LibreOffice, Euro-Office

LibreOffice und Euro-Office: Offene BĂŒrosoftware im Umbruch

02.04.2026 - 08:21:34 | boerse-global.de

LibreOffice veröffentlicht neue Wartungsupdates fĂŒr Leistung und KompatibilitĂ€t, wĂ€hrend das europĂ€ische Projekt Euro-Office in einen Lizenzkonflikt mit OnlyOffice gerĂ€t.

LibreOffice und Euro-Office: Offene BĂŒrosoftware im Umbruch - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Die Welt der BĂŒrosoftware wird zunehmend offener und vielfĂ€ltiger. WĂ€hrend LibreOffice mit neuen Updates seine Position festigt, sorgt der europĂ€ische Newcomer Euro-Office bereits fĂŒr den ersten großen Lizenzstreit in der Community.

Die Document Foundation hat kĂŒrzlich zwei parallele Wartungsupdates fĂŒr ihre freie Office-Suite veröffentlicht: LibreOffice 26.2.2 fĂŒr technikaffine Nutzer und LibreOffice 25.8.6 als stabile Version fĂŒr den Unternehmenseinsatz. Die Updates, die am 26. MĂ€rz 2026 erschienen, bauen auf der großen Version 26.2 vom Februar auf, die vor allem auf eine schnellere und zuverlĂ€ssigere Nutzererfahrung abzielte.

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Leistung und KompatibilitÀt im Fokus

Die neuesten Versionen bringen spĂŒrbare Verbesserungen. Der Code wurde optimiert, um große Dokumente schneller zu laden und komplexe Tabellenkalkulationen flĂŒssiger darzustellen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der KompatibilitĂ€t mit Microsoft-Office-Formaten.

So unterstĂŒtzt LibreOffice nun das EinfĂŒgen großer DatensĂ€tze aus Excel ohne frĂŒhere GrĂ¶ĂŸenbeschrĂ€nkungen. Der Standard-Export fĂŒr Tabellen ist jetzt auf „Excel 2010-365“ ausgelegt. Die Textverarbeitung Writer profitiert von verfeinerten Formatvorlagen und einer verbesserten Änderungsnachverfolgung fĂŒr die Zusammenarbeit. Die Tabellenkalkulation Calc verfĂŒgt ĂŒber eine optimierte Berechnungs-Engine.

Ein wichtiger neuer Baustein ist die echte Mehrbenutzer-UnterstĂŒtzung fĂŒr LibreOffice Base, die gleichzeitiges Arbeiten an Datenbanken ermöglicht. Zudem kann die Suite nun Markdown-Dateien importieren und exportieren – ein Feature, das vor allem fĂŒr Content-Ersteller interessant ist.

Euro-Office: EuropÀische Alternative mit Startschwierigkeiten

WĂ€hrend LibreOffice etablierte StĂ€rken ausbaut, hat ein neues Projekt fĂŒr Aufsehen gesorgt: Euro-Office. Die von Nextcloud, IONOS und weiteren europĂ€ischen Partnern angekĂŒndigte Software soll eine „souverĂ€ne europĂ€ische Alternative“ zu bestehenden Plattformen werden. Die erste stabile Version ist fĂŒr Sommer 2026 geplant.

Doch der Start ist holprig. Nur einen Tag nach der ProjektankĂŒndigung am 30. MĂ€rz suspendierte OnlyOffice seine achtjĂ€hrige Partnerschaft mit Nextcloud. OnlyOffice, dessen Codebasis Euro-Office nutzen soll, wirft dem neuen Projekt VerstĂ¶ĂŸe gegen die AGPLv3-Lizenz vor. Es habe Pflichten zu MarkenfĂŒhrung, Namensnennung und Open-Source-Verbreitung nicht eingehalten.

Nextcloud konterte, die Zusammenarbeit mit OnlyOffice sei schwierig gewesen. Man habe zudem Bedenken wegen der russischen Wurzeln von OnlyOffice. Der Streit zeigt die komplexen Spannungsfelder zwischen offener Zusammenarbeit, Lizenztreue und dem wachsenden europÀischen Wunsch nach digitaler SouverÀnitÀt.

Vielfalt neben LibreOffice: Von OnlyOffice bis CryptPad

Neben den großen Playern existiert eine lebendige Landschaft spezialisierter Tools:

  • OnlyOffice glĂ€nzt mit Echtzeit-Zusammenarbeit und sehr hoher Microsoft-Office-KompatibilitĂ€t. Die OberflĂ€che orientiert sich an Office 2016, um Umsteigern den Einstieg zu erleichtern.
  • Apache OpenOffice, der historische Vorreiter, entwickelt sich nur noch langsam, bleibt aber eine stabile Desktop-Option.
  • CryptPad setzt voll auf PrivatsphĂ€re und bietet Ende-zu-Ende-verschlĂŒsselte Echtzeitbearbeitung direkt im Browser.
  • WPS Office und SoftMaker FreeOffice punkten mit einer modernen, Microsoft-Ă€hnlichen OberflĂ€che und exzellenter Format-Treue – auch in ihren kostenlosen Versionen.
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Digitale SouverÀnitÀt treibt die Entwicklung

Der Aufschwung freier BĂŒrosoftware ist eng mit dem globalen Streben nach digitaler SouverĂ€nitĂ€t verbunden. Behörden, Bildungseinrichtungen und Unternehmen, besonders in Europa, wollen AbhĂ€ngigkeiten von proprietĂ€ren Software-Ökosystemen reduzieren.

LibreOffice, in ĂŒber 120 Sprachen verfĂŒgbar und frei von Vendor-Lock-in, ist ein Grundpfeiler dieser movement. Die Document Foundation meldete zum Jahresende 2025 einen deutlichen Spendenanstieg – ein Zeichen starker Community-UnterstĂŒtzung.

Doch auch innerhalb der Community gibt es Bewegung. Am 1. April 2026 wies das Mitgliederkomitee der Document Foundation mehrere Mitarbeiter und Partner von Collabora aus. Collabora, ein wichtiger Code-Geber fĂŒr LibreOffice, plant seinerseits eine eigene, differenzierte „Collabora Office“-Suite. Solche internen Dynamiken könnten das Ökosystem langfristig verĂ€ndern.

Die Zukunft der offenen BĂŒrosoftware wird weiter von drei Themen geprĂ€gt sein: der perfekten InteroperabilitĂ€t mit Microsoft-Formaten, nahtloser Cloud-Integration und spezialisierten Lösungen fĂŒr Nischen. Eines ist klar: Die freien Alternativen sind heute keine Experimente mehr, sondern essenzielle Bausteine fĂŒr eine resiliente und nutzerkontrollierte digitale Zukunft.

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