Krankenstand, Milliarden

Krankenstand kostet Wirtschaft 160 Milliarden Euro

08.03.2026 - 09:10:09 | boerse-global.de

Die krankheitsbedingten AusfÀlle erreichen mit 19,5 Tagen pro Kopf einen neuen Höchststand. Psychische Erkrankungen sind Haupttreiber und verursachen immense wirtschaftliche SchÀden.

Krankenstand kostet Wirtschaft 160 Milliarden Euro - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Krankenstand kostet Wirtschaft 160 Milliarden Euro - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Die krankheitsbedingten Fehlzeiten in Deutschland verharren auf Rekordniveau. Laut aktuellen Daten der DAK-Gesundheit fehlten BeschÀftigte im vergangenen Jahr durchschnittlich 19,5 Tage. Das entspricht einem Krankenstand von 5,4 Prozent. Der wirtschaftliche Schaden ist immens: Eine Studie des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (VFA) beziffert den Verlust der letzten vier Jahre auf bis zu 160 Milliarden Euro.

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Psychische Leiden verdrĂ€ngen RĂŒckenprobleme

Die GrĂŒnde fĂŒr die AusfĂ€lle verschieben sich. Psychische Erkrankungen haben laut dem DAK-Gesundheitsreport 2025 erstmals Muskel-Skelett-Erkrankungen vom zweiten Platz verdrĂ€ngt. Die Fehltage aufgrund psychischer Leiden stiegen um knapp sieben Prozent.

Besonders problematisch fĂŒr Unternehmen ist die lange Dauer dieser AusfĂ€lle. „Psychisch bedingte Krankschreibungen sind oft mit sehr langen Ausfallzeiten verbunden“, warnt DAK-Chef Andreas Storm. Er fordert einen Krankenstands-Gipfel im Kanzleramt.

Merz stellt telefonische Krankschreibung infrage

Die Entwicklung hat die Politik erreicht. Bundeskanzler Friedrich Merz kritisierte kĂŒrzlich die hohen Fehlzeiten und stellte die Regelung zur telefonischen Krankschreibung infrage. Gesundheitsministerin Nina Warken kĂŒndigte eine ÜberprĂŒfung an, wĂ€hrend die SPD eine Abschaffung ablehnt.

UnabhĂ€ngig vom politischen Streit wĂ€chst der Druck auf die Unternehmen. Sie mĂŒssen eigene Lösungen finden, um die ProduktivitĂ€t zu sichern. Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) wird vom Bonus zur Notwendigkeit.

Moderne PrĂ€vention geht ĂŒber den Obstkorb hinaus

Immer mehr Betriebe strukturieren ihr Gesundheitsmanagement um. Der Fokus liegt heute auf mentaler Gesundheit. Dazu gehören Resilienz-Trainings, psychologische Beratung und Programme fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte.

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Gesundheitsbranche am stÀrksten betroffen

Die Fehlzeiten unterscheiden sich stark zwischen den Branchen. BeschÀftigte im Gesundheitswesen waren mit 6,2 Prozent Krankenstand am stÀrksten betroffen. Den niedrigsten Wert verzeichnete die IT-Branche mit lediglich 3,4 Prozent.

Der VFA empfiehlt breite Grippe-Impfkampagnen in Betrieben. Vor allem in Produktionsunternehmen wiegen AusfÀlle schwer. Die Wirtschaft kann sich dauerhaft keine 300.000 rechnerisch tÀglich fehlenden ErwerbstÀtigen leisten.

Ist der Anstieg nur ein Melde-Effekt?

Ein Teil des sprunghaften Anstiegs seit 2022 geht auf die elektronische ArbeitsunfĂ€higkeitsbescheinigung (eAU) zurĂŒck. Seitdem werden Krankschreibungen automatisch ĂŒbermittelt – die frĂŒhere Dunkelziffer nicht eingereichter Scheine entfĂ€llt.

Doch die reale Belastung bleibt gewaltig. Die 160 Milliarden Euro Schaden machen klar: Die Gesundheit der Mitarbeiter ist ein harter Wirtschaftsfaktor. Unternehmen, die in PrÀvention investieren, sichern ihren Wettbewerbsvorteil im FachkrÀftemangel.

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