ROUNDUP, Halbleitermangel

Halbleitermangel bringt Industrie und Regierung in Zugzwang

22.10.2025 - 15:40:52 | dpa.de

Lieferprobleme bei Halbleitern beschÀftigen Autohersteller und die Bundesregierung.

Nach dem Verband der Automobilindustrie (VDA) warnt auch der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) vor einer Krise. Sie halten Produktionsstopps fĂŒr vorstellbar. Nach Branchenangaben hören sich Unternehmen nach alternativen Quellen um.

Bei dem niederlĂ€ndischen Halbleiterhersteller Nexperia gibt es Lieferprobleme, nachdem die niederlĂ€ndische Regierung die Kontrolle ĂŒber die von einer chinesischen Konzernmutter gefĂŒhrte Firma ĂŒbernommen hatte. China stoppte daraufhin die Ausfuhr von Nexperia-Produkten fĂŒr die Autoindustrie.

Der Vorsitzende der ZVEI-GeschĂ€ftsfĂŒhrung, Wolfgang Weber, sagte der Deutschen Presse-Agentur: Die Mitgliedsfirmen des Verbandes arbeiteten an Ersatzlösungen. Es gebe Signale, die Anlass zur Hoffnung gĂ€ben. "Ein Problem liegt jedoch in der notwendigen Qualifizierung der Ersatzbauteile - wir können also keine Entwarnung geben." Die Krise mĂŒsse schnell politisch gelöst werden.

Deutschland und Niederlande suchen Kontakt zu China

Die Bundesregierung sucht nach Lösungen. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte in Berlin, man sei besorgt und mit den verschiedenen Beteiligten in engem Austausch - auch mit der chinesischen Regierung. Zur Krise bei Nexperia sollte es am Abend eine Schalte des Bundeswirtschaftsministeriums mit VerbÀnden und Unternehmen aus der Automobil- und Elektronik-Industrie geben, wie dpa von Beteiligten erfuhr.

Am Dienstag hatte der geschĂ€ftsfĂŒhrende niederlĂ€ndische Wirtschaftsminister, Vincent Karremans, nach eigenen Angaben mit seinem chinesischen Kollegen Wang Wentao telefoniert.

Autobauer und Zulieferer sind alarmiert

Die Produktion beim Wolfsburger Autokonzern Volkswagen DE0007664039 blieb heute nach Unternehmensangaben unbeeintrĂ€chtigt. Aufgrund der dynamischen Lage könnten Auswirkungen aber kurzfristig nicht ausgeschlossen werden, hieß es in einem Eintrag im Intranet des Konzerns.

Von Mercedes-Benz DE0007100000 aus Stuttgart hieß es, man rechne kurzfristig nicht mit AusfĂ€llen. Dank der Zusammenarbeit mit den Zulieferern und Lehren aus der Chipkrise sei das Unternehmen im Kurzfristzeitraum abgesichert. Die Situation werde aber beobachtet. VerlĂ€ssliche Prognosen seien schwer zu machen.

Der VDA hatte schon am Dienstag vor möglichen AusfĂ€llen wegen der Probleme bei Nexperia gewarnt - bis hin zu Produktionsstopps. "Die Situation könnte schon in naher Zukunft zu erheblichen ProduktionseinschrĂ€nkungen, gegebenenfalls sogar zu Produktionsstopps fĂŒhren", sagte VDA-PrĂ€sidentin Hildegard MĂŒller. Erste Zulieferer wie ZF richteten bereits Taskforces ein. Bosch sprach von großen Herausforderungen.

Nexperia verfĂŒgt ĂŒber internationale Lieferkette

Nexperia mit Sitz im niederlĂ€ndischen Nijmegen ist ein wichtiger Anbieter sogenannter diskreter Halbleiter. Das sind eher einfache Bauteile, die aber fĂŒr die Wirtschaft unverzichtbar sind. Bei einzelnen Bauteilen ist Nexperia nach eigenen Angaben WeltmarktfĂŒhrer. Zu den Kunden zĂ€hlten Stand August Automobilhersteller wie Tesla US88160R1014 und Zulieferer wie Bosch. Nexperia hat Fabriken in Hamburg und Manchester und Montagezentren in Asien.

Nach Angaben des ZVEI ĂŒbernehmen diskrete Bauteile viele Funktionen - nicht allein im Auto: Sie verarbeiten zum Beispiel Signale in SteuergerĂ€ten, regeln und stabilisieren die Spannung und binden Sensoren an. Wie viele diskrete Halbleiter in einem Auto verbaut werden, hĂ€ngt laut ZVEI vom Einzelfall ab.

Druck aus den USA auf Den Haag

Der niederlĂ€ndische Minister Karremans hatte dem chinesischen EigentĂŒmer von Nexperia per Beschluss des Amsterdamer Wirtschaftsgerichts die Kontrolle entziehen lassen. Zuvor erklĂ€rte er, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China nichts mit dem Konflikt um Nexperia zu tun habe. Doch aus Gerichtsakten geht hervor, dass die USA Den Haag zu dem Schritt gedrĂ€ngt hatten.

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