Klassische Sandalen bei Kunden nicht mehr so gefragt
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 05:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVor allem klassische Sandalen verlieren ĂŒberdurchschnittlich stark an Nachfrage. Das geht aus dem neuen "Branchenbericht Schuhe" des Handelsforschungsinstituts IFH Köln und der BBE Handelsberatung hervor.
Auch im Sommer seien Sneaker bequemer als Sandalen, sagt IFH-Marktexperte HansjĂŒrgen Heinick. "FrĂŒher wechselte man den schicken BĂŒroschuh einfach gegen die Sandale. Jetzt wird der Sneaker oft durchgetragen." Die Notwendigkeit des Wechsels sei nicht so groĂ - und offenbar auch nicht die Lust. Wer Sneaker habe, brauche weniger oder keine Sandalen.
Verbraucher gaben im vergangenen Jahr demnach nur 548 Millionen Euro fĂŒr klassische Sandalen aus, 2019 waren es noch 621 Millionen Euro. Damit sank der Umsatz um knapp 12 Prozent - und damit deutlich stĂ€rker als im Schuhmarkt insgesamt (minus 5,5 Prozent).
Betroffen sind laut Heinick Sandalen fĂŒr Damen, Herren und Kinder. In den Zahlen enthalten sind sowohl Ledersandalen als auch solche mit rekonstruiertem Leder - unabhĂ€ngig davon, ob die Sohle aus Kunststoff, Kautschuk oder Leder besteht. Kunststoffsandalen wie Flip-Flops werden separat erfasst.
UmsÀtze sinken weiter
Der Schuhmarkt wird laut IFH von mehreren Trends beeinflusst. Es gibt weniger Schuhe pro Haushalt, Verbraucher setzen zudem stĂ€rker auf bequemere Modelle und einen lĂ€ssig-eleganteren Stil ("smart casual"). Um Geld zu sparen, sollen die Outfits möglichst vielseitig einsetzbar und saisonunabhĂ€ngig sein. Das trifft auch Sandalen, die ĂŒberwiegend im Sommer getragen werden.
Von dem Trend profitieren vor allem Sneaker - ein Sammelbegriff fĂŒr sportliche Freizeitschuhe und Turnschuhe, die auch auĂerhalb des Sports getragen werden. Die Nachfrage nach Sneakern steigt seit Jahren. Der Schuhmarkt insgesamt verzeichnete laut IFH im vergangenen Jahr hingegen erneut ein Minus. Die Menschen in Deutschland gaben rund 9,3 Milliarden Euro fĂŒr Schuhe aus - zwei Prozent weniger als 2024, als die UmsĂ€tze ebenfalls rĂŒcklĂ€ufig waren.
Dass die Preise fĂŒr Schuhe deutlich weniger gestiegen sind als die anderer Waren, hilft der Branche bislang kaum. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren Schuhe im Juli im Schnitt kaum teurer als ein Jahr zuvor, teilweise sogar geringfĂŒgig gĂŒnstiger. Auch seit 2020 fĂ€llt der Anstieg moderat aus: Kinderschuhe kosteten zuletzt 7 Prozent mehr, Sportschuhe 6 Prozent, klassische Herren- oder Freizeitschuhe gut 9 Prozent. Zum Vergleich: Die Preise fĂŒr Nahrungsmittel sind im selben Zeitraum durchschnittlich um 37 Prozent gestiegen.
Wie wird 2026?
Heinick rechnet auch 2026 nicht mit einer Erholung fĂŒr die Branche. Unter Druck stehe insbesondere der Bereich Kinderschuhe. Die Geburtenrate sinke weiter, Eltern kauften dazu weniger Paare als frĂŒher. Zwischen dem ersten und vierten Lebensjahr werden die meisten Schuhe gekauft.
Sönke Padberg beobachtet, dass sich die Vorlieben der Konsumenten auch an anderer Stelle Ă€ndern. WeiĂe Sneaker seien inzwischen weniger gefragt, braun- oder erdfarbene Modelle dagegen hĂ€ufiger, sagt der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundesverbands des Deutschen Textil-, Schuh- und Lederwareneinzelhandels (BTE). Zugleich steige die Nachfrage nach Pantoletten, die optisch an Sandalen erinnern, statt mehreren Riemen aber nur eine breite Bandage haben, meist aus Leder. Padberg sieht allgemein "eine Renaissance zurĂŒck zu klassischen und formellen, weniger lĂ€ssigen und sportlichen Schuhformen".
Immer weniger SchuhhÀndler
Die Zahl der SchuhhĂ€ndler in Deutschland ist seit dem Jahr 2000 laut IFH von 7.247 auf etwa 2.420 gesunken. Ein SchuhhĂ€ndler kann ein einzelner selbststĂ€ndiger HĂ€ndler sein oder ein gröĂeres Unternehmen, das eine Vielzahl an Filialen betreibt. In Deutschland gibt es etwa 8.200 SchuhgeschĂ€fte, wie der Branchenverband BTE schĂ€tzt.
Der stationÀre Schuhhandel hat an Bedeutung verloren. Knapp 38 Prozent des Umsatzes mit Schuhen hierzulande wurde laut IFH 2025 online gemacht, vor der Pandemie lag der Anteil bei gut 24 Prozent.
