KI-Gesetz: EU schafft Transparenz-Regeln für künstliche Intelligenz
26.01.2026 - 23:45:12Die EU hat einen entscheidenden Schritt zur Umsetzung ihres bahnbrechenden KI-Gesetzes gemacht. Nach Abschluss der ersten Konsultationsphase für einen Verhaltenskodex zur Transparenz von KI-Inhalten beginnt nun die Feinarbeit. Das Ziel: Bis Sommer 2026 sollen klare Regeln gelten, die Nutzern helfen, echte von künstlich erzeugten Inhalten zu unterscheiden.
Die Feedback-Frist für den ersten Entwurf des Transparenz-Kodex endete am 23. Januar. Hunderte Akteure aus Industrie, Wissenschaft und Zivilgesellschaft haben sich eingebracht. Der Kodex konkretisiert die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des KI-Gesetzes und soll noch vor dem Inkrafttreten der verbindlichen Regeln im August 2026 als freiwillige Leitlinie etabliert werden. Entwickelt wird er vom Europäischen KI-Büro, das damit auf die wachsende Bedrohung durch täuschend echte Deepfakes und andere KI-generierte Medien reagieren will.
Mehrschichtiger Ansatz gegen Manipulation
Der Entwurf setzt auf eine mehrschichtige Strategie zur Kennzeichnung von KI-Inhalten. Statt einfacher Hinweise sollen maschinenlesbare Metadaten und unsichtbare Wasserzeichen die künstliche Herkunft technisch nachweisbar machen. Dieser „Transparenz-by-Design“-Ansatz soll bereits auf Modellebene integriert werden.
Seit August 2024 gelten bereits umfassende EU-Regeln für KI-Systeme – und die Transparenzanforderungen werden jetzt weiter konkretisiert. Wer als Anbieter oder Anwender unvorbereitet bleibt, riskiert später Compliance-Lücken und zusätzlichen Aufwand. Der kostenlose Umsetzungsleitfaden zur KI-Verordnung erklärt praxisnah, welche Kennzeichnungspflichten, Risikoklassen und Dokumentationspflichten jetzt relevant sind – ideal für Entwickler, Produktmanager und Compliance-Teams. Jetzt kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen
KI-Anbieter sollen zudem Werkzeuge bereitstellen, mit denen Nutzer und Dritte prüfen können, ob Inhalte von ihren Systemen stammen. Besonderes Augenmerk liegt auf vier Szenarien: KI-Systeme, die mit Menschen interagieren (wie Chatbots), die technische Markierung synthetischer Inhalte, Systeme zur Emotionserkennung und die klare Kennzeichnung von Deepfakes und KI-Texten zu Themen von öffentlichem Interesse. Für öffentlich zugängliche Inhalte empfiehlt der Entwurf einfache, sichtbare Hinweise für Endnutzer.
Klare Rollenverteilung in der KI-Wertschöpfungskette
Ein zentraler Punkt des Entwurfs ist die klare Trennung der Verantwortlichkeiten. Unterschieden wird zwischen Anbietern („Providers“) von KI-Systemen und Anwendern („Deployers“), die diese Systeme nutzen.
Anbieter von KI-Grundmodellen (GPAI) sind für die technische Umsetzung der Kennzeichnung verantwortlich. Sie müssen Funktionen wie Wasserzeichen integrieren, bevor ihre Modelle auf den Markt kommen. Systemanbieter, die bestehende Modelle in Anwendungen einbinden, haben ebenfalls Pflichten, deren genauer Umfang noch geklärt wird.
Anwender tragen hingegen die Hauptverantwortung für die öffentliche Offenlegung. Sie müssen Deepfake-Inhalte klar kennzeichnen und transparent machen, wenn KI-generierte Texte zu öffentlichen Themen ohne menschliche redaktionelle Kontrolle veröffentlicht werden. Diese Aufgabentrennung soll die Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette sicherstellen.
Ambitionierter Zeitplan bis zur finalen Fassung
Nach der ersten Konsultation geht es nun in die heiße Phase. Das KI-Büro will bis März 2026 einen zweiten Entwurf vorlegen. Die finale Version des Kodex soll zwischen Mai und Juni 2026 veröffentlicht werden – rechtzeitig vor dem verbindlichen Start der Transparenzregeln im August.
Die Einhaltung des Kodex bleibt freiwillig. Er wird jedoch ein zentrales Werkzeug für Unternehmen sein, um ihre Konformität mit dem KI-Gesetz nachzuweisen. Analysten erwarten, dass sich globale KI-Giganten als Erste an den Kodex halten werden. Die darin beschriebenen technischen Standards könnten sich so zu De-facto-Marktanforderungen entwickeln.
Globale Signalwirkung und Wettbewerbsvorteil
Mit diesem Kodex will die EU einen globalen Standard für vertrauenswürdige KI setzen. Das Ziel ist nicht nur, das Vertrauen der Öffentlichkeit zu stärken, sondern auch einen Wettbewerbsvorteil für europäische Unternehmen zu schaffen. Der Kodex ergänzt andere Teile des KI-Gesetzes, die Hochrisiko-Systeme und GPAI-Modelle mit systemischem Risiko regulieren, zu einem umfassenden Rahmenwerk.
Für kleinere Anbieter und Entwickler entsteht ein starker Anreiz, sich an die Vorgaben zu halten, um Interoperabilität und Marktakzeptanz zu sichern. Die kommenden Monate werden intensive Verhandlungen über die technische Machbarkeit der Kennzeichnungssysteme, ihre Manipulationssicherheit und die genaue Definition von „Themen von öffentlichem Interesse“ bringen.
Für alle Unternehmen, die KI-Dienste in der EU anbieten oder nutzen, ist die Entwicklung dieses Kodex von entscheidender Bedeutung. Die finale Fassung wird die bislang klarste Anleitung liefern, wie die Transparenzanforderungen des KI-Gesetzes erfüllt werden können – und prägen, wie Millionen Europäer in Zukunft mit künstlicher Intelligenz interagieren.
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