ROUNDUP, Verkehrstote

Jeder sechste Verkehrstote in Deutschland ist ein Radfahrer

24.04.2025 - 12:27:04

Jeder sechste Verkehrstote ist ein Fahrradfahrer - das zeigen Unfallzahlen des Statistischen Bundesamts.

Im vergangenen Jahr starben nach vorlĂ€ufigen Ergebnissen 441 Radfahrerinnen und Radfahrer auf deutschen Straßen.

Die Zahl der getöteten Radler lag 2024 um 11,4 Prozent höher als 2014. Dabei ist die Zahl der Verkehrstoten in diesen zehn Jahren insgesamt um 22,4 Prozent auf 2.759 gesunken.

NatĂŒrlich sterben zum GlĂŒck die wenigsten Menschen, wenn sie mit dem Fahrrad einen Unfall haben. Insgesamt zĂ€hlten die Statistiker im vergangenen Jahr 92.882 FahrradunfĂ€lle mit sogenanntem Personenschaden.

Was ist der Grund fĂŒr den Anstieg?

"Der Anstieg ist vor allem auf die steigende Zahl an getöteten Pedelec-Nutzenden zurĂŒckzufĂŒhren", stellen die Statistiker fest. Von den 2024 getöteten Fahrradfahrern waren 192 mit einem E-Bike unterwegs.

"Pedelecs sind zwar per se nicht gefÀhrlicher als klassische RÀder", sagt Kirstin Zeidler, die Leiterin der Unfallforschung der Versicherer. Sie seien aber schwerer, beschleunigten stÀrker und seien daher nicht leicht zu handhaben. "Unsere Forschung zeigt, dass AlleinunfÀlle mit Pedelecs in allen Altersgruppen hÀufiger schwerer verlaufen als mit nichtmotorisierten RÀdern."

Wer ist besonders gefÀhrdet?

Auch hier hat das Bundesamt eine klare Antwort: "Ältere Radfahrende sind im Straßenverkehr besonders gefĂ€hrdet." Unter den tödlich verletzten Fahrradfahrern waren 2024 knapp zwei Drittel 65 Jahre oder Ă€lter.

WĂ€hrend der Anteil von verunglĂŒckten Senioren mit normalen FahrrĂ€dern bei 59,4 Prozent lag, waren 68,8 Prozent der Getöteten aus E-Bikes 65 Jahre oder Ă€lter.

Dass Ă€ltere Menschen auf Pedelecs ein höheres Risiko tragen, erklĂ€rt die Unfallforscherin so: "Sie reagieren langsamer, verlieren schneller das Gleichgewicht und sind verletzlicher als JĂŒngere." Wer mit dem E-Bike sicher unterwegs sein will, dem könnten Fahrradtrainings helfen.

Wie laufen die UnfÀlle ab?

An einem Großteil der FahrradunfĂ€lle mit Verletzten war ein zweiter Verkehrsteilnehmer beteiligt. In 70,7 Prozent der FĂ€lle war das ein Auto. 44.424 FahrradunfĂ€lle mit Personenschaden gingen also auf einen Zusammenprall mit einem Auto zurĂŒck.

Unfallforscherin Zeidler findet aber auch die starke Zunahme der AlleinunfĂ€lle auffĂ€llig: Rund jeder dritte getötete Radfahrende verunglĂŒckt Daten der Unfallversicherer zufolge ohne weitere Beteiligte.

Wer hat Schuld?

In rund der HĂ€lfte der FĂ€lle waren die verunglĂŒckten Radfahrerinnen und Radfahrer an dem Unfall selbst Schuld, wie die Statistiker ausfĂŒhren. "Je nach Unfallgegner zeigen sich allerdings Unterschiede."

* Bei UnfĂ€llen mit FußgĂ€ngern wurde den Radfahrern in 57 Prozent der FĂ€lle die Hauptschuld angelastet.

* Kollisionen mit KraftrÀdern wurden in 50 Prozent der FÀlle von Radfahrern verschuldet.

* Waren Autofahrer beteiligt, trugen die Radler nur in 25 Prozent der FĂ€lle die Hauptschuld.

* Bei FahrradunfÀllen mit Lastwagen lag der Anteil noch darunter: Nur bei 21 Prozent wurde die Hauptschuld bei den Radlern gesehen.

Was muss geschehen?

Die meisten tödlichen UnfĂ€lle passieren bei Kollisionen mit Autos. "Besonders problematisch sind dabei Kreuzungen und Zufahrten", sagt Unfallforscherin Zeidler. "Hier gilt es Sicht zu schaffen, etwa das Zuparken zu verhindern. Auch eigenes Ampel-GrĂŒn fĂŒr Abbiege- und Radverkehr ließe UnfĂ€lle vermeiden."

Der ADFC fordert mehr und bessere Radwege. "Dass FahrradunfĂ€lle zunehmen, ist allerdings kein Wunder", erklĂ€rt BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Caroline Lodemann. "Radwege sind oft kaputt, von Hindernissen ĂŒbersĂ€t, viel zu schmal, zugeparkt oder fehlen - beispielsweise an Landstraßen - oft ganz."

Viel zu hĂ€ufig mĂŒssten sich Radfahrer die Fahrbahn mit Autos teilen. "Das bringt Stress und Gefahr fĂŒr alle Beteiligten." 70 Prozent der Befragten des ADFC-Fahrradklima-Tests fĂŒhlten sich im Straßenverkehr nicht sicher. "Eine bittere Diagnose", findet Lodemann.

@ dpa.de