Kioxia Aktie: 14,20-Prozent-Absturz auf 290,00 Euro
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 03:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kioxia-Aktien fielen am Freitag um 14,20 Prozent auf 290,00 Euro. Ein branchenweiter Ausverkauf bei Speicherchip-Herstellern erfasste asiatische und US-Märkte gleichermaßen. Binnen 30 Tagen hat der japanische NAND-Flash-Hersteller nun 40,34 Prozent seines Wertes verloren.
Geopolitik und Regulierung lösen Ausverkauf aus
Der Kurssturz vom 24. Juli traf nicht nur Kioxia. Der Nikkei 225 gab rund 2,73 Prozent nach, Kioxia selbst brach um etwa 9 Prozent ein. Noch heftiger traf es Südkorea: Der Kospi-Index verlor 5,72 Prozent, angetrieben von einem Einbruch bei SK Hynix um 11 Prozent und einem Minus von fast 8 Prozent bei Samsung Electronics.
Marktstrategen machen mehrere Faktoren gleichzeitig verantwortlich, nicht ein einzelnes Unternehmensproblem. Geopolitische Spannungen im Nahen Osten schürten die Risikoaversion der Anleger. Zusätzlich bauten südkoreanische Fonds vor dem Wochenende gezielt Tech-Positionen ab, was den Abwärtsdruck verstärkte.
Südkoreas Finanzaufsicht FSC verschärft zudem ab dem 31. Juli die Einschusspflichten für gehebelte ETFs. Das setzte zusätzlichen Druck auf. Analysten von Mirae Asset Securities sehen die eigentliche Ursache aber woanders: Sie verweisen auf Sorgen um sinkende NAND-Durchschnittspreise in der zweiten Jahreshälfte 2027 – nicht auf schwache Gewinne oder ein gestörtes Angebot-Nachfrage-Verhältnis. Das Marktforschungsunternehmen TrendForce rechnet damit, dass die Vertragspreise für TLC- und QLC-Wafer ab dem dritten Quartal 2027 fallen. Minus 9,4 Prozent im dritten Quartal, minus 15,4 Prozent im vierten – so die Prognose.
Ein Monat extremer Schwankungen
Der Freitags-Einbruch setzt einen brutalen Trend fort. Kioxia war kurzzeitig Japans wertvollstes börsennotiertes Unternehmen. Am 22. Juni erreichte die Aktie mit 621,00 Euro ihr 52-Wochen-Hoch. Seitdem hat sich der Wind komplett gedreht: Der aktuelle Kurs liegt 53,30 Prozent unter diesem Höchststand.
Mehrere Schocks trafen den Titel in den vergangenen Wochen hintereinander. Ein US-Gerichtsurteil wegen Patentverletzung war einer davon. Hinzu kam eine breitere Sorge um überzogene KI-Bewertungen, die Chip-Aktien weltweit erfasste. Bloomberg wies vor den anstehenden Quartalszahlen asiatischer Speicherchip-Konkurrenten darauf hin, dass die Halbierung von Kioxias Marktwert binnen weniger Wochen wachsende Zweifel am KI-getriebenen Rally-Narrativ widerspiegle.
Analysten uneins über den weiteren Weg
Trotz des Kurssturzes bleiben manche Analysten optimistisch. Nomura Securities und Huaxing Research hoben ihre Kursziele für Kioxia in den vergangenen zwei Wochen sogar an, während die Aktie einbrach. Ein Analyst begründete das offen: Die Fundamentaldaten hätten sich überhaupt nicht verändert, die KI-getriebene Nachfrage bleibe intakt.
Andere Marktteilnehmer sind bei der Frage nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt vorsichtiger. Ein Portfoliomanager erwartet, dass Kioxia mindestens bis Ende August schwach bleibt. Anleger dürften nach dem Absturz nicht so schnell wieder in einen einzelnen Titel investieren, so seine Einschätzung.
Die Nervosität der Branche zeigte sich auch in den USA. Ein nächtlicher Kospi-Ausverkauf, angeführt von Samsung und SK Hynix, zog US-Speicherchip-Werte wie Micron, SanDisk und Western Digital im Sog nach unten.
Charttechnik zeigt überverkaufte Tendenz
Der 14-Tage-RSI liegt bei 39,3 – die Aktie nähert sich damit überverkauftem Terrain, ohne die extremen Werte einer klassischen Bodenbildung erreicht zu haben. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 165,27 Prozent spiegelt die heftigen Kursausschläge wider, die den Titel seit seinem Rekordlauf im Frühjahr begleiten.
Trotz des jüngsten Einbruchs notiert die Aktie noch immer 360,32 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief vom 6. Januar bei 63,00 Euro. Ob sich der aktuelle Ausverkauf als gesunde Korrektur nach einer beispiellosen Rally erweist oder der Beginn einer tieferen Neubewertung KI-naher Speicherchip-Werte ist, dürfte sich an den kommenden Quartalszahlen von Kioxia und seinen koreanischen Konkurrenten entscheiden – ebenso an der weiteren Entwicklung der Regulierung gehebelten Handels in Südkorea.
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