KassenÀrzte-Chef, Nebelkerze

KassenÀrzte-Chef warnt vor 'Nebelkerze' bei Termingarantie

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 06:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Chef der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, warnt vor zu hohen Erwartungen an eine angepeilte "Termingarantie" fĂŒr Facharztbehandlungen.

Dies sei "eine Nebelkerze", sagte er dem Podcast "Lebensretter" der Björn-Steiger-Stiftung, der am Freitag veröffentlicht werden soll. "Weil jeder, der klar denken kann, weiß, das kann ja nicht funktionieren, dass jeder zu jeder Zeit bei jedem Facharzt, wo er hin möchte, einen Termin garantiert bekommt. Das geht ja schon mengenmĂ€ĂŸig nicht."

Union und SPD wollen ein verbindliches Steuerungssystem einfĂŒhren, bei dem man primĂ€r - also zuerst - in eine Hausarztpraxis geht. Sie ĂŒberweist dann bei Bedarf und mit einem Termin in einem bestimmten Zeitraum an FachĂ€rzte. Geht das nicht in einer Praxis, soll man auch zu FachĂ€rzten in eine Klinik gehen können. Das soll eine "Termingarantie" darstellen, wie es im Koalitionsvertrag heißt. Bei Kindern sollen KinderĂ€rzte erste Anlaufstellen sein. ErgĂ€nzt werden soll alles durch eine erste digitale EinschĂ€tzung noch vor dem Weg zur Praxis.

Schnellere Versorgung fĂŒr dringende FĂ€lle

Gassen regte an, sich darauf zu verstĂ€ndigen, "dass wir die wirklich dringenden Patienten schneller in die richtigen Versorgungsebenen bekommen, und zwar losgelöst von ihrem Versichertenstatus". Zugleich mĂŒsse man sehen, ob man dann vielleicht gewisse Termine auch mit einem lĂ€ngeren Vorlauf als völlig angemessen akzeptieren könne, wie das in anderen LĂ€ndern der Fall sei.

Mit Blick auf die geplante Notfallreform fĂŒr mehr Steuerung bei dringenden Anliegen sprach sich der KassenĂ€rzte-Chef auch erneut fĂŒr eine finanzielle Lenkung aus. Jemand, der bei lĂ€ngeren RĂŒckenschmerzen nĂ€chste oder ĂŒbernĂ€chste Woche einen Termin beim OrthopĂ€den bekomme, aber trotzdem in die Notaufnahme gehe, "der mĂŒsste dann diese Behandlung selbst bezahlen". Das könne die Solidargemeinschaft nicht leisten, und es blockiere Ressourcen.

"Komfortmerkmale" bei Privatpatienten?

Gassen wandte sich gegen prinzipielle Kritik am Nebeneinander von gesetzlich und privat Versicherten. Bei der QualitĂ€t gebe es keine Zweiklassenmedizin. WorĂŒber gestritten werde, seien zum Teil wirkliche Komfortmerkmale. "Das ist eine Ă€hnlich absurde Diskussion, als wenn Sie im Flugzeug diskutieren wollen, warum ein Economy-Platz billiger ist als ein Business-Class-Platz. Das ist der gleiche Flieger, der gleiche Pilot, nur Sie haben ein bisschen mehr Platz zum Sitzen, kriegen anderes Essen." Man mĂŒsse hier rhetorisch abrĂŒsten.

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