Neustart fĂŒr GlĂ€serne Manufaktur - wer bleibt, wer geht?
04.12.2025 - 15:32:21Ab kommendem Jahr soll in dem groĂen Glasbau ein Innovationscampus entstehen, wie VW DE0007664039 Sachsen mitteilte. "Das ist schon ein Einschnitt in der Geschichte unserer GlĂ€sernen Manufaktur", sagte der GeschĂ€ftsfĂŒhrer Personal und Organisation bei Volkswagen DE0007664039 Sachsen, Thomas Edig, nach der Betriebsversammlung in Dresden. Die Versammlung sei "sehr emotional" gewesen.
Geplant ist ein Innovationszentrum fĂŒr zentrale Technologiefelder, darunter KĂŒnstliche Intelligenz, Robotik, Mikroelektronik und Chip-Design. Deutschlands gröĂter Autobauer, der Freistaat Sachsen und die Technische UniversitĂ€t (TU) Dresden gehen dafĂŒr eine strategische Partnerschaft ein, hieĂ es. DafĂŒr hatten sie eine entsprechende AbsichtserklĂ€rung unterschrieben.
Die TU werde in Zukunft fast die HĂ€lfte der FlĂ€chen in dem Dresdner Werk anmieten. In den kommenden sieben Jahren sollen vier neue Stiftungsprofessuren, Nachwuchsgruppen und gemeinsame Forschungsprojekte eingerichtet werden. Insgesamt wollen VW und TU dafĂŒr insgesamt mehr als 50 Millionen Euro investieren, hieĂ es.
Wie geht es fĂŒr die BeschĂ€ftigten weiter?
Die mehr als 200 BeschĂ€ftigten sollen nach Angaben von VW vorerst ihren Arbeitsplatz in Dresden behalten. FĂŒr eine mittlere zweistellige Zahl an BeschĂ€ftigten seien die kĂŒnftigen Aufgaben allerdings noch nicht ausdefiniert, sagte Edig. "Es wird hier, wie an allen anderen Werken, keine betriebsbedingten KĂŒndigungen geben." Bis 2030 gelte eine BeschĂ€ftigungsgarantie.
Den BeschĂ€ftigten, deren TĂ€tigkeiten kĂŒnftig entfallen, sollen demnach Alternativen angeboten werden. Dazu zĂ€hle neben AufhebungsvertrĂ€gen und Vorruhestandsregelungen auch die Möglichkeit, an die Volkswagen-Standorte in Zwickau oder Chemnitz zu wechseln. FĂŒr einen Wechsel ins Stammwerk nach Wolfsburg kĂŒndigte VW eine WechselprĂ€mie bis zu 30.000 Euro an.
"Wir lassen keinen einzigen Kollegen, keine einzige Kollegin im Regen stehen", versicherte Edig. "Wer weiter Autos bauen will, der setzt sich morgen ins eigene Auto und hilft uns, die Personalbedarfe in Chemnitz zu decken." Nach Angaben des Konzern-Betriebsrats sollen in der GlĂ€sernen Manufaktur kĂŒnftig 155 Menschen beschĂ€ftigt sein, wie Thomas SchĂ€fer, Marken-Vorstand von Volkswagen Pkw, demnach in der Betriebsversammlung sagte.
IG Metall fordert Klarheit
Die IG Metall wies nach der Betriebsversammlung auf offene Fragen hin. "In zwei Wochen lĂ€uft die Produktion aus und das heiĂt also, fĂŒr eine Anzahl von Leuten ist die Frage ungeklĂ€rt, welcher BeschĂ€ftigung sie ab dann nachgehen", sagte der Erste BevollmĂ€chtigte der IG Metall Dresden, Stefan Ehly. "Wir fordern vom Unternehmen ein, dass hier jetzt Klarheit geschaffen wird."
Die Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Daniela Cavallo, betonte an die BeschĂ€ftigten gerichtet: "Freiwillige Wechsel sind okay. Aber Versetzungen gegen euren Willen wird es mit uns nicht geben", sagte sie. Die Entscheidung mĂŒsse jeder persönlich treffen, es werde niemand gezwungen. Es sei nun wichtig, allen BeschĂ€ftigten eine Perspektive zu geben.
Umbau ab Januar geplant
"Wir haben uns die Entscheidung, die Fahrzeugproduktion in der GlÀsernen Manufaktur nach mehr als 20 Jahren zu beenden, nicht leicht gemacht", sagte SchÀfer. "Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten war sie jedoch zwingend erforderlich." Umso wichtiger sei es, dass jetzt ein tragfÀhiges Zukunftskonzept stehe.
Die GlĂ€serne Manufaktur galt einst als Prestigeprojekt von VW und wurde 2001 als ProduktionsstĂ€tte fĂŒr das VW-Oberklasse-Modell Phaeton eingeweiht. 2016 wurde dessen Fertigung eingestellt und spĂ€ter der ID.3 produziert. Mitte Dezember endet auch diese Serienproduktion. Ab Januar 2026 soll das Werk umgebaut werden, als Auslieferungs- und Erlebnisstandort aber erhalten bleiben. Mitte 2026 sollen die ersten gemeinsamen Forschungsprojekte mit der TU starten, ab 2027 im Regelbetrieb.
Kretschmer lobt UmbauplÀne
Sachsens MinisterprĂ€sident Michael Kretschmer (CDU) nannte die PlĂ€ne einen Wendepunkt fĂŒr den Industriestandort Sachsen. "Mit der Neuausrichtung der GlĂ€sernen Manufaktur entsteht nicht nur ein Innovationscampus von nationaler Bedeutung - wir setzen ein klares Zeichen fĂŒr den Anspruch unseres Landes, bei Zukunftstechnologien ganz vorn mitzuspielen", sagte Kretschmer.
Auf die Zukunft der VW-Werke in Zwickau und Chemnitz blickt Kretschmer optimistisch. "Ich habe eine klare Vorstellung von den Problemen von VW. Aber ich habe auch die Zuversicht und das komplette Vertrauen, dass das miteinander Besprochene gilt und dass Zwickau-Mosel und Chemnitz auch in den nÀchsten Jahrzehnten wichtige Standorte von Volkswagen sein werden", sagte er der Zeitschrift "Auto Motor und Sport".

