ROUNDUP, Gewalt

Erneut Gewalt in Gaza - EU will Friedensplan unterstĂŒtzen

20.11.2025 - 06:30:19

Kurz nach Verabschiedung der UN-Resolution zur Absicherung des Nahost-Friedensplans von US-PrÀsident Donald Trump stellt ein tödlicher Zwischenfall die fragile Waffenruhe im Gazastreifen erneut auf die Probe.

Als Reaktion auf einen mutmaßlichen Angriff auf israelische Soldaten im SĂŒden ging Israels Armee eigenen Angaben zufolge mit Attacken im gesamten Gazastreifen gegen die islamistische Hamas vor. Dabei wurden laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mindestens 25 Menschen getötet. Mehr als 70 weitere Menschen hĂ€tten durch die Angriffe Verletzungen erlitten.

"Mehrere Terroristen" hĂ€tten in der Stadt Chan Junis im SĂŒden des palĂ€stinensischen KĂŒstengebiets das Feuer auf ein Gebiet eröffnet, in dem israelische Soldaten im Einsatz seien, erklĂ€rte die israelische Armee. Dies stelle einen Verstoß gegen das Waffenruhe-Abkommen dar. Verletzt worden sei aufseiten der Armee gleichwohl niemand. Die Hamas wies die Darstellung zurĂŒck, dass auf israelische Soldaten geschossen worden sei. "Wir betrachten dies als eine gefĂ€hrliche Eskalation", mit der Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu versuche, "den Genozid an unserem Volk wieder aufzunehmen."

Ungeachtet der erneuten Gewalt im Gazastreifen gehen die BemĂŒhungen um eine Umsetzung des Friedensplans von US-PrĂ€sident Trump weiter. Dieser sieht unter anderem den Aufbau einer Truppe aus internationalen Soldaten sowie die Entwaffnung der Hamas vor. Die EuropĂ€ische Union (EU) will den US-Friedensplan nicht nur mit Hilfsgeldern unterstĂŒtzen, sondern auch durch eine Ausweitung ihrer in der Region ansĂ€ssigen Grenzschutz- und Polizeimission.

EU will FĂŒhrungsrolle bei Aufbau von Polizeitruppe

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll heute bei einem Außenministertreffen in BrĂŒssel vereinbart werden, den Israelis und PalĂ€stinensern ein entsprechendes EU-Engagement anzubieten und wenn nötig Mandate fĂŒr die EinsĂ€tze anzupassen. Demnach könnte die EU ĂŒber die derzeit im Westjordanland ansĂ€ssige Mission Eupol Copps eine FĂŒhrungsrolle beim Aufbau einer neuen Polizeitruppe fĂŒr den Gazastreifen spielen und mittelfristig etwa 3.000 palĂ€stinensische SicherheitskrĂ€fte ausbilden. Als langfristiges Ziel wird die Ausbildung aller 13.000 voraussichtlich benötigter KrĂ€fte anvisiert.

Kurzfristig soll Eupol Copps zudem den Wiederaufbau von Justiz- und Sicherheitsstrukturen im Gazastreifen unterstĂŒtzen und an einer unter anderem von Deutschland finanzierten Polizeiakademie in Jericho Trainingsprogramme fĂŒr palĂ€stinensische Polizeiausbilder organisieren. Bislang arbeitete die zivile Polizei in Gaza unter der Kontrolle der Hamas. Die neue Polizei soll nach der zu Wochenbeginn verabschiedeten Gaza-Resolution des UN-Sicherheitsrates eng mit der geplanten internationalen Stabilisierungstruppe zusammenarbeiten.

Israels Armee meldet Zwischenfall auch im Norden Gazas

Kurz vor den erneuten israelischen Angriffen im Gazastreifen hatte die Armee einen Zwischenfall auch im Norden des abgeriegelten KĂŒstenstreifens gemeldet. Dabei hĂ€tten mehrere Menschen die sogenannte gelbe Linie, hinter der sich das israelische MilitĂ€r im Zuge der Waffenruhe zurĂŒckgezogen hat, ĂŒbertreten und sich Soldaten genĂ€hert. Sie hĂ€tten eine Bedrohung dargestellt und seien deshalb "eliminiert" worden, erklĂ€rte die Armee weiter.

Nach Angaben der palĂ€stinensischen Nachrichtenagentur Wafa wurden allein bei einem Angriff auf ein GebĂ€ude, das von einer von der Hamas kontrollierten Behörde in der Stadt Gaza im Norden des KĂŒstengebiets genutzt werde, zehn Menschen getötet, darunter drei MinderjĂ€hrige. Die Angaben beider Seiten lassen sich nicht unabhĂ€ngig prĂŒfen. Dass Israels MilitĂ€r auf Menschen schießt, die sich Soldaten nĂ€hern, kommt trotz der seit dem 10. Oktober geltenden Waffenruhe nahezu tĂ€glich vor. Stets ist dabei von "Terroristen" die Rede.

Waffenruhe weiterhin fragil

Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas hatte schon mehrfach gewackelt. Bei einer der bislang schwersten Belastungsproben hatte Israels Luftwaffe im Oktober nach einem tödlichen Angriff auf Soldaten laut Medienberichten Dutzende Ziele bombardiert - und zwar auch damals gleich im gesamten Gazastreifen. Dutzende Menschen waren dabei palĂ€stinensischen Angaben zufolge getötet worden. Die Hamas hatte auch damals die VorwĂŒrfe zurĂŒckgewiesen, sie habe israelische Soldaten angegriffen.

Hamas fordert Druck auf Israel

Nach Israels erneuten Angriffen forderte die Terrororganisation in einer Mitteilung auf Telegram die US-Regierung auf, ihre "Verpflichtungen zu erfĂŒllen" und Israel zur Einhaltung der Waffenruhe zu zwingen, wie es hieß. Seit Beginn der Waffenruhe kamen laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde rund 280 PalĂ€stinenser ums Leben. Die Angabe, die nicht zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern unterscheidet, lĂ€sst sich nicht unabhĂ€ngig verifizieren. Auf israelischer Seite wurden seither drei Soldaten bei Angriffen getötet, fĂŒr die die Hamas verantwortlich gemacht wurde.

Die Waffenruhe ist Teil des Friedensplans von US-PrĂ€sident Trump. Israel und die Hamas hatten sich dabei auch auf den Austausch von Geiseln und Gefangenen geeinigt. Inzwischen hat die Hamas alle noch lebenden Verschleppten freigelassen und die meisten toten Geiseln an Israel ĂŒbergeben. Derzeit befinden sich noch die Leichen von drei aus Israel entfĂŒhrten Geiseln in Gaza, darunter die eines ThailĂ€nders. Die Hamas hatte angegeben, einige Leichen unter den TrĂŒmmern nicht finden oder bergen zu können, was Israel anzweifelt.

@ dpa.de