kein Verlust der Stadt Kostjantyniwka
04.07.2026 - 18:49:52 | dpa.de(neu: Reaktion Moskaus)
KIEW (dpa-AFX) - Das ukrainische MilitĂ€r hat der Behauptung Moskaus widersprochen, die Stadt Kostjantyniwka im Industriegebiet Donbass erobert zu haben. Im Morgenbericht des Generalstabs war die Rede davon, dass es in der Kleinstadt mit frĂŒher 67.000 Einwohnern weiterhin Gefechte gebe. Auch in Dörfern noch dichter an russischen Positionen wie Iwanopyllja werde noch gekĂ€mpft.
Kremlchef Wladimir Putin hatte am Vorabend beim Besuch einer Kommandozentrale gesagt, die russische Armee habe Kostjantyniwka vollstĂ€ndig unter Kontrolle gebracht. Ukrainische MilitĂ€rblogs wie DeepState verzeichnen weiterhin nur Teile der Stadt als russisch besetzt. Auch russische MilitĂ€rblogger reklamieren bislang nicht die gesamte Stadt fĂŒr ihre Armee.
Selenskyj: Die x-te russische LĂŒge
"Das ist nur die x-te russische LĂŒge, um wenigstens irgendeine Nachricht in Umlauf zu bringen", sagte der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj wĂ€hrend eines Telefonats mit Bundeskanzler Friedrich Merz. Er rief Putin auf, sich mit ihm in Kostjantyniwka zu treffen. "Wenn Kostjantyniwka derzeit unter russischer Kontrolle stĂŒnde, hĂ€tte Putin wohl kein Problem damit, sich dort mit mir zu treffen und diplomatische Lösungen zu finden, um den Krieg endlich zu beenden." Dennoch werde Putin die Front nicht ĂŒberschreiten. "Die Wahrheit unterscheidet sich sehr von Putins Worten", sagte Selenskyj.
Der Kreml lehnte das GesprĂ€chsangebot in Kostjantyniwka umgehend ab. Selenskyj könne nach Moskau kommen, wenn er bereit sei, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow nach Angaben der Staatsagentur Tass. Er erinnerte daran, dass Putin sich bereit erklĂ€rt habe, Selenskyj in Moskau zu empfangen. "SchlieĂlich ist Moskau die Hauptstadt der Russischen Föderation und nicht Konstjantyniwka." Selenskyj lehnt einen Besuch in Moskau kategorisch ab.
Institut: Putin braucht positive Nachrichten
Die Moskauer KrĂ€fte hĂ€tten in den vergangenen Wochen GelĂ€ndegewinne in Kostjantyniwka erzielt, schrieb das US-amerikanische Institut fĂŒr Kriegsstudien (ISW). Doch vor allem bestehe die russische PrĂ€senz in der Stadt aus kleinen StoĂtrupps zwischen ukrainischen Stellungen. Das ISW wertete Putins Siegesmeldung als Versuch, mediale Aufmerksamkeit vor dem Wochenende mit den Feiern zu 250 Jahre UnabhĂ€ngigkeit der USA zu gewinnen.
Der russische Staatschef zeigte sich erstmals seit lĂ€ngerem wieder in Uniform bei den MilitĂ€rs. Das VerkĂŒnden von Erfolgen der Armee ist wichtig fĂŒr Putin. Die Treibstoffkrise in Russland, verursacht durch ukrainische Gegenangriffe mit Drohnen, hat in der Bevölkerung groĂen Unmut hervorgerufen.
Eins der Kriegsziele Putins ist, den Donbass komplett unter russische Herrschaft zu bringen. Nach einem Fall von Kostjantyniwka wĂ€ren von den gröĂeren StĂ€dten im Gebiet Donezk nur noch Slowjansk, Kramatorsk und Druschkiwka unter ukrainischer Kontrolle.
