Krieg, Ministerin

Krieg und Ministerin bescheren Solarbranche Sonderkonjunktur

Veröffentlicht am: 03.06.2026 um 06:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Irankrieg hat Deutschlands Solarfirmen zu einem unverhofften Auftragsboom verholfen.

Der kriegsbedingte Anstieg der Öl- und Gaspreise hat die Nachfrage privater Hausbesitzer nach Photovoltaikanlagen auf dem Dach sprunghaft steigen lassen, wie Bundesverband Solarwirtschaft und einzelne Unternehmen auf Anfrage berichten. Ein SekundĂ€rfaktor ist die von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) geplante KĂŒrzung der Solarförderung

"Aufgrund der Energiekrise und der Angst der Verbraucher vor möglichen Fördereinschnitten sehen wir Anzeichen einer solaren Sonderkonjunktur", sagt Carsten Körnig, der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundesverbands Solarwirtschaft. Sichtbar war das bei den Neuanlagen bereits im April: Im Vergleich zum Vorjahr legte die neu installierte PV-Leistung im sogenannten Heimsegment um vier Prozent auf 0,33 Gigawattpeak zu, wie der Verband auf Basis des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur errechnet hat.

In den Vormonaten war es deutlich abwÀrts gegangen: Von Januar bis Ende April wurden auf den DÀchern privater HÀuser neue Solaranlagen mit einer Leistung von 1,24 Gigawattpeak installiert, das waren 16 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Auftragsboom bei den Installateuren

Von der Auftragserteilung bis zur Inbetriebnahme einer neuen PV-Anlage vergehen jedoch auch bei schlechter Auftragslage fĂŒr die Installateure in der Regel mindestens einige Wochen. Besser als an den Daten der Bundesagentur lassen sich die politisch bedingten Effekte - ob Irankrieg oder KĂŒrzungsplĂ€ne - daher an NeuauftrĂ€gen und Kundenanfragen an die Solarfirmen ablesen. Und diese sind noch viel stĂ€rker gestiegen.

"Seit Ausbruch des Irankriegs ist die Nachfrage nach Solarenergie und WĂ€rmepumpen explodiert", sagt Mario Kohle, GrĂŒnder und Chef des bundesweit tĂ€tigen Installateurs Enpal. Die Folgen spĂŒrte das Berliner Unternehmen nach dem Beginn des Kriegs am 28. Februar quasi sofort: Im MĂ€rz und April bestellten die Kunden neue PV-Anlagen fĂŒr 250 Millionen Euro, 60 Millionen beziehungsweise ĂŒber 30 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Enpal sieht den Krieg als primĂ€ren Treiber, geht aber davon aus, dass auch die AnkĂŒndigungen des Bundesregierung zum Erneuerbare-Energien-Gesetz einen Einfluss haben.

"Seit Beginn des Irankonflikts sehen wir bei Solaranlagen einen sehr deutlichen Anstieg der Nachfrage, besonders bei Privatkunden, aber auch bei GeschĂ€ftskunden", sagt auch Filip Thon, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Eon DE000ENAG999 Energie Deutschland. Die privaten Kundenanfragen haben sich demnach seither mehr als verdoppelt, sowohl im Vergleich zu den Vormonaten als auch im Vergleich zum Vorjahr. "Das ist mit rein saisonalen Effekten nicht zu erklĂ€ren."

Geplantes Ende der EinspeisevergĂŒtung spielt ebenfalls eine Rolle

Eon geht nach einer kĂŒrzlich von dem Unternehmen in Auftrag gegebenen Statista-Umfrage unter 2.000 Hausbesitzern davon aus, dass ein Ende der EinspeisevergĂŒtung die Photovoltaik-Nachfrage privater Hausbesitzer dĂ€mpfen, aber nicht zum Erliegen bringen wĂŒrde. Rund dreiviertel der Menschen, die eine Solaranlage fĂŒr ihr Eigenheim planten, könnten sich demnach vorstellen, diese auch ohne feste EinspeisevergĂŒtung zu kaufen. "Nur vier Prozent wollen die Investition dann sicher nicht tĂ€tigen, zehn Prozent eher nicht, zwölf Prozent sind unentschieden", sagt Thon.

Eine von der Politik verursachte Sonderkonjunktur ist in der Regel nicht nachhaltig. Der Bundesverband Solarwirtschaft beklagt Hin und Her in der deutschen Energiepolitik: "Regulatorische Unsicherheiten sind Gift fĂŒr die mittel- und langfristige Investitionsbereitschaft", sagt HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Körnig. Der Verband appelliert daher an die Bundesregierung, die KĂŒrzungsplĂ€ne zu begraben und eine verlĂ€ssliche Förderkulisse herzustellen. "Andernfalls wird die Nachfrage nach SolardĂ€chern im nĂ€chsten Jahr massiv einbrechen."

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