Lettlands, Grenzschutz

Lettlands Grenzschutz: Migrantentunnel mit Wissen von Minsk gegraben

Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 18:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Lettlands Grenzschutz hat den Behörden des autoritĂ€r regierten Nachbarlands Belarus vorgeworfen, fĂŒr den Bau von Migrantentunneln unter dem Zaun an der Grenze mitverantwortlich zu sein.

"Es ist schlicht unmöglich, einen solchen Tunnel zu bauen, ohne dass die belarussischen Grenzschutzbeamten davon Kenntnis haben", sagte Behördenchef Guntis Pujats im lettischen Radio mit Blick auf einen in der Vorwoche entdeckten Geheimgang unter der inzwischen stark gesicherten EU-Außengrenze zwischen Belarus und Lettland.

Nach Angaben von Pujats befand sich der Eingang auf belarussischer Seite 10 Meter von Grenze entfernt und war mit BĂ€umen und BĂŒschen ĂŒberdeckt. Der Tunnel selbst sei 80 Zentimeter hoch und breit sowie mindestens 30 Meter lang gewesen. FĂŒr dessen Bau seien 28 Kubikmeter Erde abgetragen worden. Zudem seien massive StĂŒtzkonstruktionen errichtet und eine Abdeckung auf Sperrholz angebracht worden.

"Die Bauarbeiten waren ziemlich umfangreich. Die zustÀndigen Stellen waren also zweifellos informiert", sagte der lettische Grenzschutz-Chef. Er vermutete, dass die Grabungsarbeiten am Tunnel auf belarussischer Seite verfolgt und eingestellt wurden, sobald sich eine lettische Grenzpatrouille nÀherte. Dazu seien von Beobachtern vermutlich technische Hilfsmittel wie etwa WÀrmebildkameras eingesetzt worden, sagte Pujats.

NĂ€chster Tunnel nur "eine Frage der Zeit"

Lettland hat - wie auch Litauen und Polen - das autoritĂ€r regierte Belarus wiederholt beschuldigt, in organisierter Form Migranten aus Krisenregionen an die EU-Außengrenze zu bringen. Die Regierungen der drei LĂ€nder reagierten darauf mit einem verstĂ€rkten Schutz der Grenze und dem Bau eines Grenzzauns, den die Migranten bislang vor allem mit selbstgebauten Leitern oder Metallscheren zu ĂŒberwinden versuchten. Zuletzt wurden von GrenzschĂŒtzern aber vermehrt unterirdische Schleichwege aufgetan.

Bisher wurden nach Pujats Angaben zwölf Tunnel in Litauen und zwei in Lettland entdeckt. Der Grenzschutz-Chef rĂ€umte ein, dass es mehr werden könnten. "Ich wĂŒrde sagen, wir warten auf den nĂ€chsten Tunnel. Es gibt Berichte, dass bereits gegraben wird. Es ist nur eine Frage der Zeit."

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