Lanxess verschärft Umbau: Hunderte Jobs in NRW fallen weg
23.03.2026 - 05:39:35 | boerse-global.deDer Kölner Chemiekonzern Lanxess treibt seinen Sparkurs mit Nachdruck voran. Nach einem äußerst schwierigen Geschäftsjahr kündigte der Konzern am 19. März 2026 an, weltweit weitere 550 Stellen zu streichen. Der Schwerpunkt liegt erneut auf den Verwaltungszentren in Nordrhein-Westphalen. Die Maßnahme zeigt die Tiefe der Krise in der deutschen Chemieindustrie.
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Neuer Sparkurs soll 100 Millionen Euro bringen
Die jetzt beschlossenen Stellenstreichungen sind eine Erweiterung des bereits laufenden „FORWARD!“-Programms. Während dieses Programm bis Ende 2025 870 Stellenabbau und 150 Millionen Euro Einsparungen vorsah, zielt die neue Welle auf weitere 100 Millionen Euro jährlich bis 2028. Rund zwei Drittel der neuen Kürzungen werden deutsche Standorte treffen, vor allem in der Verwaltung.
Die finanziellen Zahlen für 2025 make den Druck deutlich: Der Umsatz brach um 10,9 Prozent auf 5,673 Milliarden Euro ein. Noch deutlicher fiel der Rückgang beim bereinigten Betriebsergebnis (EBITDA) aus – es sank um 16,9 Prozent auf 510 Millionen Euro. Schwache Nachfrage und erbitterter Preiskampf, besonders bei Polymeren, trieben den Konzern in die Defensive.
Leverkusen und Köln im Fokus des Stellenabbaus
Als größte Verwaltungs- und Managementstandorte werden die NRW-Standorte Köln und Leverkusen den Großteil des deutschen Stellenabbaus tragen. Für Leverkusen, das historische Herz der deutschen Chemie, ist es ein weiterer Schlag für den Industriearbeitsplatz. Die Kürzungen bei Lanxess und ähnliche Programme beim Nachbarn Bayer setzen den regionalen Arbeitsmarkt erheblich unter Druck.
Trotz der harten Einschnitte betont der Konzern sein Bekenntnis zur Region. Man wolle betriebsbedingte Kündigungen vermeiden und setze auf natürliche Fluktuation, Demografie und Abfindungsangebote. Als Symbol der Verbundenheit hält Lanxess vorerst an den Namensrechten der Lanxess Arena in Köln fest.
Tarifparteien einigen sich auf 35-Stunden-Woche
In einer bemerkenswerten Einigung haben Vorstand, Betriebsrat und Gewerkschaft IG BCE einen sozialverträglichen Weg gefunden. Um tiefere Jobkürzungen abzuwenden, wird für tarifgebundene Mitarbeiter bis Ende 2026 die 35-Stunden-Woche eingeführt. Experten sehen darin eine clevere Lösung, um Personalkosten zu senken, ohne das qualifizierte Personal zu verlieren.
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Ergänzt wird die Maßnahme durch einen Gehaltsverzicht für das obere Management und außertarifliche Angestellte in 2026. Der Betriebsrat signalisierte, dass diese schmerzhaften Schritte immer noch besser seien als Werksschließungen. Die Vereinbarung erleichtert auch vorzeitige Renteneintritte, um die Personalreduktion in den nächsten drei Jahren zu erreichen.
Chemiestandort Deutschland im „perfekten Sturm“
Die Probleme von Lanxess sind symptomatisch für die gesamte europäische Chemieindustrie. Die Branche steckt in einer „dreifachen Zange“ aus hohen Energiekosten, einem als überbordend empfundenen regulatorischen Umfeld und billiger Konkurrenz aus Asien.
Anfang März 2026 stufte die Ratingagentur Moody’s Lanxess herab und entzog dem Konzern den Investment-Grade-Status. Dies spiegelt die Sorgen der Anleger vor dem Hintergrund einer stagnierenden europäischen Wirtschaft wider. Auch Branchenriesen wie BASF und Evonik haben milliardenschwere Sparprogramme und tausende Stellenstreichungen angekündigt. Experten sprechen von einem strukturellen Niedergang, nicht nur von einer konjunkturellen Delle.
Vorsichtiger Ausblick auf 2026
Für das laufende Jahr bleibt der Vorstand vorsichtig. Man erwartet ein bereinigtes EBITDA zwischen 450 und 550 Millionen Euro. Eine spürbare Erholung sei frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2026 zu erwarten, so CEO Matthias Zachert.
Hoffnung setzt der Konzern auf das deutsche Infrastruktur-Konjunkturprogramm, das die Nachfrage nach Bauchemie und Hochleistungskunststoffen ankurbeln könnte. Langfristig soll der Verkauf des Anteils am Joint Venture Envalior bis 2028 frisches Kapital in dreistelliger Millionenhöhe bringen. Bis dahin wird sich zeigen, ob die drastischen Sparmaßnahmen den industriellen Kern des Unternehmens in Deutschland bewahren können.
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