KfW-Programm EH55-Plus: Bauwirtschaft erhält Rückenwind für 760.000 Wohnungen
31.03.2026 - 01:30:48 | boerse-global.de
Die Bundesregierung setzt auf eine pragmatische Wende, um die Wohnungskrise zu entschärfen. Mit dem wiederbelebten Förderprogramm EH55-Plus und Zinssätzen von nur noch 1,0 Prozent will sie den gewaltigen Bauüberhang von rund 760.000 bereits genehmigten, aber nicht realisierten Wohnungen aktivieren. Ein 800-Millionen-Euro-Fonds soll Projekte aus der Planungsstarre reißen.
Seit Jahresbeginn 2026 verzeichnet die staatliche Förderbank KfW einen deutlichen Anstieg der Anträge. Das Programm war Mitte Dezember 2025 zurückgekehrt, nachdem der EH55-Standard 2022 zugunsten der strengeren EH40-Vorgaben ausgelaufen war. Die Politik reagiert damit auf Warnungen der Bauwirtschaft: Der Sprung zum höheren Effizienzniveau war zu schnell gekommen und hatte viele Projekte wirtschaftlich unmöglich gemacht. Die am 2. März 2026 in Kraft getretene Zinssenkung auf effektiv 1,0 Prozent für zehn Jahre soll nun die entscheidende Brücke bauen.
Wer als Immobilienbesitzer oder Bauherr die Rentabilität seiner Projekte steigern möchte, sollte auch die steuerlichen Hebel nicht unterschätzen. Der kostenlose Leitfaden zeigt, wie Sie durch degressive AfA und Sonderabschreibungen Ihre Liquidität spürbar optimieren. Alle Steuer-Spar-Möglichkeiten im Gratis-Leitfaden entdecken
Strategie gegen den Bauüberhang: Pragmatismus statt Perfektion
Das Kernziel ist klar: Die Lücke zwischen erteilten Baugenehmigungen und tatsächlichen Fertigstellungen muss geschlossen werden. Der sogenannte Bauüberhang hat den Wohnungsmangel jahrelang verschärft. Die Rückkehr zu EH55 ist laut Bundesbauministerium (BMWSB) kein Rückzieher in der Klimapolitik, sondern ein notwendiger Schritt, um überhaupt Baustellen zu schaffen.
Die Förderung ist strikt an eine Bedingung geknüpft: Sie gilt nur für Projekte mit bereits vorliegender, aber noch nicht umgesetzter Baugenehmigung. Diese „Aktivierungsstrategie“ zielt direkt auf den stockenden Markt. Der technisch etablierte und kostengünstigere EH55-Standard gibt vor allem mittelständischen Bauträgern Spielraum, in einem Umfeld mit nach wie vor hohen Materialkosten.
Die Strategie scheint aufzugehen. Ersten Daten des BMWSB zufolge wurden seit Jahresbeginn bereits etwa 17.000 neue Wohneinheiten für die Förderung unter dem EH55-Plus-Standard freigegeben. Das signalisiert eine spürbare Beschleunigung gegenüber dem Vorjahr.
Förderdetails 2026: Attraktive Konditionen für Bauherren
Das „Plus“ im Programmnamen steht für moderne Nachhaltigkeitsanforderungen. Geförderte Gebäude müssen nicht nur den EH55-Energieeffizienzlevel erreichen – sie verbrauchen also nur 55 Prozent der Energie eines Referenzgebäudes. Zudem muss die Wärmeversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen. Fossile Brennstoffe wie Gas oder Öl sind damit ausgeschlossen.
Das Finanzierungspaket ist attraktiv gestaltet:
* Förderhöhe: Bis zu 100.000 Euro pro Wohneinheit.
* Zinssatz: Effektiver Jahreszins von 1,0 Prozent (Stand: 2. März 2026) für eine 10-jährige Zinsbindung.
* Laufzeit: Finanzierungen bis zu 35 Jahren möglich.
* Tilgung: Option auf ein- bis zweijährige tilgungsfreie Anlaufzeit.
Parallel bleibt das Programm „Klimafreundlicher Neubau“ (KFN) für die ambitioniertere EH40-Stufe mit einem Zinssatz von 0,6 Prozent erhalten. Das Programm „Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment“ (KNN) fördert weiterhin kostengünstigen, platzsparenden Wohnungsbau.
Branchenreaktion: Erleichterung bei Bauwirtschaft und Mittelstand
Die Wiederbelebung der EH55-Förderung stößt in der Branche auf breite Zustimmung. Der 800-Millionen-Euro-Topf wird als realistischer Hebel gesehen, um den Markt in Bewegung zu bringen. Experten betonen: Während EH40 das langfristige Klimaziel bleibt, ist der Fokus auf EH55 essenziell, um einen kompletten Einbruch im mittleren Marktsegment zu verhindern.
Für kleine Bauträger und Handwerksbetriebe bedeutet dies mehr Planungssicherheit. Die niedrigen Zinsen helfen, die Liquidität der Projekte zu sichern. Erste Indikatoren zeigen bereits einen Anstieg der Baubeginne in städtischen Randlagen, wo viele EH55-Projekte liegen.
Viele Unternehmer und private Immobilienbesitzer verschenken bei ihren Investitionen jedes Jahr bares Geld, weil sie Abschreibungspotenziale nicht voll ausschöpfen. Dieser 19-seitige Experten-Report deckt versteckte Möglichkeiten auf, um die Steuerlast legal zu halbieren. Kostenlosen A-Z-Leitfaden für Abschreibungen jetzt herunterladen
Doch es gibt auch Warnungen: Das Budget ist begrenzt und wird nach dem Windhundprinzip vergeben. Branchenverbände fürchten, dass die Mittel noch vor Ende des Haushaltsjahres 2026 erschöpft sein könnten. Sie fordern eine dauerhafte Integration solcher Standards in das geplante „Zwei-Säulen-System“ der Förderung.
Ausblick: Vereinfachung der Förderlandschaft ab 2027
Die Bundesregierung plant eine Vereinfachung. Das BMWSB arbeitet daran, die verschiedenen KfW-Programme in ein transparenteres Zwei-Säulen-Modell zu überführen. Dies soll klar zwischen einer „Breitenförderung“ für bezahlbaren, energieeffizienten Wohnbau und einer „Premiumförderung“ für Hochleistungsgebäude unterscheiden.
Das aktuelle EH55-Plus-Programm läuft vorerst bis Ende Juni 2026 oder bis zur Mittelerschöpfung. Für Bauherren mit fertigen Plänen in der Schublade bietet sich jetzt ein schmales Zeitfenster. Der Erfolg der Maßnahme wird sich daran messen lassen, ob wieder mehr Krane in deutschen Städten stehen. Die Kombination aus 1,0 Prozent Zinsen und einem pragmatischen Effizienzstandard könnte der ersehnte Impuls für den eingefrorenen Wohnungsmarkt sein.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
Für. Immer. Kostenlos.

