Koenig, Bauer

Koenig & Bauer schließt Traditionsstandort Frankenthal

29.01.2026 - 21:01:12

Der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer beendet seine Produktion in Frankenthal. Rund 75 Mitarbeiter sind von der Werksschließung betroffen, die auf mangelnde Wirtschaftlichkeit zurückgeführt wird.

Der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer beendet seine Ära in Frankenthal. Rund 75 Mitarbeiter sind von der Werksschließung bis Ende Mai 2026 betroffen.

Die Entscheidung ist ein strategischer Schritt im Rahmen des Fokusprogramms „Spotlight“. Das Unternehmen begründet sie mit der mangelnden Wirtschaftlichkeit des Standorts. Dieser fertigt vor allem Walzen und Walzenkerne – Produkte, die sich zu einfachen Commodity-Gütern entwickelt hätten. Ein eigener Produktionsstandort lohne sich nicht mehr.

Zusätzlich belasten hohe Strukturkosten, ein veralteter Maschinenpark und ein auslaufender Mietvertrag die Bilanz. Die technologische Kernkompetenz, die Rilsanierung von Walzen, wird an den Konzernsitz nach Würzburg verlagert. Andere Komponenten soll künftig der Zukauf decken.

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IG Metall attackiert Management-Strategie

Die Ankündigung stieß auf heftigen Widerstand. Die IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal wirft dem Management vor, unter dem Deckmantel der „Fokussierung“ wertvolles Know-how und qualifizierte Fachkräfte aufzugeben. Die angebliche Unwirtschaftlichkeit sei vielmehr das Ergebnis jahrelang unterlassener Investitionen.

„Frankenthal ist kein Auslaufmodell“, so die Gewerkschaft. Der Standort stehe für industrielle Kompetenz, die maßgeblich zum Konzernerfolg beigetragen habe. Ein Sozialplan könne die Schließung nicht rechtfertigen, sondern nur die Folgen mildern. Nun beginnen schwierige Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan.

Politiker beklagen „schweren Schlag“ für die Region

Auch die Lokalpolitik reagierte bestürzt. Frankenthals Oberbürgermeister Dr. Nicolas Meyer sprach von einem „tiefen Einschnitt“. Die Verbindung zwischen Stadt und Unternehmen reiche bis ins 19. Jahrhundert zurück und habe Generationen geprägt.

Der Landtagsabgeordnete Christian Baldauf nannte die Entscheidung einen „schweren Schlag für den Industriestandort Pfalz“. Er sucht bereits das Gespräch mit der Konzernführung, um Alternativen und Perspektiven für die Beschäftigten auszuloten. Die Schließung stehe am Ende eines langen, schrittweisen Rückzugs des Unternehmens.

Sozialplan-Verhandlungen unter Zeitdruck

Für die Belegschaft beginnt eine Phase der Ungewissheit. Im Fokus stehen nun die Verhandlungen zwischen Management, Betriebsrat und IG Metall. Die Arbeitnehmervertreter werden auf umfangreiche Regelungen drängen: von Abfindungen über Regelungen für ältere Kollegen bis hin zur Einrichtung einer Transfergesellschaft.

Das Unternehmen hat zugesichert, auch für die Auszubildenden am Standort eine Lösung zu finden. Der finale Termin am 31. Mai 2026 setzt den Verhandlungen jedoch enge Grenzen. Die Zeit drängt, um die sozialen Folgen des Traditionsbruchs abzufedern.

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