Lettlands Grenzschutz-Chef: Lage an Grenze zu Belarus angespannt
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 11:24 Uhr, dpa.de"Die Lage ist seit April ziemlich angespannt und kompliziert", sagte Grenzschutz-Chef Guntis Pujats im lettischen Radio. Demnach komme es regelmĂ€Ăig zu illegalen GrenzĂŒbertrittversuchen. In diesem Jahr seien bereits 7.634 Migranten davon abgehalten worden, unerlaubt die grĂŒne Grenze zu passieren - und damit 800 mehr als im Vergleich zum Vorjahr.
"Lettland ist derzeit eindeutig das Hauptzielland", sagte Pujats mit Blick auf die Zahl an Migranten, die zuletzt in Polen und Litauen an der Grenze zum autoritÀr regierten Belarus aufgegriffen wurden. So hÀtten an manchen Tagen teils mehr als 200 illegale GrenzgÀnger versucht, irregulÀr nach Lettland einzureisen. In den NachbarlÀndern dagegen liegen die Zahlen nach offiziellen Angaben deutlich niedriger - in Litauen wurden im gesamten Jahr bislang 900 Migranten abgehalten, in Polen kam es zuletzt nur noch zu wenigen Versuchen.
Auch sei eine deutlich höhere AggressivitĂ€t festzustellen, so Pujats. "Wir mĂŒssen spezielle AusrĂŒstung, Waffen und WarnschĂŒsse einsetzen, um illegale GrenzĂŒbertritte zu verhindern. GrenzĂŒbertreter haben ein Fahrzeug des Grenzschutzes gerammt, und auch Grenzbeamte wurden bei der Verfolgung der GrenzĂŒbertreter in UnfĂ€lle verwickelt", sagte der Grenzschutz-Chef. Auch die Zahl an beteiligten Schleusern habe zugenommen. Viele Migranten, die ĂŒber Belarus irregulĂ€r in die EU einreisen wollen, haben Deutschland als Ziel.
Nicht alle irregulÀren GrenzgÀnger können gestoppt werden
Pujats rĂ€umte ein, dass nicht alle Versuche verhindert und rund 10 Prozent der GrenzĂŒbertreter nicht in GrenznĂ€he gestoppt werden könnten. Dies erfordere weitere Ermittlungen innerhalb Lettlands sowie eine grenzĂŒberschreitende Zusammenarbeit mit den NachbarlĂ€ndern. Der Grenzschutz-Chef forderte zudem mehr UnterstĂŒtzung an der Grenze durch die lettische Armee.
Lettland grenzt im Osten auf einer LĂ€nge von rund 172 Kilometern an Russlands engen VerbĂŒndeten Belarus. Der Ostseestaat beschuldigt - wie auch Polen und Litauen - den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko, in organisierter Form Migranten an die EU-AuĂengrenze zu bringen, um Druck auf den Westen auszuĂŒben. Alle drei LĂ€nder haben deshalb bereits den Schutz der Grenze verstĂ€rkt, einen Grenzzaun errichtet und die Kontrollen verschĂ€rft.
