Kratos Defense Aktie: 52-Wochen-Tief bei 35,29 Euro
26.06.2026 - 10:57:24 | boerse-global.de
Rekordaufträge, volle Bücher, halbierter Kurs. Bei Kratos Defense klafft die Lücke zwischen operativer Realität und Marktbewertung so weit auseinander wie selten zuvor in der Rüstungsbranche.
Die Aktie fiel am Freitag auf ein 52-Wochen-Tief von 35,29 Euro. Seit dem Januarhoch bei 114,00 Euro hat das Papier mehr als 64 Prozent verloren. Allein in den vergangenen sieben Tagen büßte die Aktie knapp 15 Prozent ein.
Waffenstillstand lähmt die Rüstungsrally
Der Hauptauslöser ist geopolitischer Natur. Washington und Teheran einigten sich Ende Mai auf einen 60-tägigen Waffenstillstand. Die Risikoprämie, die Rüstungsaktien seit Jahresbeginn angetrieben hatte, verpuffte schlagartig. Kratos verlor allein am Ankündigungstag mehr als vier Prozent.
Der Waffenstillstand ist das eine. Hinzu kommt die Unsicherheit über den US-Verteidigungshaushalt 2027. Der Kongress berät derzeit über deutliche Ausgabenerhöhungen — ein Beschluss würde Kratos direkt begünstigen. Hält der Waffenstillstand, bleibt der Druck auf die Aktie bestehen. Bricht er zusammen, dürfte die Nachfrage nach Rüstungsgütern rasch zurückkehren.
Starke Zahlen, schwacher Kurs
Das operative Geschäft erzählt eine andere Geschichte. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz um 22,6 Prozent auf 371 Millionen Dollar. Das Segment Unmanned Systems legte organisch sogar um 30,9 Prozent zu. Das Auftragsvolumen erreichte mit einem Book-to-Bill-Verhältnis von 1,6 zu 1,0 einen Rekordwert.
Der Auftragsbestand liegt bei zwei Milliarden Dollar. Die gesamte Projektpipeline übersteigt 14 Milliarden Dollar. Zahlen, die normalerweise Kursphantasie wecken würden.
Kapitalintensive Wachstumsphase belastet
Das Wachstum hat seinen Preis. Kratos plant, den Ausstoß seiner Spartan-Triebwerke und Valkyrie-Drohnen bis 2027 auf 3.000 Einheiten jährlich hochzufahren. Die Finanzierung läuft vollständig aus eigenen Mitteln. Das Management erwartet deshalb einen freien Cashflow-Abfluss von bis zu 105 Millionen Dollar in diesem Jahr.
Hinzu kommen erhöhte Forderungslaufzeiten. Beides hält einen Teil der Analysten trotz der starken Auftragslage vorsichtig. Der Konsens für den Jahresumsatz 2026 wurde auf 1,74 Milliarden Dollar angehoben — der Gewinn je Aktie hingegen auf 0,188 Dollar gesenkt.
Analysten bleiben optimistisch
Die Sell-Side hält an Kratos fest. Das durchschnittliche Kursziel der 15 kaufempfehlenden Analysten liegt bei 113,05 Dollar. JPMorgan stufte die Aktie zuletzt auf Overweight hoch und setzte ein Kursziel von 82 Dollar. Kein einziger Analyst empfiehlt den Verkauf.
Für die kommenden drei Jahre prognostizieren Analysten ein jährliches Umsatzwachstum von 16 Prozent und ein Gewinnwachstum von 32 Prozent pro Jahr.
Der RSI liegt bei 31,4 — knapp oberhalb der klassischen Überverkauft-Schwelle. Die Aktie notiert mehr als 40 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Ob sich diese Lücke schließt, entscheidet sich weniger in Kratos' Produktionshallen als in den Verhandlungsräumen zwischen Washington und Teheran — spätestens wenn der 60-tägige Waffenstillstand ausläuft.
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