ROUNDUP, Trump

Trump pausiert Zölle gegen Kanada und will dafĂŒr Öl-Pipeline

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 07:05 Uhr | dpa.de

Kurz vor dem Inkrafttreten neuer Zölle auf eine Reihe von kanadischen Produkten hat US-PrÀsident Donald Trump seine PlÀne auf Eis gelegt.

Die Erhebung der ImportgebĂŒhren solle um drei Tage ausgesetzt werden, damit beide Seiten einen Deal fĂŒr das Öl-Pipeline-Projekt Keystone XL abschließen könnten, teilte er auf seiner Plattform Truth Social mit. Trump wollte ursprĂŒnglich ab diesem Mittwoch (Ortszeit) einen Zoll von 50 Prozent auf eine lange Liste kanadischer Produkte erheben.

UnterhĂ€ndler beider LĂ€nder hatten laut Berichten bis zum letzten Moment verhandelt. Kanadas Premierminister Mark Carney hatte am Montag angekĂŒndigt, auf jedes Szenario vorbereitet zu sein, und aus einer "Position der StĂ€rke" zu verhandeln. Nach Bekanntwerden von Trumps Aufschub teilte Carney mit: "Es wurden bereits bedeutende Fortschritte erzielt, auch wenn noch wesentliche Arbeit zu erledigen ist." Er verwies darauf, dass sich sein Land weiter darauf fokussiere, "eine stĂ€rkere, unabhĂ€ngigere und wettbewerbsfĂ€higere Wirtschaft im eigenen Land aufzubauen".

Bei Keystone XL handelt es sich um ein von Trumps demokratischem AmtsvorgĂ€nger Joe Biden blockiertes Öl-Pipeline-Projekt. Schon lĂ€nger hegt der Republikaner Trump den Wunsch, trotz Bedenken von UmweltschĂŒtzern das Projekt wiederzubeleben.

Projekt war eigentlich schon vor Jahren beerdigt worden

Bei dem eigentlich schon vor Jahren ad acta gelegten Projekt ging es um die 1.900 Kilometer lange Erweiterung der 2010 in Betrieb genommenen Keystone Pipeline, die von der kanadischen Provinz Alberta in die USA fĂŒhrt. Durch die Röhre sollte aus Teersand gewonnenes Öl bis zur KĂŒste am Golf von Mexiko gepumpt werden.

Doch UmweltschĂŒtzer, die auf die Gefahr klimaschĂ€dlicher Treibhausgase und befĂŒrchteter Lecks verwiesen, hatten mit ihrem jahrelangen Protest gegen die Ölindustrie Erfolg: Obwohl ein Teil der Pipeline im SĂŒden bereits existiert, bliesen die Betreiber und die Regierung von Alberta das XL-Projekt im Juni 2021 ab. Damit endete ein langer und zĂ€her Konflikt, der auch Gerichte und Politiker in den USA und Kanada intensiv beschĂ€ftigte.

Die Entscheidung des Unternehmens und der kanadischen Provinz kam damals wenig ĂŒberraschend. Biden hatte die von seinem damaligen VorgĂ€nger Trump erteilte Erlaubnis fĂŒr den Bau nach Amtsantritt wieder zurĂŒckgenommen. Damit folgte er der Linie von Ex-PrĂ€sident Barack Obama, der das Projekt - noch bevor Trump 2017 erstmals ins Amt kam - bereits wegen Umweltbedenken untersagt hatte.

Damit hatte Trump gedroht

Bei dem Handelsstreit der beiden benachbarten LĂ€nder wollte Trump ursprĂŒnglich einen Zoll von 50 Prozent unter anderem auf kanadischen Wein, HockeyschlĂ€ger, Möbel und Milchprodukte erheben. Die AufschlĂ€ge wĂ€ren mit Beginn des Mittwochs (Ortszeit) eigentlich in Kraft getreten.

Laut einer ErklĂ€rung aus dem Weißen Haus vom Juli reagieren die USA damit "auf Kanadas diskriminierende Behandlung amerikanischer Produkte". Genannt wurden etwa Autos, Alkohol und Milchprodukte. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer hatte damals mitgeteilt, dass die neuen Zölle auf Importe aus Kanada im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar gelten werden. Insgesamt importierten die USA im Jahr 2025 Waren im Wert von 383 Milliarden US-Dollar (330 Mrd. Euro) aus Kanada.

Zölle weiten den Streit auf kleinere Hersteller aus

Die Beziehungen zwischen Kanada und den USA haben sich seit Trumps Amtsantritt deutlich verschlechtert. Auslöser sind unter anderem bereits verhĂ€ngte Zusatzzölle, wiederholte Drohungen des US-PrĂ€sidenten gegen Kanada sowie seine mehrfach geĂ€ußerte Idee, das Nachbarland zum 51. Bundesstaat der USA zu machen. Als Reaktion auf die US-Zölle entfernten viele kanadische Provinzen etwa Alkohol aus den Vereinigten Staaten aus den Regalen und riefen Verbraucher zum Kauf heimischer Produkte auf.

"FrĂŒhere Zollrunden konzentrierten sich stark auf Stahl, Aluminium, Automobile und Holz. Diese Runde weitet den Streit auf kleinere Hersteller, KonsumgĂŒtermarken, EinzelhĂ€ndler und Baustofflieferanten aus", schreibt Andreas Schotter, Professor fĂŒr internationale Wirtschaft an der kanadischen Wirtschaftshochschule Ivey. Er geht davon aus, dass die Regelung - sollte sie bestehen bleiben - langfristig den Export der GĂŒter in die USA reduzieren werde.

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