Jeronimo Martins Aktie: 17,11-Euro-Tief in Reichweite
Veröffentlicht am: 27.06.2026 um 04:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der portugiesische EinzelhĂ€ndler Jeronimo Martins steckt im Keller fest. Die Aktie notiert mit 17,28 Euro nur knapp ĂŒber dem 52-Wochen-Tief von 17,11 Euro. Ein Viertel fehlt zum Hoch bei 22,60 Euro. Die TagesverĂ€nderung fiel mit minus 0,58 Prozent gering aus. Auf Monatssicht liegt das Minus bei 8,09 Prozent â und seit Januar bei 15,46 Prozent.
Die technischen Signale sind klar. Der RSI liegt bei 35,0, nahe der ĂŒberverkauften Zone. Der Kurs hat beide gleitenden Durchschnitte klar unterschritten: den 50-Tage-Schnitt bei 18,72 Euro und den 100-Tage-Schnitt bei 19,89 Euro. Das spricht fĂŒr anhaltenden Druck.
Zwei Probleme drĂŒcken
Das erste Quartal 2026 lief noch ordentlich. Der Umsatz stieg um 6,3 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro. Das EBITDA wuchs um 8,4 Prozent auf 572 Millionen Euro. Doch zwei Belastungsfaktoren trĂŒben das Bild.
Erstens: Deflation in Polen. Das Land ist der Kernmarkt der Kette Biedronka und macht den GroĂteil des GeschĂ€fts aus. Fallende Lebensmittelpreise drĂŒcken die Margen.
Zweitens: Das Konsumklima im Euroraum hat sich im MĂ€rz auf den tiefsten Stand seit Oktober 2023 verschlechtert. Die Inflation stieg im Mai auf 3,2 Prozent â getrieben durch Energie und Dienstleistungen, nicht durch Nahrungsmittel. Das senkt die Bereitschaft der Kunden, mehr auszugeben.
Expansion trotz Gegenwind
Jeronimo Martins gibt nicht klein bei. Der Konzern investiert 2026 rund 1,2 Milliarden Euro in Wachstum. Gut 120 neue Biedronka-MĂ€rkte in Polen sind geplant. Dazu kommen 250 Modernisierungen. In Kolumbien sollen rund 200 neue Ara-Filialen entstehen.
Das Unternehmen setzt auf PreiswettbewerbsfĂ€higkeit. 98 Prozent des konsolidierten Umsatzes stammen aus dem Lebensmittelhandel. Diese AbhĂ€ngigkeit ist Fluch und Segen zugleich: stabil, aber anfĂ€llig fĂŒr jede VerĂ€nderung der Verbraucherstimmung.
Der nÀchste Test
Die Halbjahresergebnisse erscheinen am 29. Juli. Sie werden zeigen, ob die Expansion die Margenverluste in Polen ausgleichen kann. Zudem steigen die Kostenrisiken durch höhere Kraftstoff- und DĂŒngemittelpreise â ein mögliches Problem fĂŒr die zweite JahreshĂ€lfte.
Portugal selbst wĂ€chst 2026 voraussichtlich um 1,7 Prozent. Die Inflationsrate dĂŒrfte auf 3,0 Prozent steigen. Die Anspannung bleibt also hoch. Der Kurs steht kurz vor einem neuen Tief. Die Frage ist: reichen die Investitionen, um die Kurve zu kratzen? Oder folgt der nĂ€chste RĂŒcksetzer?
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