Kraken: Sieg vor Gericht, Blick auf Europa
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 17:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Kraken hat diese Woche gleich zwei Nachrichten im GepĂ€ck, die weit ĂŒber das TagesgeschĂ€ft hinausreichen. Die Kryptobörse gewinnt einen Rechtsstreit gegen ihren frĂŒheren WirtschaftsprĂŒfer und treibt parallel PlĂ€ne fĂŒr eine europĂ€ische Banklizenz voran. Beide Entwicklungen zeigen, wie sehr sich das regulatorische Umfeld fĂŒr die Branche in den vergangenen Jahren verschoben hat.
Rechtsstreit mit Mazars entschieden
Die Kraken-Muttergesellschaft Payward hat ein Schiedsverfahren gegen den frĂŒheren WirtschaftsprĂŒfer Mazars USA gewonnen. Das Unternehmen erhĂ€lt 22 Millionen Dollar EntschĂ€digung, weil Mazars eine fast abgeschlossene PrĂŒfung im Dezember 2022 kurz vor dem Ende abgebrochen hatte. Payward beantragt nun beim Delaware Court of Chancery, das Schiedsurteil rechtskrĂ€ftig zu bestĂ€tigen.
Mazars hatte Kraken zuvor drei Jahre lang geprĂŒft und zweimal ein sauberes Testat ausgestellt. Co-CEO Arjun Sethi erklĂ€rte in einem offenen Brief, der PrĂŒfer habe schriftlich bestĂ€tigt, es habe keine Meinungsverschiedenheiten mit dem Management gegeben und keine Hinweise auf Betrug. Als Grund fĂŒr den RĂŒckzug habe Mazars auf rechtliche Unsicherheiten verwiesen, darunter eine kurz zuvor eingereichte Klage der US-Börsenaufsicht SEC gegen Kraken.
Sethi ordnet den Vorgang in die sogenannte Operation Choke Point 2.0 ein, jene informelle Kampagne unter der Biden-Regierung, mit der Banken von GeschĂ€ften mit Kryptofirmen abgehalten worden sein sollen. Die SEC-Klage gegen Kraken wurde im MĂ€rz 2025 ohne ZugestĂ€ndnisse eingestellt, nachdem der frĂŒhere SEC-Chef Gary Gensler das Amt verlassen hatte. Sethi nutzte den Brief zugleich, um fĂŒr den sogenannten Clarity Act zu werben, der die ZustĂ€ndigkeiten fĂŒr Kryptowerte zwischen SEC und CFTC klĂ€ren soll. Das Gesetz passierte im Mai den Bankenausschuss des Senats, stockt aber vor der vollstĂ€ndigen Abstimmung.
Blick nach Litauen
Parallel zum juristischen Erfolg arbeitet Kraken an einer vollstĂ€ndigen Banklizenz in Europa. Als bevorzugter Standort gilt Litauen, das sich zu einem der wichtigeren Fintech-Standorte Europas entwickelt hat. Sollte die Genehmigung erteilt werden, wĂ€re Kraken die erste groĂe Kryptobörse mit vollstĂ€ndiger europĂ€ischer Bankzulassung â ein Schritt, den Konkurrent Revolut mit seiner litauischen Lizenz bereits seit 2018 gegangen ist.
Beide Entwicklungen zusammen zeichnen das Bild eines Unternehmens, das sich von den regulatorischen Belastungen der vergangenen Jahre lösen und stattdessen offensiv in etablierte Finanzstrukturen vordringen will. Ob die litauische Aufsicht die Banklizenz tatsĂ€chlich erteilt, bleibt vorerst offen â ein Zeitplan wurde bislang nicht genannt.
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