Trump, Netanjahu

Trump soll Netanjahu beschimpft haben - Risse im VerhÀltnis?

02.06.2026 - 14:29:53 | dpa.de

Kaum ein auslÀndischer Regierungschef hat einen so guten Draht zu US-PrÀsident Donald Trump wie Israels MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu.

Seit Jahren pflegt er ein besonders enges VerhĂ€ltnis zu Trump und wird nicht mĂŒde, ihn als Israels "grĂ¶ĂŸten Freund" zu bejubeln. Doch nun kracht es offenbar gewaltig im GebĂ€lk - jedenfalls nach Darstellung von US-Medien.

Berichte ĂŒber Wutausbruch Trumps am Telefon

Bei einem TelefongesprĂ€ch am Montag habe Trump komplett die Beherrschung verloren und den israelischen Regierungschef mit KraftausdrĂŒcken beschimpft, berichtete das US-Nachrichtenportal "Axios". Auch der US-Sender CNN berichtete von verbalen Attacken Trumps gegen Netanjahu. Aus Kreisen um Netanjahu hieß es dagegen, es habe keine persönlichen Angriffe gegeben, das GesprĂ€ch sei angespannt verlaufen, habe aber mit Einigungen geendet.

Der Auslöser fĂŒr Trumps Wutausbruch sollen laut den US-Medien Drohungen Israels gewesen sein, angesichts einer Eskalation im Konflikt Israels mit der Hisbollah-Miliz wieder Ziele in der libanesischen Hauptstadt Beirut anzugreifen. Der Iran hatte daraufhin mit einem Abbruch der Verhandlungen mit den USA ĂŒber ein mögliches Abkommen zur Beendigung des Krieges gedroht.

Harte Worte aus dem Weißen Haus

"Du bist total verrĂŒckt" (You're fucking crazy), habe Trump Netanjahu entgegengeschleudert, berichtete "Axios" unter Berufung auf zwei US-Beamte und eine dritte mit dem GesprĂ€ch vertraute Quelle. Der US-PrĂ€sident habe ihm auch Undankbarkeit vorgeworfen und gesagt, ohne ihn sĂ€ĂŸe Netanjahu lĂ€ngst im GefĂ€ngnis. "Ich rette deinen Arsch", sagte Trump demzufolge. Gegen Netanjahu lĂ€uft seit sechs Jahren ein Korruptionsprozess. Trump hat sich fĂŒr seine Begnadigung starkgemacht und dabei nach Medienberichten auch den israelischen PrĂ€sidenten Izchak Herzog persönlich beleidigt.

"Alle hassen dich jetzt" zitierte "Axios" weiter aus Trumps TelefongesprÀch mit Netanjahu. "Alle hassen Israel wegen dieser Sache."

Trump beschrieb das Telefonat spĂ€ter auf Truth Social als "produktiv". Israel und die Hisbollah wĂŒrden ihre gegenseitigen Angriffe zunĂ€chst stoppen. Netanjahu schrieb dagegen auf X, sollte die Hisbollah ihre Angriffe auf israelische StĂ€dte nicht einstellen, werde Israel wieder "Terrorziele" in Beirut angreifen. Parallel dazu werde Israels Armee ihren Einsatz im SĂŒdlibanon wie geplant fortsetzen.

Es hatte bereits in der Vergangenheit Berichte ĂŒber angespannte GesprĂ€che zwischen Trump und Netanjahu gegeben. Das jĂŒngste Telefonat sei aber "eines der schlimmsten" gewesen, schrieb "Axios".

Innenpolitischer Druck auf Netanjahu

Wenige Monate vor einer Neuwahl steht Netanjahu in seinem Land massiv unter Druck - auch wegen der Lage im Libanon. Einwohner der Ortschaften an Israels Nordgrenze, die unter stĂ€ndigem Hisbollah-Feuer stehen, werfen der Regierung Tatenlosigkeit vor. Zahlreiche israelische Soldaten werden bei EinsĂ€tzen im SĂŒdlibanon durch Sprengstoffdrohnen der Hisbollah getötet und die Armee steht der neuen Bedrohung hilflos gegenĂŒber.

Von der Opposition kommt der Vorwurf, Israel sei inzwischen zu einer Art Vasallenstaat der USA geworden, werde von Trump gebremst und könne seine Geschicke nicht mehr selbst bestimmen. Netanjahu sei "kein MinisterprÀsident, sondern eine Marionette", sagte der oppositionelle Abgeordnete Avigdor Lieberman nach Medienberichten. "Die Wahrheit muss gesagt werden: Die israelische Politik wird von Trumps Posts in sozialen Medien bestimmt", schrieb ein Kommentator der israelischen Zeitung "Maariv".

Sinkende UnterstĂŒtzung in den USA

Israels Ansehen in den USA hat sich gleichzeitig nach Angaben von Experten in den vergangenen Jahren spĂŒrbar verschlechtert - auch bei den Republikanern, die traditionell als israelfreundlicher galten. Dies sei auf den ersten Blick merkwĂŒrdig, "weil wir uns mitten in einem Krieg befinden, in dem die Zusammenarbeit zwischen uns und den Amerikanern so eng ist wie noch nie", sagte Avishay Ben Sasson-Gordis, Spezialist fĂŒr US-israelische Beziehungen der israelischen Denkfabrik INSS.

Nach jĂŒngsten Umfragen hĂ€tten jedoch 84 Prozent der Demokraten im Alter von unter 50 Jahren ein schlechtes Bild von Israel, bei den Republikanern seien es in dieser Altersgruppe 57 Prozent. Bei unter 30-jĂ€hrigen Republikanern seien es sogar 64 Prozent. Selbst bei Evangelikalen sei diese Entwicklung schon zu beobachten, so Sasson-Gordis.

Diese Ansichten wirkten sich auch auf die US-Politik aus. "WĂ€hrend Trump Israel sehr mag und seine UnterstĂŒtzung ausdrĂŒckt, sieht man bei republikanischen Influencern schon einen Wandel."

Laut einer INSS-Analyse von Ende Mai wurde diese Entwicklung zuletzt als echte Bedrohung fĂŒr die nationale Sicherheit des jĂŒdischen Staates eingestuft. Israel werde unter anderem mit Blick auf den Iran-Krieg "beschuldigt, die USA in einen kostspieligen und gefĂ€hrlichen Krieg hineinzuziehen, der nicht mit den amerikanischen nationalen Interessen im Einklang steht, und ĂŒbermĂ€ĂŸigen Einfluss auf die US-Regierung auszuĂŒben".

Gut zweieinhalb Jahre nach dem Hamas-Terrorangriff auf Israel und dem darauffolgenden Gaza-Krieg befinde sich Israel in einer zunehmenden internationalen Isolation, die seine außenpolitische Stellung, Sicherheit und LegitimitĂ€t sowie jĂŒdische Gemeinden weltweit gefĂ€hrde. In vielen westlichen LĂ€ndern werde Israel als aggressiv und teils völkerrechtswidrig handelnd wahrgenommen, begleitet von einer abnehmenden UnterstĂŒtzung auch in den USA.

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis   Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
de | boerse | 69470850 |