass bei manchen Leuten die Emotionen hochgekocht sind, aber ich habe inzwischen Zeit mit einer groĂen Gruppe von Menschen aus dem ganzen Land verbracht, und die Leute sind durchaus offen fĂŒr unterschiedliche AusgĂ€nge", sagte sie im islĂ€ndischen Fernsehen.
Trump-Faktor ohne entscheidenden Einfluss
Die Hauptargumentation der BefĂŒrworter, der EU-Beitritt wĂŒrde in unsicheren Zeiten mehr Sicherheit bringen, verfing nicht. Die Gegner hielten dagegen, die Nato-Mitgliedschaft sowie ein 1951 mit den USA geschlossenes bilaterales Verteidigungsabkommen wĂŒrden ausreichen. Zudem schien das Misstrauen in US-PrĂ€sident Donald Trump nicht so ausschlaggebend zu sein, dass EU-Gegner doch noch die Seite gewechselt hĂ€tten.
Trumps wiederholte Drohungen, die zu DĂ€nemark gehörende Arktisinsel Grönland den Vereinigten Staaten einzuverleiben, waren von Beobachtern als ernstzunehmender Faktor bei der Abstimmung bewertet worden. Ohne konkret den Namen des US-PrĂ€sidenten zu nennen, hatte FrostadĂłttir gesagt: "Wir sehen um uns herum, dass LĂ€nder in unserer Nachbarschaft durch die EuropĂ€ische Union geschĂŒtzt wurden."
Wirtschaftlich ist Island auch ohne Mitgliedschaft bereits stark in Europa integriert: Das Land gehört zum EuropĂ€ischen Wirtschaftsraum (EWR) und genieĂt die Vorteile des Binnenmarkts - hat aber eben bei wichtigen Entscheidungen kein Mitspracherecht. Den EU-Gegnern ist es insbesondere wichtig, die SouverĂ€nitĂ€t ĂŒber die Fischerei zu behalten - den gröĂten und identitĂ€tsstiftenden Wirtschaftszweig der Insel. FrostadĂłttir wollte dazu ĂŒber eine Sonderregel verhandeln, aber auch das lehnte die Mehrheit nun ab.
Formal bleibt der Beitrittsantrag von 2009 zunĂ€chst bestehen; er wurde nie zurĂŒckgezogen. Möglich ist aber nun auch, dass das Parlament ĂŒber einen kompletten RĂŒckzug debattiert. Nach abgeschlossenen Verhandlungen hĂ€tte es zunĂ€chst ein weiteres Referendum zur endgĂŒltigen Beitrittsentscheidung gegeben. Auch das ist jetzt in sehr weite Ferne gerĂŒckt.
"Enge Partner" - aber eben nicht so eng
Angaben der EuropĂ€ischen Union zufolge wird derzeit mit sieben (anderen) Staaten verhandelt - mit sehr unterschiedlichem Stand. Am weitesten sind die GesprĂ€che mit Montenegro, am prominentesten wohl die mit der Ukraine. Die Verhandlungen mit Serbien kommen nur langsam voran, die mit der TĂŒrkei sind seit Jahren praktisch eingefroren.
Zum Referendum auf Island Ă€uĂerte sich BrĂŒssel zunĂ€chst nicht. In einer Phase, in der in mehreren EU-Staaten europaskeptische KrĂ€fte Zulauf haben, wĂ€re ein anderes Signal aus ReykjavĂk fĂŒr die EU-Spitze wohl politisch willkommen gewesen.
Formell geht es in den Verhandlungen darum, dass die KandidatenlĂ€nder sich an die Werte und Rechtsvorschriften der EU anpassen mĂŒssen. Diese sind in mehrere Bereiche unterteilt, die je nach Verhandlungsstand als bereits abgeschlossen behandelt werden können. "Das Tempo der Fortschritte eines Beitrittskandidaten auf dem Weg zum Beitritt hĂ€ngt davon ab, wie schnell das Land die erforderlichen Reformen umsetzt", schreibt die EU.
Vor dem Referendum hatte das islĂ€ndische AuĂenministerium explizit darauf verwiesen, dass der 2009 eingereichte Beitrittsantrag weiterhin gĂŒltig sei. Bei ihrem Besuch auf der Insel vor gut einem Jahr sagte EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen: "Wir teilen gemeinsame Werte, wir kennen uns sehr gut, wir sind gleichgesinnt - daher sind wir enge Partner."
