KlartrÀume aktivieren und stÀrken das Selbstreflexions-Netzwerk im Gehirn
08.02.2026 - 18:54:12Eine neue Studie identifiziert luzides Träumen als einen eigenständigen Bewusstseinszustand. Das Gehirn zeigt dabei eine einzigartige neuronale Signatur, die es klar von normalem Schlaf unterscheidet. Besonders Areale für Selbstwahrnehmung und kognitive Kontrolle sind aktiv.
Einzigartige neuronale Signatur entdeckt
Forscher um Çağatay Demirel vom Donders Center for Cognitive Neuroimaging analysierten den bisher größten neurophysiologischen Datensatz von Klarträumern. Ihre in JNeurosci veröffentlichte Studie zeigt: Luzides Träumen ist keine Mischung aus REM-Schlaf und Wachsein.
Stattdessen weist es ein eigenes, charakteristisches Aktivitätsmuster auf. Besonders auffällig ist die erhöhte Aktivität in Hirnregionen, die für Selbstwahrnehmung, Gedächtnis und kognitive Kontrolle zuständig sind. Diese Areale sind im normalen REM-Schlaf meist weniger aktiv.
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Strukturelle Unterschiede im Gehirn
Bereits frühere Forschungen der Max-Planck-Institute deuten auf physische Besonderheiten hin. Bei regelmäßigen Klarträumern ist der anteriore präfrontale Kortex größer. Diese Region im Stirnhirn ist zentral für Metakognition – also das Nachdenken über die eigenen Gedanken.
Die Wissenschaftler sehen hier einen direkten Link. Die Fähigkeit zum Klarträumen könnte mit einer generell stärkeren Neigung zur Selbstreflexion im Alltag zusammenhängen.
Das Selbstwahrnehmungs-Netzwerk springt an
Was passiert genau im Moment der Erkenntnis „Ich träume“? MRT-Untersuchungen am Max-Planck-Institut für Psychiatrie machten es sichtbar. Beim Übergang in den Klartraum aktiviert sich ein spezifisches Netzwerk:
- Rechter dorsolateraler präfrontaler Kortex
- Frontopolare Regionen
- Der Precuneus
Alle diese Areale werden mit selbstreflektorischen Funktionen in Verbindung gebracht. Der Precuneus ist etwa an der Verarbeitung selbstbezogener Informationen beteiligt. Diese Aktivierung belegt: Selbstreflexion im Schlaf hat eine messbare neuronale Basis.
Ein Fenster ins Bewusstsein
Die Forschung stellt ein altes Dogma infrage: dass Bewusstsein im Schlaf erlischt. Stattdessen kann es offenbar direkt aus dem Schlaf heraus entstehen. Das bietet eine einzigartige Chance, die Grundlagen des Bewusstseins zu studieren – frei von äußeren Reizen.
Das Phänomen ist weit verbreitet. Eine Meta-Analyse von 2016 mit Daten von über 24.000 Menschen ergab:
* Rund 55 % erleben mindestens einmal im Leben einen Klartraum.
* Etwa 23 % haben sie regelmäßig, mindestens monatlich.
Therapeutisches Potenzial und Ausblick
Die Stärkung der Selbstreflexions-Areale eröffnet therapeutische Perspektiven. Besonders bei der Behandlung von Albträumen, etwa im Rahmen von PTBS, zeigt Luzidtraumtraining (LTT) Erfolge. Patienten lernen, im Traum Kontrolle zu übernehmen und Ängste zu bewältigen.
Auch im Sport wird mentales Training im Klartraum erforscht. Zukünftige Studien sollen Techniken zur Auslösung von Klarträumen verfeinern, wie die transkranielle Wechselstromstimulation. Forscher betonen jedoch den Bedarf an standardisierten Methoden, um das volle Potenzial auszuschöpfen.
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