Italien verschärft Sanktionsrecht drastisch
28.01.2026 - 02:14:12Italien stellt Verstöße gegen EU-Sanktionen jetzt unter Strafe – mit drastischen Folgen für Unternehmen. Ein neues Gesetz verwandelt Compliance-Verfehlungen von Ordnungswidrigkeiten in schwere Straftaten. Für Firmen drohen Bußgelder in Milliardenhöhe.
Vom Kavaliersdelikt zum EU-Verbrechen
Bis vor kurzem konnten Unternehmen in Italien bei Verstößen gegen EU-Sanktionen noch mit vergleichsweise milden Geldbußen rechnen. Das hat sich mit dem Inkrafttreten des Gesetzesdekrets 211/2025 am 24. Januar 2026 radikal geändert. Die Neuregelung setzt eine EU-Richtlinie um und schafft ein eigenes Strafrechtskapitel: „Delikte gegen die Außen- und gemeinsame Sicherheitspolitik der Europäischen Union“.
Experten sprechen von einem Paradigmenwechsel. „Die Zeit, in der Sanktions-Compliance als nachrangige administrative Aufgabe behandelt werden konnte, ist endgültig vorbei“, analysieren Rechtsspezialisten. Hintergrund ist der EU-weite Kampf gegen sogenanntes Jurisdiktions-Shopping, bei dem sich Unternehmen gezielt Länder mit lascheren Strafen suchten.
Passend zum Thema Sanktions-Compliance: Viele Unternehmen unterschätzen heute die Risiken bei der Prüfung von Geschäftspartnern. Italien macht Verstöße strafbar – und Gerichte erwarten lückenlose Dokumentation. Unser kostenloser Leitfaden erklärt Schritt für Schritt, wie Sie Sanktionslisten automatisiert prüfen, Prüfprotokolle rechtssicher dokumentieren und interne Prozesse so gestalten, dass sie Gerichtsprüfungen standhalten. Er ist speziell für Compliance-Verantwortliche und Rechtsabteilungen in Handels-, Logistik- und Finanzunternehmen konzipiert. Inklusive Checklisten und Praxisbeispielen. Jetzt kostenlosen Leitfaden zur Sanktionslistenprüfung herunterladen
Haftstrafen und milliardenschwere Bußgelder
Die neuen Strafen sind beispiellos scharf. Für Einzelpersonen wie Geschäftsführer oder Compliance-Beauftragte sieht das Gesetz Freiheitsstrafen von zwei bis sechs Jahren vor. Dazu kommen Geldstrafen zwischen 25.000 und 250.000 Euro.
Für Unternehmen sind die Konsequenzen noch weitreichender. Sie haften nun direkt für Verstöße ihrer Mitarbeiter. Bei schweren Zuwiderhandlungen können Bußgelder von ein bis fünf Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängt werden. Für DAX-Konzerne oder große Familienunternehmen könnte das Milliardenbeträge bedeuten. Als Alternative droht eine Pauschalstrafe von bis zu 40 Millionen Euro.
Zusätzlich können Gerichte empfindliche Nebenfolgen verhängen: Ausschluss von öffentlichen Aufträgen, Einschränkung der Geschäftstätigkeit oder sogar temporäre Betriebsschließungen.
Diese Branchen müssen sofort handeln
Besonders betroffen sind Unternehmen mit internationaler Geschäftstätigkeit. Dazu zählen:
- Handels- und Logistikunternehmen, besonders in der Schifffahrt
- Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister
- Technologie- und Rüstungsfirmen mit Dual-Use-Gütern
- Mode- und Luxusgüterindustrie
- Immobiliensektor
Für alle gilt: Bestehende Compliance-Systeme müssen sofort überprüft und verschärft werden. „Es reicht nicht mehr, nur auf dem Papier sauber zu sein“, warnt ein auf Wirtschaftsstrafrecht spezialisierter Anwalt aus Mailand. „Die Justiz wird künftig auf die substanzielle Wirksamkeit der Kontrollen achten.“
Keine Übergangsfrist – sofortiger Handlungsdruck
Das Gesetz ist bereits in Kraft – es gibt keine Schonfrist. Italienische Behörden werden die neuen Befugnisse voraussichtlich rigoros nutzen. Unternehmen mit Italien-Bezug stehen daher unter erheblichem Druck.
Sie müssen ihre Organisations-, Management- und Kontrollmodelle (sogenannte Modelli 231) dringend anpassen. Erforderlich sind verschärfte Due-Diligence-Prüfungen bei Geschäftspartnern, lückenlose Dokumentation von Transaktionen und validierte Prozesse zur Überwachung von Transportrouten und Endempfängern.
Die Investition in spezialisierte Compliance-Experten und moderne Überwachungstechnologien dürfte für viele Firmen unausweichlich werden. Der Preis für Nachlässigkeit ist jetzt zu hoch – sowohl für das Unternehmen als auch für verantwortliche Manager persönlich.
PS: Viele Compliance-Teams übersehen Dokumentationslücken, die bei Ermittlungen zu hohen Strafen führen können. Dieser kostenlose Praxis-Guide zur Sanktionslistenprüfung enthält Audit-Templates, Prüfpfade und konkrete Beispielfälle – ideal für Unternehmen mit grenzüberschreitenden Lieferketten und Dual-Use-Gütern. Die Vorlagen sind schnell implementierbar und helfen Ihnen, Prüfungen plausibel zu belegen. Gratis Sanktionslisten-Checkliste sichern


